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Kaum Lobby für den Fußball

Donnerstag, 20. Februar 2003, 08:22 Uhr
Nordhausen (nnz). Die Bürgerfragestunde der Stadtratssitzung nutzte gestern der Präsident des einstigen Fußball-Vorzeige-Klubs, Wacker Nordhausen. Doch Präsident Kell fand kaum Gehör für die Probleme des Vereins. Dazu eine vielleicht unsportliche Betrachtung.


Kell zelebrierte die Geschichte des Vereins seit der Insolvenz und wagte einen vermessenen sportlichen Ausblick in Richtung Oberliga. Daß zwischen Traum und Realität eine Menge Arbeit liegt, sei dahingestellt. Doch ein Großteil der Stadträte konnte mit dem Unterschied zwischen Oberliga und Landesklasse vermutlich genauso viel anfangen, wie zwischen Bundesliga und Kreisklasse.

Sicher, neben Wacker Nordhausen gibt es noch Hunderte weiterer Sportvereine in diesem Landkreis. Von Angeln über Schach bis zum Tischtennis reicht da die Palette. Das wissen die Stadträte, das wissen auch die Fußballer von Wacker. Doch das Angebot aus der CDU-Stadtratsfraktion, zur Landesgartenschau ein Fußballspitzenspiel mit Mannschaften aus der Kreisklasse und den Ortsteilen zu besetzen, das kann nun wohl schon mit einem mitleidigen Lächeln bedacht werden.

Wacker will sich an den eigenen Haaren aus den jetzigen Liga-Tiefen hochziehen. Muß Wacker auch, denn Unterstützung aus der Politik war gestern nicht auszumachen, die Wirtschaft zeigt sich zögerlich. Doch ein Umstand sollte angemerkt werden: In Zeiten, da Wacker in der dritthöchsten Spielklasse des deutschen Fußballs agierte, als Mannschaften wie der HSV, München 1860 oder der 1. FC Köln in Nordhausen spielten, da gaben sich die kommunalen Politiker schon ein Stelldichein auf dem Albert-Kuntz-Sport. Man ließ sich sehen und wurde gesehen. Jetzt: Politische Fehlanzeige.

Und ein anderer Fakt sollte bedacht werden. Marketingtechnisch ist Fußball unschlagbar. Das erkennt nicht nur die Werbeindustrie, das sollte auch die Politik erkennen. Mal ehrlich: Wenn eine Mannschaft im Landkreis Nordhausen in der Bundesliga spielen würde, dann wäre das schon phantastisch. Wenn da aber gekegelt oder Federball gespielt wird, dann wird (außer den Fans) kaum jemand davon Notiz nehmen. Das ist bedauerlich, aber muß auch so hingenommen werden. Zu Regionaligazeiten waren der Nordbrand und Wacker die überregionalen Markenträger in den Weiten dieses Landes.

Es lohnte und es lohnt also darüber nachzudenken, einen Spagat zu wagen: Sportlich auf ein Zugpferd zu setzen, ohne den Breitensport zu vernachlässigen. Ob dieses Zugpferd nun Wacker oder FSG Salza heißt, das sei dahingestellt. Beide spielen ja in einer Klasse und damit gegeneinander. Leider nicht nur im Fußball.
Autor: psg

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