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16. Zug brachte Entscheidung

Donnerstag, 06. Februar 2003, 13:56 Uhr
SchachNordhausen (nnz) „Duell der Giganten“. Zum fünften Mal trafen gestern im New Yorker Athletic Club der Weltranglistenerste Garry Kasparov und „Deep Junior“ aufeinander. Vor dieser Partie stand es beim Zweikampf „Mensch gegen Maschine“ 2 : 2. Zu welchem Resultat das vorletzte Match geführt hat, erfahren Sie hier...

Nur wer in letzter Zeit das Schachduell Garry Kasparov gegen „Deep Junior“ mitverfolgt hat, kann sich nahezu vorstellen wie nervenaufreibend die Atmosphäre im Athletic Club gestern gewesen sein muß.

Nachdem Kasparov das erste Match mit einer Führung von
1 : 0 am 26. 01. 2003 für sich entscheiden konnte, drang dem ein oder anderen ein verschmitztes Grinsen hervor: laut Computerfachpresse, war jenes Schachprogramm bis dato amtierender Weltmeister und hatte seit drei Jahren keine Partie gegen einen Menschen verloren. Kasparovs Sieg löste natürlich eine gewisse Euphorie, nicht nur allein bei den Schachspielern aus – wie David gegen Goliath, gewann „Mensch gegen Maschine“.

Doch die Freude darüber, das es noch möglich ist, mit menschlichem Verstand ein ausgeklügeltes Programm auf einem Hochleistungsrechner zu besiegen, währte nicht lange... nachdem das zweite Match, am darauffolgenden Dienstag, mit einem Remies endete, mußte Kasparov sich beim dritten Mal geschlagen geben. Somit war der Zwischenstand bei 1.5 : 1.5 angekommen, was wiederum die Dramatik ansteigen ließ.

Das vierte Match war wohl das bisher längste und spannendste: Kasparov schien eine neue Strategie anzustreben. Statt den Gegner unter ständigen Druck zu setzen, baute er diesmal auf eine starke Verteidigung und verhielt sich eher defensiv. Diese Taktik führte zu langwierigen 61 Zügen – doch mit Erfolg: „Deep Junior“ bot das Remies an – 2 : 2.

Mit diesem Unentschieden gings es nun gestern in die „fünfte Runde“.
Erstes Kopfzerbrechen gab es, als „Deep Junior“ nicht wie in vergangenen Partien, mit einem Damengambit, sondern mit der Nimzoindischen Verteidigung, auf Kasparovs Eröffnung, antwortete. Diese kleine Überraschung für Kasparov und Kommentatoren sollte aber nicht die einzige bleiben. Im zehnten Zug opferte das Schachprogramm, zum Erstaunen aller, auch noch seinen Läufer um gegen Kasparovs Rochadestellung zum Angriff zu kommen. Eine kritische Stelle war dann der 16. Zug. Kasparov mußte sich entscheiden, ob er auf Gewinn spielen sollte; wählte jedoch einen Schlagabtausch, der „Deep Junior“ zum Remies durch Zugwiederholung zwang.

So bleibt die Frage: Schafft es Kasparov das Schachprogramm „Deep Junior“ im alles entscheidenen, letzten Match zu schlagen um als Sieger aus dem Duell „Mensch gegen Maschine“, hervorzugehen?

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Autor: grabe

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