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Italienisch zum Feierabend

Freitag, 21. Mai 2010, 08:12 Uhr
„Buonasera.“ So begrüßt Helga Volz ihre Schüler, die eigentlich meist seit vielen Jahren nicht mehr die Schulbank drücken müssen. Einmal in der Woche tun sie es trotzdem...

Einmal Italienisch (Foto: J Piper) Einmal Italienisch (Foto: J Piper)

Sie treffen sich im Nordhäuser Herder-Gymnasium, um in einem Kurs der Kreisvolkshochschule Italienisch zu lernen. Heute am späten Nachmittag ist eine Gruppe dran, die schon seit fast sieben Jahren gemeinsam zu den Italienisch-Büchern greift und jetzt im 14. Semester einen Italienisch-Kurs der VHS besucht. „14 Semester ist das höchste, was wir je geschafft haben“, sagt Helga Volz nicht ohne Stolz.

Die Frage nach dem Grund dieser Ausdauer ist schnell beantwortet: „Es ist die Freude und der Spaß an der Sprache, weshalb ich hierher komme. Außerdem erwerbe ich hier ein so umfangreiches Wissen über das Land, wie es mir sonst nicht gelungen wäre. Und man wird hier so angenommen, wie man ist – ob man etwas weiß oder auch mal nicht weiß. Es ist eben eine gute Gruppe“, meint die Nordhäuserin Elke Ott, die gemeinsam mit ihren sieben Kollegen im Kurs schon viel gelernt hat in den letzten Jahren.

„Unser oberstes Ziel hier ist die Kommunikation“, sagt Dozentin Helga Volz. Dazu gehört eben auch, mal einen Fehler zu machen. „Perfekt ist man in keiner Sprache, auch nicht der Muttersprache. So etwas zu sagen ist Quatsch, denn da müsste man ja alle Wissengebiete kennen. Für Sprachen muss man ein Interesse haben und etwas dafür tun.

Es heißt ja auch Sprachen lernen und nicht Sprachen spaßen.“ Noten gibt es zwar keine in VHS-Kursen. „Aber Hausaufgaben schon. Jede Woche stellt jemand eine kurze Präsentation vor, zu der die anderen Teilnehmer dann Fragen stellen.“

Seit Anfang der 90er ist Helga Volz Dozentin in der Volkshochschule, zunächst in ihrer Heimatstadt Sondershausen. Später kam Nordhausen dazu. Zu DDR-Zeiten hat die 59-Jährige in Berlin an der Humboldt-Universität Italienisch und Französisch studiert. Ihr Abschluss: Diplom-Sprachmittlerin. Heute sagt man Dolmetscherin dazu.

Ein paar Jahre hat sie in Italien gelebt, Ende der 80er Jahre in Mailand bei der Handelmission der DDR gearbeitet. Nach der Wende ging sie zurück nach Deutschland. Neben ihrer Arbeit als freie Dozentin an der VHS übersetzt sie heute Texte, meist für Firmen. Außerdem hat sich Helga Volz weiterqualifiziert und unterrichtet nun auch Deutsch als Zweit- bzw. Fremdsprache an der VHS. Dabei hilft ihr eine Sprache weiter, die zu DDR-Zeiten obligatorischer Bestandteil des Studiums war: Russisch. Denn viele der Teilnehmer von Deutsch- und Integrationskursen stammen aus russischsprachigen Regionen.

Die Bedingungen zum Sprachenlernen sind gut in den VHS-Kursen. Die Gruppen sind relativ klein. Die drei zurzeit laufenden Italienisch-Kurse besuchen zwischen acht und elf Leuten. „Die Gruppen sind sehr heterogen. Von der 10-jährigen Schülerin bis zur Rentnerin über 70 reichen die Altersgruppen“, so Helga Volz. „Die Gründe der Teilnehmer, bei uns Italienisch zu lernen, sind unterschiedlich. Meist ist es privates Interesse, weil man beispielsweise gern Urlaub in Italien macht. Oder die Teilnehmer hatten mal Kontakt zur italienischen Sprache und wollen sie nun lernen. Ich habe auch Rentner, die hier sind, um geistig fit zu bleiben.“ Oft entstehen in den Kursen auch Freundschaften. Eine Gruppe fährt dieses Jahr schon zum zweiten Mal gemeinsam mit Helga Volz nach Italien.

Neben Italienisch gibt es gerade Kurse in fünf weiteren Sprachen an der Kreisvolkshochschule, plus Deutsch als Fremdsprache und Geschäftsenglisch. Grundsätzlich lassen sich die Gebühren von Sprachkursen durch die Bildungsprämie senken. In allen Fragen zur Bildungsprämie des Bundesbildungsministeriums berät ebenfalls die Kreisvolkshochschule. Weitere Informationen sowie die Kontaktdaten der VHS gibt es unter www.vhs-nordhausen.de.
Autor: nnz

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