Das Sterben ist hausgemacht
Donnerstag, 13. März 2003, 09:04 Uhr
Nordhausen (nnz). Die Zeitungslandschaft im Landkreis Nordhausen wird ärmer. Das Nordhäuser Echo, eines der ersten Anzeigenblätter, nimmt Abschied. Der ist zum Teil hausgemacht. Dazu eine nnz-Betrachtung.
Mitten in der Wende war es, da kam der Jungfer-Verlag aus dem niedersächsischen Herzberg mit seinen Zeitungen nach Nordhausen. Der Chefredakteur des Harz-Kuriers, Adolf Bischof, karrte die Tageszeitung und Anzeigenblätter fast täglich im eigenen Auto nach Nordhausen und verteilte sie. Da gab es die Neue noch kostenlos. Monate später gelang es, eine Nordhäuser Redaktion aufzubauen, parallel dazu wurde der Anzeigenblattmarkt im Landkreis Nordhausen etabliert.
Vor allem das Geschäft mit den kostenlosen Blättern boomte. In der Herzberger Zentrale wurden Strategien entwickelt. Von Nordhausen ging es nach Sondershausen, nach Sangerhausen, nach Eisleben und Hettstedt. Der Schreiber dieser Zeilen hat die damalige Entwicklung begleitet, war in Sachsen-Anhalt aktiv am redaktionellen Teil der Anzeigenblätter beteiligt.
Die Zeiten allerdings änderten sich rasch. Vor allem für die Tageszeitung. Die Auflagenzahlen gingen zurück, der Abo-Preiskampf war unerbittlich. Die angestammte Tageszeitung erhielt zunehmend ein moderneres Gesicht, ein Gigant aus Essen machte es möglich. Noch im Jahr 1994 versuchte die Nordhäuser Harz-Kurier-Mannschaft ein neues Konzept zu entwickeln. Das Konzept durfte in der Herzberger Zentrale nicht einmal vorgestellt werden. Das damalige Argument: Wir machen schon 35 Jahre erfolgreich Zeitung und werden das wie bisher auch weiter so machen! Das Ergebnis im Landkreis Nordhausen ist bekannt, am 31. Januar 1996 erschien die letzte Ausgabe der Nordhäuser Zeitung/Nordhäuser Tageblatt.
Jetzt erscheint die letzte Ausgabe des Echos. Der Leidensweg des Jungfer-Verlages in Thüringen hat seinen Grund. Er ist hausgemacht. Sicher ist es richtig aus Sicht der Verlagsleitung, den Anzeigenverkauf in den Vordergrund zu stellen. Eine permanente Vernachlässigung der Redaktion hatte jedoch fatale Folgen. In Herzberg wurde nicht reagiert, die Redaktion war stets das fünfte Rad am Anzeigenwagen. Vor knapp anderthalb Jahren stellte nnz schon einmal eine Betrachtung über das Niveau der Anzeigenblätter an und kam damals zum gleichen Ergebnis. Die Frage damals wie heute lautet: Warum soll ein Anzeigenkunde in einem Blatt werben, das von den Lesern nicht angenommen wird, sondern in der Mülltonne landet? Über den redaktionellen Teil zur Anzeige soll der Leser geführt werden. In der Herzberger Zentrale galt dies nicht.
Übrigbleiben soll die Wochenchronik, doch die leidet seit Jahren – ebenso wie ihre Echo-Schwester - an einer chronischen redaktionellen Schwäche. Das soll kein Vorwurf an die Mitarbeiter sein, sie werden es unter den gegebenen Bedingungen nicht besser leisten können. Sollte beim Verleger der Wochenchronik kein Umdenken erfolgen, dann wird sich auch dieses Blatt langsam aber sicher verabschieden.
Das Sterben einer jeden Zeitung ist schmerzlich. Die Medienwelt wird ärmer, der Trend geht zum Monopol. Das wiederum ist gefährlich, vor allem für die Unternehmen, die weiterhin werben wollen.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz
Mitten in der Wende war es, da kam der Jungfer-Verlag aus dem niedersächsischen Herzberg mit seinen Zeitungen nach Nordhausen. Der Chefredakteur des Harz-Kuriers, Adolf Bischof, karrte die Tageszeitung und Anzeigenblätter fast täglich im eigenen Auto nach Nordhausen und verteilte sie. Da gab es die Neue noch kostenlos. Monate später gelang es, eine Nordhäuser Redaktion aufzubauen, parallel dazu wurde der Anzeigenblattmarkt im Landkreis Nordhausen etabliert.Vor allem das Geschäft mit den kostenlosen Blättern boomte. In der Herzberger Zentrale wurden Strategien entwickelt. Von Nordhausen ging es nach Sondershausen, nach Sangerhausen, nach Eisleben und Hettstedt. Der Schreiber dieser Zeilen hat die damalige Entwicklung begleitet, war in Sachsen-Anhalt aktiv am redaktionellen Teil der Anzeigenblätter beteiligt.
Die Zeiten allerdings änderten sich rasch. Vor allem für die Tageszeitung. Die Auflagenzahlen gingen zurück, der Abo-Preiskampf war unerbittlich. Die angestammte Tageszeitung erhielt zunehmend ein moderneres Gesicht, ein Gigant aus Essen machte es möglich. Noch im Jahr 1994 versuchte die Nordhäuser Harz-Kurier-Mannschaft ein neues Konzept zu entwickeln. Das Konzept durfte in der Herzberger Zentrale nicht einmal vorgestellt werden. Das damalige Argument: Wir machen schon 35 Jahre erfolgreich Zeitung und werden das wie bisher auch weiter so machen! Das Ergebnis im Landkreis Nordhausen ist bekannt, am 31. Januar 1996 erschien die letzte Ausgabe der Nordhäuser Zeitung/Nordhäuser Tageblatt.
Jetzt erscheint die letzte Ausgabe des Echos. Der Leidensweg des Jungfer-Verlages in Thüringen hat seinen Grund. Er ist hausgemacht. Sicher ist es richtig aus Sicht der Verlagsleitung, den Anzeigenverkauf in den Vordergrund zu stellen. Eine permanente Vernachlässigung der Redaktion hatte jedoch fatale Folgen. In Herzberg wurde nicht reagiert, die Redaktion war stets das fünfte Rad am Anzeigenwagen. Vor knapp anderthalb Jahren stellte nnz schon einmal eine Betrachtung über das Niveau der Anzeigenblätter an und kam damals zum gleichen Ergebnis. Die Frage damals wie heute lautet: Warum soll ein Anzeigenkunde in einem Blatt werben, das von den Lesern nicht angenommen wird, sondern in der Mülltonne landet? Über den redaktionellen Teil zur Anzeige soll der Leser geführt werden. In der Herzberger Zentrale galt dies nicht.
Übrigbleiben soll die Wochenchronik, doch die leidet seit Jahren – ebenso wie ihre Echo-Schwester - an einer chronischen redaktionellen Schwäche. Das soll kein Vorwurf an die Mitarbeiter sein, sie werden es unter den gegebenen Bedingungen nicht besser leisten können. Sollte beim Verleger der Wochenchronik kein Umdenken erfolgen, dann wird sich auch dieses Blatt langsam aber sicher verabschieden.
Das Sterben einer jeden Zeitung ist schmerzlich. Die Medienwelt wird ärmer, der Trend geht zum Monopol. Das wiederum ist gefährlich, vor allem für die Unternehmen, die weiterhin werben wollen.
Peter-Stefan Greiner
