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nnz-Forum: Segen oder Problem-Ort?

Sonntag, 11. Juli 2010, 15:54 Uhr
In der kommenden Woche soll in Sundhausen seitens der Nordhäuser Stadtverwaltung über einen künftigen Autohof informiert werden. Im Forum der nnz gibt es eine weitere Wortmeldung...


Ich bin seit 11 Jahren LKW-Fahrer im internationalen Güterfernverkehr und habe bzw. arbeite bei Speditionen der Umgebung. Ich habe dabei 40 Tonnen-Sattelzüge geführt und Strecken bis Spanien, Kroatien, Frankreich, Polen, Dänemark befahren, ich war in ganz Europa unterwegs. Ich habe dabei vorwiegend Abfälle, Lebensmittel, Handeslware jedweder Art transportiert und mußte dabei feststellen, daß Parkplatzmanel für uns Kutscher in ganz Europa ein Problem ist.

Die Situation für uns Trucker ist angespannt, insbesondere, wenn wir einen Rastplatz benötigen, um die uns vorgeschriebenen Ruhezeiten einzuhalten. Es gibt kaum Autohöfe, auf denen keine Gebühr zu entrichten ist. An Raststätten sind die Plätze knapp. Die sind in der Regel voll, man muß dort nichts bezahlen.

Andere Möglichkeiten sind Nebenstraßen von Autobahnab- und Zufahrten. Es ist im allgemeinem bundes- und europaweit problematisch, geeignete Stellplätze zu finden. Aus diesem Grund freut sich jeder Trucker über einen Autohof, auf dem Plätze frei sind, die nichts kosten.

Aber was bedeutet ein Autohof für einen Ort, der unmittelbar an ihm liegt ? Ein Autohof bringt für einen Ort in der Nähe mit Sicherheit erhebliche Beeinträchtigungen mit sich. Gehwege werden zerfahren, andere Fahrzeuge leiden im schlimmsten Falle in engen Straßen (das ist aber selten), Lärm durch stundenlang laufende Motoren oder Aggregate, Fahrgeräusche zu jeder Tages- und Nachtzeit.

Wenn ich meine Lenkzeit unterbrechen oder beenden muß und keinen Platz auf Höfen oder Raststätten finde, dann fahre ich weiter in den nächsten Ort und suche mir geeignete Straßen, Nebenstraßen, dort parke ich dann – egal wo. Natürlich nehmen wir Rücksicht auf Ein- und Ausfahrten, uns ist das auch unangenehm. Natürlich versuche auch ich, die Gebühren zu umgehen, die auf Höfen anfallen, es sind in der Regel 10 €uro pro Nacht, die zu zahlen sind.

Viele Trucker, die ich kenne, ich selbst auch, vor allem aber solche aus Ost-Europa, die über wenig Geld verfügen, nutzen daher zuerst die Möglichkeit einen Autohof anzufahren. Sehen sie dann aber, daß dieser Gebühren erhebt oder voll ist, wird überall in der Umgebung geparkt und der Hof gemieden. Vor allem an Wochenenden während der Wochenend-Ruhezeit, die dauert 36 Stunden, strömen die Fahrer in die anliegenden Orte, um dort einzukaufen oder sich zu amüsieren. Es herrscht dann lange Weile und Abenteuerlust bei uns vor. Die Kosten auf den Höfen für Lebensmittel und Gastronomie sind einfach zu teuer für uns Trucker.

Es ist oft so, daß einen das Navisystem bei Abfahrten falsch führt, da die Systeme in der Regel für Pkw ausgelegt sind. Steht man dann mit einem Sattelzug in einem Ort oder einer engen Straße fangen die Riesenprobleme an. Wie kann ich wenden, kann ich zurück schieben, wie komme ich auf den Zubringer zurück? Sperrschilder oder Verkehrsverbote haben dann natürlich für uns wenig Bedeutung, wir können dann nicht anders, als auch mal eine gesperrte Straße zu nutzen.

Mir ist natürlich klar, was das für einen Ort bedeutet. Ich würde nie in unmittelbarer Nähe eines solchen Hofes wohnen wollen. Autohöfe gehören in ausgeschriebene Industriegebiete wenigstens einige Kilometer von Städten oder Ortschaften entfernt. Das ist meine Meinung, obwohl ich die Höfe für meine Arbeit dringend benötige. Ich möchte daher meinen Namen nicht nennen, ich habe auch Angst vor Nachteilen bezüglich meines Arbeitsplatzes.
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Autor: nnz

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