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"Bunte Wege" wachsen

Donnerstag, 12. August 2010, 18:23 Uhr
Manch einem mag es bizarr erscheinen, seit Anfang Juli tauchen vermehrt bunte Hand- und Fußabdrücke in der Stadt auf, manche durch den Regen bereits am verblassen, andere strotzend vor farbiger Strahlkraft...


Die Antwort ist leicht: es handelt sich um die „Bunten Wege“. Verschiedene Kindergruppen haben bunte Hand- und Fußabdrücke in ganz Nordhausen hinterlassen, die die vielen verschiedenen Institutionen und Einrichtungen miteinander verbinden sollen, die sich für Vielfalt, Toleranz, Integration und Demokratie in der Stadt einsetzen. Heute wuchsen die „Bunten Wege“ dank des engagierten Einsatzes des Mehrgenerationenhauses und verschiedener Nordhäuser Schulen ein gewaltiges Stück....

Die Hortkinder der Käthe-Kollwitz hatten ihren Spaß (Foto: Angelo Glashagel) Die Hortkinder der Käthe-Kollwitz hatten ihren Spaß (Foto: Angelo Glashagel)

Die umfangreichste Aktion im Rahmen des „Bunte Wege-“ Projektes war fast schon Generalstabsmäßig geplant. An drei verschiedenen Orten starteten Wegemalergruppen nahezu zeitgleich um die „Bunten Wege“ zu erweitern. Die Kinder der Montessori Schule begannen direkt am Mehrgenerationenhaus des Lift-Vereins in der Reichstraße, und bahnten sich mit Schablonen und Farbe bewaffnet ihren Weg bis zum Mammut vor dem Nordbrand-Gelände. Am ehemaligen Kaufhaus Magnet stieß das „Bündnis für Familie“ zur ersten Gruppe hinzu, um ebenfalls ihre Spuren in der Stadt zu hinterlassen. Gruppe Nummer zwei war, mit fast 20 Kindern der Berthold-Brecht Schule, der größte der drei Wegemalertrupps.

Sie zogen mit viel Farbe an Fingern und Kinderhänden vom Mammut aus in Richtung Kino. Die letzte Gruppe begann ihr Werk eben dort. Die Hortkinder der Käthe-Kollwitz-Grundschule, seit nunmehr einer Woche stolze Viertklässler, vollendeten die heutige Aktion am August-Bebelplatz vor den Stufen des Offenen Kanals Nordhausen. Als Dankeschön für ihren Einsatz erhielten alle teilnehmenden Kinder von Frau Käferstein vom Lift-Verein, als kleines Präsent Süßigkeiten und einen Gutschein für eine geführte, moderne Schatzsuche, dem sogenannten „Geocaching“.

Das Mehrgenerationenhaus war der heutige Initiator der farbenfrohen Aktion, und ist eine der vielen Einrichtungen die sich an dem Projekt beteiligen. Das MeGeHa gehört zum Lift-Verein, der sich in diesem Jahr schon mit anderen Projekten am Bundesprogramm „Vielfalt tut gut – Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie“, zu dem auch die „Bunten Wege“ selbst gehören, beteiligt. So wurde unter der Ägide des Vereins das Filmprojekt „Der gestiefelte Nachbar“ produziert, das sich mit Rechtsextremismus auseinandersetzt, und für Ende Oktober plant man die Veranstaltung einer Integrativen Messe.

So entstehen die Abdrücke (Foto: Angelo Glashagel) So entstehen die Abdrücke (Foto: Angelo Glashagel)

Die „Bunten Wege“ sollen eine verbindende Wirkung haben, und dem geneigten Nordhäuser darauf aufmerksam machen, wo und wie viele Einrichtungen sich in der Stadt in der offenen Jugendarbeit engagieren, und sich für Integration und Vielfalt einsetzen. So hat man beim Mehrgenerationenhaus die Fußstapfen auch nicht begonnen, sondern fortgesetzt. Schon gestern hatte man hier nämlich die Kinder des Club Caritas empfangen, die mit ihren eigenen Ideen aus der Landgrabenstraße gekommen waren.

Bei der Kinder- und Jugendeinrichtung der Caritas hatte man nämlich auf Hand- und Fußstapfen verzichtet, die Kinder hinterließen stattdessen Abdrücke der bunten Figuren, die auch das „Vielfalt tut gut“- Logo zieren, sowie ihre eigenen Namen in blau, grün, rot, gelb und bunt.

Der Club Caritas ist ein Projektträger von "Vielfalt tut gut" (Foto: Angelo Glashagel) Der Club Caritas ist ein Projektträger von "Vielfalt tut gut" (Foto: Angelo Glashagel)

Auch der Club Caritas hat sich schon rege am „Vielfalt tut gut“- Programm beteiligt. Als das Programm im Rahmen des Lokalen Aktionsplanes (LAP) 2008 aus der Taufe gehoben wurde, war die Caritas eine der ersten Institutionen, die teilnahmen. Das erste Projekt, das inzwischen fester Bestandteil des Club Caritas ist, war die „Tauschbörse mit Kommunikationstreff“. In der Tauschbörse finden allein erziehende und sozial benachteiligte junge Mütter eine Anlaufstelle für Beratung und Begegnung, und können außerdem Kleidungsstücke, aus denen die eigenen Kinder herausgewachsen sind, gegen andere, zwar gebrauchte aber passende, Kleidung oder Gebrauchsgegenstände eintauschen.

Die kleinen Maler die heute unterwegs waren, konnten zwar keinen Sonnenschein genießen, entkamen aber knapp dem nachmittäglichem Dauerregen. Ob die nächsten Gruppen, die die Wege fortführen wollen, ebensoviel Glück haben, bleibt abzuwarten. Schon morgen will der Kinderkirchenladen der Evangelischen Gemeinde ans Werk gehen, und am 27. August will der LV Altstadt’98 die „Bunten Wege“ erweitern und dem grauen Asphalt der Straße etwas Farbe gegenüberstellen.
Autor: agl

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