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Die besondere Führung

Dienstag, 12. Oktober 2010, 19:10 Uhr
Zu einer Führung durch das ehemalige Außenlager des KZ Mittelbau in Ellrich-Juliushütte lädt am Sonntag (17. Oktober) der Förderverein Karstwanderweg Landkreis Nordhausen in Zusammenarbeit mit der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora ein.


Das Lager Ellrich-Juliushütte, unmittelbar am Bahnhof gelegen, war mit durchschnittlich 8.000 Insassen aus allen Ländern Europas das größte Außenlager des KZ Mittelbau. Im Vergleich mit den anderen Mittelbau-Lagern wies Ellrich-Juliushütte eine der höchsten Todesraten auf. Mindestens 4.000 Menschen haben das Lager nicht überlebt.

Nach dem Krieg durchschnitt die deutsch-deutsche Grenze das Lagergelände. Auf östlicher Seite wurden die ehemaligen Häftlingsunterkünfte nach 1952 im Zuge der Grenzziehung planiert, auf Westseite sprengte der Bundesgrenzschutz 1964 die letzten Gebäude. Dem Abriss fiel auch das weitgehend erhaltene Krematorium zum Opfer. Auf beiden Seiten der ehemaligen Grenze wurde die lokale Lagergeschichte fortan verdrängt. Sowohl in der Bundesrepublik als auch in der DDR dienten Schuldprojektionen gegenüber dem jeweils anderen deutschen Staat als Rechtfertigung für die unzureichende Auseinandersetzung mit der eigenen lokalen NS-Vergangenheit.

Trotz der deutsch-deutsche „Vergangenheitsbewältigung“ blieben Grundmauern und andere Lagerreste erhalten, die seit 1989 auch für die Öffentlichkeit wieder zugänglich sind. Im April 2010 konnte die Stadt Ellrich mit Hilfe französischer Überlebender, des Vereins „Jugend für Dora“ und der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora neue Informationstafeln im Lagergelände der Bevölkerung übergeben.

Im Rahmen einer Führung wird Gedenkstätten-Leiter Dr. Jens-Christian Wagner sowohl die grauenhafte Vergangenheit des ehemaligen Konzentrationslagers als auch die Nachgeschichte des Ortes an der Nahtstelle zwischen Ost und West veranschaulichen. Die Führung findet im Rahmen der Sonntagswanderungen entlang des Karstwanderweges statt und ist kostenlos.

Treffpunkt ist am Sonntag, dem 17. Oktober um 14.00 Uhr an der Pontelstraße (in Richtung Gudersleben neben der Fa. Pfeffer)
Autor: nnz

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