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Von Takt bis Rufbus

Samstag, 12. Juni 2010, 11:16 Uhr
Am Donnerstag dieser Woche tagte der Nordhäuser Kreisverband der Bündnisgrünen, zu dem neben Mitgliedern auch zahlreiche Gäste gekommen waren, um sich zu dem wichtigen und spannenden Thema Verkehrsentwicklung in Nordhausen zu informieren. Hier der Bericht...


Matthias Schlegel, Referent für Bau, Landesentwicklung und Verkehr der grünen Landtagsfraktion ließ sich über die Situation der Stadtentwicklungs- und Verkehrsplanung in Nordhausen berichten. Er begrüßte den im Stadtrat Nordhausen eingebrachten Antrag der Grünen Stadtratsfraktion zum integrierten Verkehrskonzept für Nordhausen. Dies sollte in das zu aktualisierende Stadtentwicklungskonzept eingebunden werden. Bei diesen Planungen müsse berücksichtigt werden, dass vor der

Verkehrsbewältigung die Verkehrsvermeidung stehe. Dazu sei die Planung von Quartieren zu empfehlen in denen Menschen wohnen, arbeiten und einkaufen können. Die Stadtverwaltung Nordhausen benötige zudem eine Vision, wo die Stadt in 20 Jahren stehen wolle. Wie hoch solle der Anteil des Fußverkehrs, des Radverkehrs, der Straßenbahn, des Busses und des Autos sein?

Nur wenn sich die Verantwortlichen hier zu Zielen entschlössen, könnten diese auch verfolgt und erreicht werden. Hierfür gebe es eine Vielzahl von erfolgreichen Beispielen in vergleichbaren Städten. So sei in Freiburg durch konsequenten Ausbau der Straßenbahn der Anteil der Straßenbahn nahezu so hoch wie der des Autoverkehrs. Dies spare der Stadt jährlich Millionen, da sie wesentlich weniger Verkehrsfläche erhalten und zur Verfügung stellen müsse.

Ein Straßenbahnbenutzer brauche durchschnittlich nur 20 Quadratmeter öffentliche Verkehrsfläche. Dagegen schlage ein Kraftfahrzeug mit 150 Quadratmeter zu Buche. Man könne sich leicht ausrechnen, wie viel Geld gespart werden könnte. Ganz zu schweigen vom positiven Einfluss auf die Umweltbilanz durch eine geringere Versiegelung.

Die Grüne Landtagsfraktion plant derzeit die Erstellung eines Konzeptes für einen landesweiten Thüringen Takt. Vorbild hierfür ist die erfolgreiche Einführung eines solchen Taktes in der Schweiz und in Rheinland-Pfalz. Der Planungszeitraum für dieses Konzept beträgt 20 Jahre. Kernpunkt ist die Planung vom Ende her. Erst wird der gewünschte Taktfahrplan aufgestellt. Dann wird so investiert, dass dieser erreicht werden kann. In der Schweiz führt dies sogar soweit, dass in allen größeren Städten die Züge genau zur vollen oder halben Stunde abfährt. Damit können die Fahrgäste sich die Reiseplanung faktisch sparen, so Matthias Schlegel.

Der Thüringen Takt könnte es ermöglichen, dass alle Verkehrsmittel eng miteinander vernetzt werden. So wird dann endlich auch das Umsteigen zwischen Bahn und Bus, Straßenbahn und Anruf-Sammel-Taxi funktionieren. Nordhausen oder sogar Nordthüringen sollten sich schon mal als Modellregion bewerben, schlägt Gisela Hartmann vor.
Autor: psg

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