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LEG mit Bilanz: 320 Projekte

Freitag, 31. Januar 2003, 09:33 Uhr
Nordhausen/Erfurt (nnz). „Das Jahr 2002 war geprägt von harter Arbeit, von weitreichenden Investitionen, von der Weiterentwicklung zahlreicher Projekte und vom zähen Ringen um Investoren und Arbeitsplätze“. LEG-Chef Reinholf Stanizek meinte damit vor allem die schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Mehr zur umfangreichen Bilanz der Landesentwicklungsgesellschaft mit dem bekannten Klick.

Gegenwärtig ist die LEG nach den Ausführungen Stanitzeks mit 320 Projekten thüringenweit aktiv. Dies beinhalte nicht nur die großen, spektakulären oder öffentlichkeitswirksamen Maßnahmen wie die Entwicklung des Stadtteils Brühl im Herzen von Erfurt, die Erschließung des Baugrundes für die Papierfabrik in Schwarza, die weit fortgeschrittene Aufarbeitung des Teersees „Neue Sorge“ in Rositz und andere Großprojekte. Vielmehr gebe es eine große Anzahl kleinerer aber ebenso wichtiger Entwicklungen, die vor Ort große Auswirkungen haben.

Stanitzek nannte als Beispiele die Einweihung der „Miet-Fabrik“ in Ilmenau, die Raum bietet für junge, aufstrebende Unternehmen aus den Gründerzentren, die Weiterentwicklung des Industrie- und Gewerbegebietes Merkers, dessen Schienen- Erschließung erst kürzlich erfolgte, das Projekt „JenArea 21“ auf dem Standort der ehemaligen Brauerei in Jena, die Erschließung und Entwicklung des Gewerbeparkes „Südstraße“ in Gotha; ferner die Einweihung des neuen, großen Industrie- und Gewerbegebietes „Am Steinberg/Martinsfeld“ im Norden von Leinefelde, die Erschließung des Industrie- und Gewerbegebietes „Kaliwerk Roßleben“, die Aufbereitung des Altstandortes ZBO in Worbis, die Ansiedelungen auf dem ehemaligen Kasernengelände in Altenburg Nord-Ost und viele Projekte mehr.

„Die Menschen brauchen Arbeitsplätze und setzen Vertrauen in die Arbeit der LEG“, sagte Stanitzek. An vielen Stellen im Freistaat sei es bereits gelungen, mit breiter Unterstützung durch die Landesregierung, insbesondere durch das Thüringer Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Infrastruktur, positive Entwicklungen einzuleiten, Ansiedlungen von Unternehmen und damit von Arbeitsplätzen zu erreichen.

Rund 105 Millionen Euro investierte die LEG als Unternehmen im Jahr 2002 nach den Angaben des Sprechers der Geschäftsführung, davon rund 76 Millionen Euro in die LEG-eigenen Industrie- und Gewerbegebiete, sowie 8,8 Millionen Euro für die WGT/Konversions-Standorte (Sondervermögen); für den Bereich Hochbau wurden gut 16,8 Millionen Euro aufgewendet, die, ebenso wie die Investitionssumme von rund 3,6 Millionen Euro bei der Erschließung von Bauland, in den kommenden Jahren durch Verkaufserlöse und Mieteinnahmen zurückfließen werden.

Speziell zur Bauland-Vermarktung erklärte der Sprecher der LEG-Geschäftsführung, daß es der LEG 2002 gelungen sei, insgesamt 10,5 Hektar Bauland aufgeteilt auf 200 Bauplätze in den 60 LEG-Baugebieten in Thüringen für 8,25 Millionen Euro zu verkaufen. „Ein großartiges Ergebnis - angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands“, sagte Stanitzek. Mit Blick auf die kommenden Jahre erklärte er jedoch, daß er nur noch punktuell die Erschließung neuer Wohnbaugebiete erwarte, dort wo städtebauliche Mißstände bestehen. „Grüne-Wiese- Projekte“ wird es kaum noch geben. Als Beispiele dafür nannte Stanitzek das Baugebiet „Birke II“ in Erfurt-Windischholzhausen mit 90 Bauplätzen, sowie die Wohnbauerschließungen auf ehemaligen WGT-Flächen in Apolda mit 109 und Berka mit 22 Bauplätzen.


Die Bau-Lust in Thüringen wird jedoch durch die Steuer-Diskussion in Berlin stark gebremst, fügte Stanitzek an. Die diskutierten Änderungen bei der Eigenheim-Zulage hätten zu großer Verunsicherung auch bei Thüringer Häuslebauern geführt und viele potentielle Bauherren fürchteten, daß ihr Traum vom Eigenheim ganz platzen könne. Gleichwohl wirbt die LEG für ihre noch gut 1.400 erschlossenen und preiswerten Bauplätze in ganz Thüringen und engagiert sich dabei mit den Schwerpunkten Internet-Vermarktung, Thüringen-Ausstellung, Messe Jena 2003 und die Eigen-Veranstaltung „Forum Bauen“ am 10. Mai 2003. Hierbei wie bei der Vermarktung von Gewerbeimmobilien setze die LEG auf die bewährten Kooperationen mit den Kommunen, etwa bei gemeinsamen Messe-Präsentationen wie bei der Immobilienmesse „Expo-Real“ in München, die auch 2002 wieder zahlreiche Kontakte brachte.

Als herausragende planerische und gestalterische Erfolge der LEG im vergangenen Jahr bezeichnete Stanitzek zum einen die Koordinierung und Betreuung des Erweiterungsbau des Thüringer Landtags mit Plenarsaal, Tiefgarage und Außenbereichen. Ferner nannte er den Neubau der Tiefgarage unter dem neuen Opernplatz in Erfurt, den Abschluß der Restaurierung der DEA-Siedlung in Rositz oder die Sanierung und Umnutzung des ehemaligen Areals der Suhler Verlagsgesellschaft in der Suhler Innenstadt zu einem neuen Quartier mit Büros, Cafe und Medienzentrum, den Wohnungsneubau in Eisenberg oder den Neubau von 50 betreuten Wohnungen in Bad Köstritz.

Gerade in den Bereichen Stadtsanierung, Stadt- und Regionalentwicklung sowie regionale Konzeptionierungen sieht Stanitzek größere Aufgaben auf die LEG und ihre Tochterunternehmen in Nordthüringen (Enwicklungsgesellschaft Südharz- Kyffhäuser ESK mbH), Südwestthüringen (Entwicklungsgesellschaft Südwest- Thüringen ESW mbH) und Ostthüringen (Aufbaugesellschaft Ostthüringen AGO mbH) zukommen. So wurde für Jena/Saale-Holzland-Kreis von der LEG eine Entwicklungskonzeption mit dem Ziel erstellt, die Wachstumspotentiale der Stadt Jena im wissenschaftlich-technologischen Bereich mit den Flächenangeboten des benachbarten Kreises zu verknüpfen und gemeinsam zu vermarkten (JenArea).

Für die Stadt Lauscha wurde ein Rahmenplan für die Stadtsanierung vorbereitet; in Großbreitenbach ist die LEG Sanierungsträger, ebenso für die gewerblichen Brachfläche am Eichrodter Weg in Eisenach; und mit der Deutschen Bahn kooperiert die LEG bei der Sanierung zahlreicher innerstädtischer Bahnhofsbereiche. Ein Projekt von besonderer Bedeutung für die Entwicklung strukturschwacher Räume ist das Regionalmanagement für den Kyffhäuserkreis. Im Dezember 2002 hat der Kyffhäuserkreis die LEG beauftragt, im Rahmen eines Regionalmanagements die Wachstumspotentiale dieser Region zu ermitteln und sie zu aktivieren.

Nach wie vor von großer Bedeutung für die Landeshauptstadt Erfurt, aber auch für die LEG, ist die weitere Entwicklung des neuen Stadtteils Brühl, der unaufhaltsam weiter wächst und Gestalt annimmt. Stanitzek ist sicher, daß der Neubau des 5-Sterne-Hotels im Brühl in 2003 begonnen und er vis-à-vis der Oper bis Frühjahr 2004 stehen wird. Auch habe die LEG zwischenzeitlich das vormals der Deutschen Telekom gehörende 1,6 Hektar große Areal in der Martinsgasse erworben und beginne nun mit der planerischen Weiterentwicklung der Flächen für Wohnungsbau sowie einer Nutzungskonzeptionen für die erhaltenswerten Gebäude.

Für die Akquisition neuer Investoren und die Ansiedelung weiterer Unternehmen in Freistaat Thüringen war das Jahr 2002 nach Aussage von Stanitzek gekennzeichnet vom „zähen Ringen um Ansiedelungs-Erfolge“. Gleichwohl konnte die LEG eine positive Bilanz ziehen, denn insgesamt wurden erneut 28 Unternehmen neu angesiedelt, darunter drei aus dem Ausland (2 USA, 1 Schweiz), und 16 Unternehmens-Erweiterungen gefördert. Rund 1.300 Arbeitsplätze wurden neu geschaffen und weitere 300 gesichert. Rund 340 Millionen Euro haben diese Unternehmen zu investieren zugesagt, was nochmals einer bedeutenden Anzahl von Menschen in Thüringen Arbeit bringen wird.

Daß es der LEG gelungen ist, 28 Neu-Investoren für Thüringen zu werben, die sich hier ansiedeln und mehr als 1.300 Arbeitsplätze schaffen, ist nach Aussage von Stanitzek ein „guter Erfolg“, der erreicht wurde, weil die LEG durch zielstrebige, beharrliche und kundenorientierte Arbeit auf den härteren Standort-Wettbewerb antwortet. Dabei wird sich das Akquisitionsgeschäft künftig auf Zukunftstechnologiefelder wie Automobil/Logistik, Biotechnolgie/Umwelt, Elektrotechnik/Elektronik oder Optik/Optonet und ausgewählte Länder Westeuropas, Nordamerikas und Asiens konzentrieren.

Über das Jahr 2002 hinweg hat die LEG insgesamt 174 Investoren-Projekte betreut, von denen 109 auch in 2003 weiterverfolgt werden; „wir erwarten noch eine Reihe von Zusagen aus diesen Verhandlungen“, betonte Stanitzek und verwies auf die beabsichtigte Ansiedelung eines indischen Investors mit einer CD-Produktion in Thüringen, der von der LEG betreut wird. 28 Investoren siedelten sich 2002 in Thüringen neu an.

Nach Stanitzeks Angaben erhöht sich mit den 2002er Investoren die Anzahl der seit 1996 durch die LEG neu in Thüringen angesiedelten Unternehmen auf insgesamt 297, in denen rund 21.300 Arbeitsplätze geschaffen und von denen 3,35 Milliarden Euro investiert wurden!

„Der '‚Blick zurück' braucht auch den 'Blick nach vorn'“, führte Stanitzek weiter aus. „Das Geschäft wird schwieriger; der Wettbewerb hat an Härte zugelegt“, kommentierte er die Bedingungen, unter denen für den Standort Thüringen in Deutschland, Europa und auf zahlreichen internationalen Märkten, Messen und Veranstaltungen geworben und akquiriert wird. Dabei sind die nationalen Rahmenbedingungen Bremsklötze: Steuern, Abgaben, Regulierungen und Tarifsysteme wirken konjunkturschwächend und erschweren Standortentscheidungen für Deutschland und damit auch für Thüringen. Diesen weitgehend vom Bund hausgemachten Negativ-Faktoren kann nur sehr bedingt durch eine offensive Akquisitionsarbeit entgegen gewirkt werden, betonte Stanitzek, der auch darauf hinwies, daß Osteuropa zunehmend Konkurrenz bedeute.

Wie seit langen Jahren Brauch gab Stanitzek noch einen abschließenden Bericht zu den „Kleinodien“ der LEG, die Schlösser und Burgen. Von den vormals 14 historischen Anlagen, die der LEG vom Freistaat zur fürsorglichen Vermarktung übertragen wurden, sind zwischenzeitlich sieben in Privatbesitz übergegangen. Zwar fand sich 2002 kein neuer Investor für diese kulturellen Zeugen der großen Geschichte Thüringens, doch war Stanitzek „sehr optimistisch“, 2003 im Idealfall gleich zwei weitere Schlößchen verkaufen zu können: Die Ordenskomturei Liebstedt und Schloß Herrenbreitungen. In beiden Fällen werde sehr intensiv und erfolgversprechend mit Investoren verhandelt. Ob 2003 darüber hinaus auch die Leuchtenburg einen neuen „Schloßherren“ finden wird, ist noch offen: „Wir verhandeln mit Interessenten, die die Leuchtenburg kaufen und erhalten möchten“, sagte Stanitzek abschließend.
Autor: nnz

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