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Amnesie nach Überfall

Montag, 17. Februar 2003, 11:17 Uhr
Nordhausen (nnz) Eine Fahrt nach Helsinki wird für einen jungen Mann zum traumatischen Erlebnis.
Aus bürgerlicher Existenz wird ein Idyll im Müll.
„Der Mann ohne Vergangenheit“ (Mies vailla menneisyytä) – Der besondere Film.
Mit seiner raffinierten aber puren Einfachheit zieht dieses kleine, absurde Märchen aus Finnland sein Publikum in den Bann.

Amnesie nach ÜberfallEin Mann (Markku Peltola) kommt mit dem Zug nach Helsinki, wird kurz darauf brutal zusammengeschlagen, verliert sein Gedächtnis, und richtet sich ein bescheidenes Container-Leben in einer verwahrlosten Hafengegend neu ein. Trotzige Anspruchslosigkeit bestimmt sein Leben am Rande der Gesellschaft. Seinen neuen Freunden geht es nicht besser. Essen haben sie kaum, doch das geben sie gerne. Mal ein Bierchen, mal einen Tee aus dem Beutel, geklauter Strom für eine Jukebox, kulturelle Erbauung durch Musik von der Heilsarmee. Zu dieser gehört Irma (Kati Outinen), die selbst ein frostiges Dasein fristet und trotz ihrer prüden, scheuen Altjungfernart das Herz des Helden höher schlagen lässt. Durch sein beständiges Werben entwickelt sich ein Idyll in Müll. Gossenromantik pur, die auch nicht durch die vorübergehende unschuldige Verwicklung des Mannes ohne Vergangenheit in einen Bankraub und einen zeitweiligen Ausflug in seine frühere bürgerliche Existenz aus ihrem Gleichmaß gebracht wird. Ein absurdes Märchen, das in seiner reinen Einfachheit besticht – mit stoischen, stolzen Figuren, die durch rein gar nichts aus der Ruhe zur bringen sind, und mit lakonisch trockenem Humor, der sich jede Rührseligkeit zu verbieten scheint.

Mit seiner kleinen und unspektakulären Tragikkomödie konnte der finnische Regisseur Aki Kaurismäki nicht nur im eigenen Land sämtliche Juries überzeugen. So wurde der Film in Finnland bereits sechs Mal ausgezeichnet, in den Kategorien bester Film, beste Regie, bestes Drehbuch, beste Kamera, bester Schnitt und beste Schauspielerin.

Auch international ist „Der Mann ohne Vergangenheit“ der große Filmpreise-Einheimser dieses Jahres. Ob in Cannes, Gent, Hamburg, San Sebastian oder Lübeck (Publikumspreis), überall ist dieser Film auf den Ehrenlisten zu finden.
Kein Wunder, dass jetzt auch noch sechs Nominierungen für den Europäischen Filmpreis hinzukamen.

„Der Mann ohne Vergangenheit“ läuft heute um 17.00 Uhr und um 20.15 Uhr als besonderer Film im Nordhäuser Kino.
Autor: mlu

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