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Richter Kropp: Zickenkrieg

Mittwoch, 02. Juni 2010, 08:49 Uhr
Am Ende des Verfahrens vor dem Amtsgericht Sondershausen waren sich alle Verfahrensbeteiligte darüber einig, dass der Fall eigentlich nicht vor Gericht gehörte. Was also war geschehen?


Ein Streit zwischen zwei 14jährigen Mädchen war der Anlass für die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Mühlhausen vom 5. Juni vergangenen Jahres gewesen. Der Streit zwischen beiden an einer Schule im Kyffhäuserkreis schwelte schon länger, als das blonde Mädchen das brünette in einem Brief beleidigte. Dabei war der Brief gar nicht für die Brünette bestimmt, die ihn nur per Zufall in die Hand bekam.

Die Brünette beleidigte daraufhin die Blonde zweimal mit den Worten „Assi“ bzw. „Nutte, Hure, Schlampe.“ Beleidigungsfälle werden eigentlich bei der Staatsanwaltschaft eingestellt bzw. wird das Opfer auf den Privatklageweg verwiesen. Danach müssen die Opfer sich selbst um die Strafverfolgung kümmern. Hier hatte aber auch der ermittelnde Staatsanwalt genug von den beiden Damen, denn mehrere wechselseitige Anzeigen waren dort anhängig.

Vor Gericht war nun wegen dieser Äußerungen die Brünette angeklagt, welche die Tat leugnete. Die Blonde und zahlreiche Zeugen belasteten jedoch die Angeklagte schwer. Eine interessante Wendung nahm das Ganze, als klar wurde, dass auch die Blonde in der Vergangenheit die Brünette mehrfach beleidigt hatte, was sie vor Gericht auch noch rechtfertigte. Die Familie der Brünetten seien halt „Assis.“

Eine weitere Wendung nahm der Fall dann, als das Gericht erfuhr, dass die Mutter der Blonden Lehrerin an der gemeinsamen Schule war und die Brünette sich dadurch benachteiligt fühlte. So kam auch der eigentliche Grund der wechselseitigen Beleidigungen zu Tage: Die Familien der beiden Mädchen sind seit Jahren verfeindet, was sich anscheinend jetzt auf die nächste Generation übertragen hat.

Der Sondershäuser Jugendrichter Christian Kropp verurteilte die Brünette nun wegen zweifacher Beleidigung zu einer Arbeitsauflage von 10 Stunden. Mit der geringen Sanktion soll dieser Fall, der eigentlich vor Gericht nichts verloren hat, beendet sein. Ob Frieden zwischen den streitenden Familien eingetreten ist, ist nicht bekannt geworden.
Autor: nnz

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