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Arten durch Pflege erhalten

Samstag, 09. Oktober 2010, 08:36 Uhr
Das Jahr 2010 wurde von der UNO zum Jahr der Biodiversität ausgerufen. Außerdem sollte, auch auf Beschluss der UNO, das weltweite Artensterben bis 2010 deutlich gebremst werden. Auch im Landkreis Nordhausen...

Durch Pflege erhalten (Foto: B. Schwarzberg) Durch Pflege erhalten (Foto: B. Schwarzberg) Sowohl die UNO, als auch Deutschland mussten aber einräumen (Sigmar Gabriel auf einer Pressekonferenz), dass letzeres Ziel nicht annähernd erreicht wurde. Im Gegenteil: Das Artensterben hat sich angesichts der mit dem Bevölkerungswachstum einhergehenden Landschaftszerstörung, des Klimawandels, sowie auf Grund des Primats kurzfristiger Profitinteressen, weiter beschleunigt. Auch Thüringen bleibt, wie die Roten Listen des Freistaates belegen, vom Artenschwund nicht verschont. Bedenklich muss vor allem eines stimmen: Zunehmend geraten Arten unter Druck, deren Hauptareal in Zentraleuropa liegt, deren Gesamtareal oft nur klein ist, und für deren weltweiter Erhaltung die hier liegenden Länder daher eine besonders große Verantwortung haben.

Globale Initiativen im Naturschutz funktionieren also tendenziell bisher nicht, weswegen dezentrale Maßnahmen ergriffen werden sollten. Aber auch in Thüringen wird deutlich, dass die für den Artenschutz zuständigen Stellen trotz ihres engagierten Einsatzes nur begrenzt in der Lage sind, diesen Trend zu bremsen. Staatlich initiierte Pflegemaßnahmen sind generell zu begrüßen, weil sie sich meist auf größere FLÄCHEN beziehen, nicht aber immer direkt auf die Vorkommen bedrohter Pflanzenarten. Letztere leben auch im Kreis Nordhausen oft an Orten, die von den öffentlich initiierten Pflegemaßnahmen nicht erreicht werden.

Durch Pflege erhalten (Foto: B. Schwarzberg) Durch Pflege erhalten (Foto: B. Schwarzberg)

Die Initiative der Kreisgruppe Nordhausen des BUND möchte diese Lücke füllen helfen. Sie richtet ihre Pflegemaßnahmen auf die konkreten, oftmals nur punktuellen Vorkommen bedrohter Arten aus. Wie wirksam derartige Maßnahmen sind, belegt Bodo Schwarzberg seit 2004 mit seinem Flexiblen Artenhilfsprogramm (FAHP). Durch seine punktuell durchgeführten Einsätze konnte der negative Trend zum Beispiel an Standorten des Helm-Knabenkrautes (Orchis militaris), der Alpen-Gänsekresse (Arabis alpina) und des Abbiss-Pippaus (Crepis praemorsa) gestoppt und umgekehrt werden.

Das deutschlandweite Aussterben der Klebrigen Miere (Minuartia viscosa) wurde bei Halle gerade noch einmal abgewendet. Pflegeaktionen sind um so dringlicher, als viele Arten mit den Klimawandel einem zusätzlichen Stressor ausgesetzt werden. Gerade er sollte uns Anlass sein, möglichst alle anderen Bedingungen für diese Arten so optimal wie irgend möglich zu gestalten.

Die BUND-Kreisgruppe stellt diese Einzelmaßnahmen nunmehr auf eine personell breitere Basis: Sie führt an all jenen Standorten Thüringen-, deutschland-, und zentraleuropa- bis weltweit bedrohter Pflanzenarten Pflegemaßnahmen im Landkreis Nordhausen durch, die deren Lebensbedingungen verbessern helfen. Sie sieht es auf Grund der bisherigen Ergebnisse als realistisch an, durch diese Maßnahmen den weiteren Verlust ihrer Standorte, zumindest im Landkreis Nordhausen, zu verhindern.

Sie möchte mit ihren Maßnahmen zeigen, dass der Artenrückgang sehr wohl zu bremsen ist. In diesem Sinne erklärt sie den Landkreis Nordhausen zum Thüringer Referenzkreis für die Erhaltung gefährdeter Pflanzenarten. Alle Maßnahmen im Sinne dieser Initiative werden mit den zuständigen Behörden selbstverständlich abgestimmt. Ihr Wunsch besteht darin, auch darüber hinausgehend beispielgebend zu sein, und andere Naturschutzgruppen zu motivieren, den Artenschutz aktiv selbst in die Hand zu nehmen. Am Ende könnte ein gesamtdeutsches- oder gar europäisches Konzept stehen, um das Artensterben sozusagen von unten zu stoppen.

Typische Pflegemaßnahmen sind Entbuschung von Magerrasenstandorten, Entfilzung von Magerrasenstandorten, die nicht mehr beweidet oder gemäht werden, sowie künftig, Mahd. Die Gruppe hat bereits eine Liste mit in Frage kommenden, zu pflegenden Standorten erarbeitet.

Für die effektive Durchführung der genannten Maßnahmen benötigt sie finanzielle Unterstützung, vor allem zum Kauf geeigneter Geräte. Auf den bewirtschafteten Flächen wird eine alljährliche Erfolgskontrolle durchgeführt.

Die genannten Pflegemaßnahmen sollen in enger Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden durchgeführt werden. Sie verstehen sich als Ergänzung zu den unverzichtbaren großflächigen Pflegemaßnahmen, die nur von den Landesbehörden initiiert und finanziert werden können.

Interessenten und aktive Miitstreiter bei der Landschaftspflege sind bei der BUND-Kreisgruppe stets herzlich willkommen. Kontakt: 0171/6530123, bodo_schwarzberg@yahoo.de.
Bodo Schwarzberg (BUND Nordhausen)
Autor: nnz

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