Vier Südharzer im hohen Norden
Mittwoch, 03. November 2010, 20:40 Uhr
Die Uhren wurden umgestellt und der Winter scheint nicht mehr fern. Kurz bevor sich die kalte Jahreszeit mit Frost, Schnee und Dunkelheit über das Land legt, sehnt sich mancher den Sommer zurück, blickt sehnsuchtsvoll dem nächsten Sommerurlaub entgegen oder erinnert sich an den vergangenen. So auch vier Südharzer, die uns einen Reisebericht aus dem fernen August zukommen ließen. Ihr Ziel damals: Schweden...
Es ist halb eins, mitten in der Nacht. Und doch, die Sonne scheint noch. Uwe Kulbe, Sven Heinecke, Tobias Hammer und Torsten Schorcht sitzen vor ihrem umgebauten VW T3 Synchro und genießen die Sommernacht oberhalb des Polarkreises. Ruhig ist es hier. Ruhig und weit und schön. Land und Leute wollten sie kennen lernen, die Natur genießen, sich einmal Zeit nehmen und dem Alltag entfliehen. Doch die vier Freunde hatten sich nicht einfach so auf den Weg gemacht. Die Reise war von langer Hand geplant. Das Ziel: die Teilnahme am Fjällräven Classic, einem der großen Events unter Trekkingfans. Mit 2000 anderen Teilnehmern aus 26 Nationen wollten die vier Nordhäuser den kungsleden, den Königsweg, bezwingen.
Gerade einmal 110 km lang ist die Strecke, aber sie ist, wie sich die Wanderbegeisterten ausdrückten, anspruchsvoll. Richtige Wege gibt es nicht, die Strecke ist übersät mit spitzen und scharfkantigen Steinbrocken. Hat man die Steinfelder hinter sich, erwarten einen Moorlandschaften und danach noch mehr Geröll. Die schwedische Armee nutzt den kungsleden als herausfordernde Übungsstrecke. Tritt man hier nicht mit der richtigen Ausrüstung an, sollte man von dem Wanderabenteuer lieber die Finger lassen. Die abgelegene Gegend ist selbst mit Gelände-gängigen Fahrzeugen nicht zu erreichen. Wer sich verletzt, und das kommt jedes Jahr wieder vor, der muss zwangsweise mit dem Hubschrauber evakuiert werden. Entschädigt wird man mit der unglaublichen Weite Schwedisch-Lapplands und den erhabenen Berglandschaften, durch die sich der Weg schlängelt.
Trotz, oder vielleicht gerade wegen dieser Herausforderung und der Abgeschiedenheit pilgern jährlich tausende Menschen aus aller Herren Länder in den schwedischen Norden. Ganz unterschiedliche Wandercharaktere treffen hier aufeinander. Neben dem Extremsportlern (der schnellste Läufer brauchte nicht einmal ganz 14 Stunden) den Trekkingfans und Naturliebhabern machen sich sogar Familien mit Kindern auf den Weg. Die brauchen dann natürlich etwas länger meint Uwe Kulbe verschmitzt. Mit je 17 kg Gepäck auf dem Rücken schafften es er und seine Freunde in rund 54 Stunden den Zielpunkt zu erreichen. Besonders beeindruckt waren die Südharzer auch von der Organisation der Veranstaltung. Die Schweden achten darauf, dass das jährliche Trekkingevent möglichst nachhaltig und natur-schonend vonstatten geht. Dementsprechend ist die Zahl der Teilnehmer äußerst begrenzt und wer sich nicht schon etwa ein Jahr vor Start anmeldet, hat so gut wie keine Chance noch einen Platz zu ergattern. Damit nicht alle Teilnehmer auf einmal durch die Landschaft stapfen, startete man in 9 verschiedenen Gruppen.
Von der atemberaubenden Natur habe wir auf der Wanderung leider relativ wenig mitgekriegt, da man sich ständig konzentrierten muss, wenn man über die Steine kraxelt. Ab ins Flugzeug, auf nach Schweden, mit dem Shuttlebus zum Startpunkt, wandern und wieder zurück in die Heimat, genau das wollten die Nordhäuser nicht. Die Fjällräven Classic war eigentlich nur ein kurzer Teil ihrer Reise. Vor der Wanderung wollte man das Land auf eigene Faust erkunden. Zu diesem Zweck hatten sie sich im Frühjahr einen alten VW T3 Synchro aus dem Berchtesgadener Land mitgebracht, ein ehemaliges Fahrzeug der Bergrettung, und wieder instand gesetzt. Die Schwedenreise wurde kurzerhand zur Jungfernfahrt erklärt.
Im Vergleich zu Deutschland gibt es in Schweden sehr wenig Menschen. Aber die, die wir kennen lernen durften, waren sehr nette und entspannte Zeitgenossen. Niemand lässt sich dort aus der Ruhe bringen. Die Strecken sind weit, der Verkehr ruhig und es gibt überall kleine Reisehütten, die für jedermann nutzbar und vor allem erstaunlich sauber sind. Man vertraut darauf, dass die Hütten so verlassen werden, wie man sie vorgefunden hat. Das würde so in Deutschland nie funktionieren. berichtete Sven Heinecke begeistert.
So eine Reise ist selbstverständlich nicht billig. Die Startgebühr für die Fjällräven Classic beträgt zwar lediglich 140 Euro, aber da ihr Urlaub etwas weitläufiger ausfiel, nahmen sich die vier Freunde Sponsoren aus Nordhausen und Umgebung, und schmückten ihren T3 mit deren Bannern, um die Fahrtkosten zu bestreiten. Das Fahrzeug ist ihr ganzer Stolz und es wird sicher nicht die letzte Reise gewesen sein, die Uwe, Sven, Tobias und Torsten mit ihrem Gefährt bestreiten werden.
Ein neues Reiseziel steht indes noch nicht fest. Zum kungsleden wird es aber vorerst nicht noch einmal gehen. Die Herausforderung hat man gemeistert und die Erlebnisse und Eindrücke die sie sammeln konnten werden die vier nicht vergessen. Und wenn in den dunklen Wintermonaten das Fernweh erst einmal wieder keimt, wird man vielleicht zurückdenken an diese wundervollen Wochen im Sommer und schließlich auch neue Pläne schmieden.
Autor: aglEs ist halb eins, mitten in der Nacht. Und doch, die Sonne scheint noch. Uwe Kulbe, Sven Heinecke, Tobias Hammer und Torsten Schorcht sitzen vor ihrem umgebauten VW T3 Synchro und genießen die Sommernacht oberhalb des Polarkreises. Ruhig ist es hier. Ruhig und weit und schön. Land und Leute wollten sie kennen lernen, die Natur genießen, sich einmal Zeit nehmen und dem Alltag entfliehen. Doch die vier Freunde hatten sich nicht einfach so auf den Weg gemacht. Die Reise war von langer Hand geplant. Das Ziel: die Teilnahme am Fjällräven Classic, einem der großen Events unter Trekkingfans. Mit 2000 anderen Teilnehmern aus 26 Nationen wollten die vier Nordhäuser den kungsleden, den Königsweg, bezwingen.
Gerade einmal 110 km lang ist die Strecke, aber sie ist, wie sich die Wanderbegeisterten ausdrückten, anspruchsvoll. Richtige Wege gibt es nicht, die Strecke ist übersät mit spitzen und scharfkantigen Steinbrocken. Hat man die Steinfelder hinter sich, erwarten einen Moorlandschaften und danach noch mehr Geröll. Die schwedische Armee nutzt den kungsleden als herausfordernde Übungsstrecke. Tritt man hier nicht mit der richtigen Ausrüstung an, sollte man von dem Wanderabenteuer lieber die Finger lassen. Die abgelegene Gegend ist selbst mit Gelände-gängigen Fahrzeugen nicht zu erreichen. Wer sich verletzt, und das kommt jedes Jahr wieder vor, der muss zwangsweise mit dem Hubschrauber evakuiert werden. Entschädigt wird man mit der unglaublichen Weite Schwedisch-Lapplands und den erhabenen Berglandschaften, durch die sich der Weg schlängelt.
Trotz, oder vielleicht gerade wegen dieser Herausforderung und der Abgeschiedenheit pilgern jährlich tausende Menschen aus aller Herren Länder in den schwedischen Norden. Ganz unterschiedliche Wandercharaktere treffen hier aufeinander. Neben dem Extremsportlern (der schnellste Läufer brauchte nicht einmal ganz 14 Stunden) den Trekkingfans und Naturliebhabern machen sich sogar Familien mit Kindern auf den Weg. Die brauchen dann natürlich etwas länger meint Uwe Kulbe verschmitzt. Mit je 17 kg Gepäck auf dem Rücken schafften es er und seine Freunde in rund 54 Stunden den Zielpunkt zu erreichen. Besonders beeindruckt waren die Südharzer auch von der Organisation der Veranstaltung. Die Schweden achten darauf, dass das jährliche Trekkingevent möglichst nachhaltig und natur-schonend vonstatten geht. Dementsprechend ist die Zahl der Teilnehmer äußerst begrenzt und wer sich nicht schon etwa ein Jahr vor Start anmeldet, hat so gut wie keine Chance noch einen Platz zu ergattern. Damit nicht alle Teilnehmer auf einmal durch die Landschaft stapfen, startete man in 9 verschiedenen Gruppen.
Von der atemberaubenden Natur habe wir auf der Wanderung leider relativ wenig mitgekriegt, da man sich ständig konzentrierten muss, wenn man über die Steine kraxelt. Ab ins Flugzeug, auf nach Schweden, mit dem Shuttlebus zum Startpunkt, wandern und wieder zurück in die Heimat, genau das wollten die Nordhäuser nicht. Die Fjällräven Classic war eigentlich nur ein kurzer Teil ihrer Reise. Vor der Wanderung wollte man das Land auf eigene Faust erkunden. Zu diesem Zweck hatten sie sich im Frühjahr einen alten VW T3 Synchro aus dem Berchtesgadener Land mitgebracht, ein ehemaliges Fahrzeug der Bergrettung, und wieder instand gesetzt. Die Schwedenreise wurde kurzerhand zur Jungfernfahrt erklärt.
Im Vergleich zu Deutschland gibt es in Schweden sehr wenig Menschen. Aber die, die wir kennen lernen durften, waren sehr nette und entspannte Zeitgenossen. Niemand lässt sich dort aus der Ruhe bringen. Die Strecken sind weit, der Verkehr ruhig und es gibt überall kleine Reisehütten, die für jedermann nutzbar und vor allem erstaunlich sauber sind. Man vertraut darauf, dass die Hütten so verlassen werden, wie man sie vorgefunden hat. Das würde so in Deutschland nie funktionieren. berichtete Sven Heinecke begeistert.
So eine Reise ist selbstverständlich nicht billig. Die Startgebühr für die Fjällräven Classic beträgt zwar lediglich 140 Euro, aber da ihr Urlaub etwas weitläufiger ausfiel, nahmen sich die vier Freunde Sponsoren aus Nordhausen und Umgebung, und schmückten ihren T3 mit deren Bannern, um die Fahrtkosten zu bestreiten. Das Fahrzeug ist ihr ganzer Stolz und es wird sicher nicht die letzte Reise gewesen sein, die Uwe, Sven, Tobias und Torsten mit ihrem Gefährt bestreiten werden.
Ein neues Reiseziel steht indes noch nicht fest. Zum kungsleden wird es aber vorerst nicht noch einmal gehen. Die Herausforderung hat man gemeistert und die Erlebnisse und Eindrücke die sie sammeln konnten werden die vier nicht vergessen. Und wenn in den dunklen Wintermonaten das Fernweh erst einmal wieder keimt, wird man vielleicht zurückdenken an diese wundervollen Wochen im Sommer und schließlich auch neue Pläne schmieden.










