nnz-Forum: Nicht erwünscht
Montag, 01. November 2010, 07:05 Uhr
nnz-Leser Harald Buntfuß wollte am vergangenen Freitag eine Gesamtmitgliederversammlung der LINKE in Nordhausen besuchen. Dort hatte er ein Erlebnis, das ihn mehr als 20 Jahre zurückversetzte...
DIE LINKE hat in dieser Online-Zeitung fast immer veröffentlicht, wann und wo sie ihre Mitgliederversammlung abhalten wird. Diese Partei tut ja immer so, als ob sie für die Öffentlichkeit zugänglich sei. Genau aus diesem Grund wollte ich – wie schon oft – auch am vergangenen Freitag diese Veranstaltung besuchen. Als ich den Raum betrat, spürte ich die vielen – nun ich will nicht sagen hasserfüllten Blicke – auf mir ruhen. Mir fiel sofort auf, dass man keine Stühle für Gäste, die ja herzlich willkommen sein sollten, bereitgestellt hatte. Daraufhin fragte ich die Damen, die am Einlass saßen, eine davon ist die Frau des Parteichefs, ob es keine Stühle für Gäste gibt?
Die Antwort lautete sinngemäß: Jemand, der solche Kritiken über uns schreibt, ist hier nicht erwünscht! Daraufhin fragte ich, ob ich ausgeladen sei und bekam zur Antwort: So ist es. In diesem Moment sah ich mich in der Zeit um über 20 Jahre zurückversetzt. Ja, damals war das in dem Betrieb, wo ich beschäftigt war, genauso. Wenn die SED- Genossinnen und -Genossen tagten, durfte niemand ohne Parteiabzeichen die Kantine betreten. Man hatte zu warten, bis die Supergenossen ihre – wie ich immer zu sagen pflegte – Märchenstunde beendet hatten.
Für solche und ähnliche Sprüche, bekam ich natürlich den Unmut der Genossen zu spüren. Und das meist hinter meinen Rücken. Nicht umsonst bekomme ich heute die SED-Opferrente und eine Ausgleichsleistung nach § 8 BerRehaG. Beraten heute die Genossen im Verborgenen, weil sie Angst vor ihren Kritikern haben? Scheuen sie die Öffentlichkeit wegen ihrer doch zum Teil sehr zweifelhaften Vergangenheit?
Ich habe die Genossen auf einem Stück ihres Weges von der Partei des Demokratischen Sozialismus zur LINKEn begleitet. Ich hatte mir eingebildet, dass man sich verändert hat, dass man ehrlicher geworden ist, besonders nach dem Zusammenschluss mit der WASG. Aber ich sah mich wieder einmal getäuscht, die ehemaligen Nordhäuser WASG-Mitglieder wurden an den Rand gedrängt, oder sie haben die Partei verlassen.
Heute muss ich feststellen, dass es die meisten Genossen der Nordhäuser Linken nicht geschafft haben, ihre alten Gewohnheiten abzulegen! Man muss sich nur die parteiinternen Wahlen ansehen! Ich will hier nicht von Vetternwirtschaft sprechen, aber man schaue sich nur einmal die Kandidaten-Listen der letzten Wahl an, und beachte, wer darauf unter den ersten sieben ist. Man muss kein Fachmann sein, um klar zu sehen, dass die alten SED-Machtspielchen nach wie vor an der Tagesordnung sind.
Aber nicht nur in Nordhausen hängt man an alten Gewohnheiten. Von Dieter Carstensen aus NRW wurde ein Ausschlussverfahren gegen Günter Blocks und Erich Piek, beide im Landesverband, beantragt. Sie sollen die Wahlen manipuliert haben. In Bayern soll es ähnliche Vorgänge gegeben haben. Oder denken wir an die Wahl von Klaus Ernst. Auch da soll es ja auch nicht mit rechten Dingen zugegangen sei. Oder?
In Nordhausen soll es führende Parteimitglieder geben, die sich vor ihre Mitglieder stellen und sagen. Was hier gemacht wird, bestimme ich! Oder weiß der örtliche Parteivorsitzende immer schon im vorher, wie eine Abstimmung ausgeht? Wie soll man so etwas verstehen? Ich habe Parteimitglieder kennengelernt, die heute noch mit der tiefsten Überzeugung hinter dem – wohlweislich nur mündlich ausgegebenen – Schießbefehl stehen. Sie sagen, dass sie jederzeit wieder so handeln würden. Sie vertreten heute immer noch die Meinung, die DDR sei kein Unrechtsstaat gewesen.
Auch als langjähriger Teilnehmer an den Nordhäuser Montags- bzw. Donnerstags-Demonstrationen für soziale Gerechtigkeit, fühle ich mich durch solch eine Partei, wie die Nordhäuser LINKE, nicht vertreten! Nach einem solchen Déjà-vu-Erlebniss.
Harald Buntfuß, Nordhausen
DIE LINKE hat in dieser Online-Zeitung fast immer veröffentlicht, wann und wo sie ihre Mitgliederversammlung abhalten wird. Diese Partei tut ja immer so, als ob sie für die Öffentlichkeit zugänglich sei. Genau aus diesem Grund wollte ich – wie schon oft – auch am vergangenen Freitag diese Veranstaltung besuchen. Als ich den Raum betrat, spürte ich die vielen – nun ich will nicht sagen hasserfüllten Blicke – auf mir ruhen. Mir fiel sofort auf, dass man keine Stühle für Gäste, die ja herzlich willkommen sein sollten, bereitgestellt hatte. Daraufhin fragte ich die Damen, die am Einlass saßen, eine davon ist die Frau des Parteichefs, ob es keine Stühle für Gäste gibt?
Die Antwort lautete sinngemäß: Jemand, der solche Kritiken über uns schreibt, ist hier nicht erwünscht! Daraufhin fragte ich, ob ich ausgeladen sei und bekam zur Antwort: So ist es. In diesem Moment sah ich mich in der Zeit um über 20 Jahre zurückversetzt. Ja, damals war das in dem Betrieb, wo ich beschäftigt war, genauso. Wenn die SED- Genossinnen und -Genossen tagten, durfte niemand ohne Parteiabzeichen die Kantine betreten. Man hatte zu warten, bis die Supergenossen ihre – wie ich immer zu sagen pflegte – Märchenstunde beendet hatten.
Für solche und ähnliche Sprüche, bekam ich natürlich den Unmut der Genossen zu spüren. Und das meist hinter meinen Rücken. Nicht umsonst bekomme ich heute die SED-Opferrente und eine Ausgleichsleistung nach § 8 BerRehaG. Beraten heute die Genossen im Verborgenen, weil sie Angst vor ihren Kritikern haben? Scheuen sie die Öffentlichkeit wegen ihrer doch zum Teil sehr zweifelhaften Vergangenheit?
Ich habe die Genossen auf einem Stück ihres Weges von der Partei des Demokratischen Sozialismus zur LINKEn begleitet. Ich hatte mir eingebildet, dass man sich verändert hat, dass man ehrlicher geworden ist, besonders nach dem Zusammenschluss mit der WASG. Aber ich sah mich wieder einmal getäuscht, die ehemaligen Nordhäuser WASG-Mitglieder wurden an den Rand gedrängt, oder sie haben die Partei verlassen.
Heute muss ich feststellen, dass es die meisten Genossen der Nordhäuser Linken nicht geschafft haben, ihre alten Gewohnheiten abzulegen! Man muss sich nur die parteiinternen Wahlen ansehen! Ich will hier nicht von Vetternwirtschaft sprechen, aber man schaue sich nur einmal die Kandidaten-Listen der letzten Wahl an, und beachte, wer darauf unter den ersten sieben ist. Man muss kein Fachmann sein, um klar zu sehen, dass die alten SED-Machtspielchen nach wie vor an der Tagesordnung sind.
Aber nicht nur in Nordhausen hängt man an alten Gewohnheiten. Von Dieter Carstensen aus NRW wurde ein Ausschlussverfahren gegen Günter Blocks und Erich Piek, beide im Landesverband, beantragt. Sie sollen die Wahlen manipuliert haben. In Bayern soll es ähnliche Vorgänge gegeben haben. Oder denken wir an die Wahl von Klaus Ernst. Auch da soll es ja auch nicht mit rechten Dingen zugegangen sei. Oder?
In Nordhausen soll es führende Parteimitglieder geben, die sich vor ihre Mitglieder stellen und sagen. Was hier gemacht wird, bestimme ich! Oder weiß der örtliche Parteivorsitzende immer schon im vorher, wie eine Abstimmung ausgeht? Wie soll man so etwas verstehen? Ich habe Parteimitglieder kennengelernt, die heute noch mit der tiefsten Überzeugung hinter dem – wohlweislich nur mündlich ausgegebenen – Schießbefehl stehen. Sie sagen, dass sie jederzeit wieder so handeln würden. Sie vertreten heute immer noch die Meinung, die DDR sei kein Unrechtsstaat gewesen.
Auch als langjähriger Teilnehmer an den Nordhäuser Montags- bzw. Donnerstags-Demonstrationen für soziale Gerechtigkeit, fühle ich mich durch solch eine Partei, wie die Nordhäuser LINKE, nicht vertreten! Nach einem solchen Déjà-vu-Erlebniss.
Harald Buntfuß, Nordhausen
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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