Lehrer Stolz hatte eine Vision
Samstag, 17. April 2010, 10:33 Uhr
Vor 60 Jahren war Gerhard Stolz nach Günzerode gekommen. Jung, sportlich, gut aussehend. Die älteren Mädchen bewunderten ihren damals 21-jährigen Lehrer. Auch Erika Hoyer, die 1950 Nebelung hieß. Kürzlich war Stolz wieder vor Ort. Ein Bericht von Kurt Frank.
Vor 60 Jahren unterrichtete Gerhard Stolz in Günzerode. Herzlich begrüßte er seine ehemalige Schülerin Erika Hoyer mit einem Blumenstrauß
Er kam zum Schülertreffen aller Ehemaligen. Seine einstigen Schützlinge empfingen ihn herzlich. Erika Hoyer strahlend mit einem Blumenstrauß. Stolz, ganz Kavalier, hatte ebenfalls Blumen mitgebracht. Wiederum zahlreich waren die Damen und Herren im reifen Alter, die einst die kleine Dorfschule besuchten, aus dem gesamten Bundesgebiet angereist: Marlies Gleim aus Hannover, Roman Patrofsky aus Leipzig, Fritz Kaiser aus Bad Nenndorf. Der muss wohl in eine andere Schule gegangen sein. Er will in Gerhard Stolz den Lehrer erkannt haben, der, mit dem Rohrstock in der Hand, über Bänke sprang und Schülern einen Hieb versetzte. Heftige Proteste brachten ihn zur Besinnung. Der Angesprochene reagierte diplomatisch. Vielleicht war es ein Akt zur Wiedergutmachung: Kaiser holte einen Karton aus seinem Auto und überreichte allen Anwesenden ein Überraschungsei.
Gerhard Stolz hatte 1950 die Vision, für den kleinen Ort etwas Bedeutsames zu schaffen. Aber nicht als Hirngespinst. Sondern völlig real. Stolz war Idealist, aber kein Träumer. Er brannte für seine Ideen, motivierte, war Feuer und Flamme. Der Funke sprang über. Mit Hacke, Schaufel, Spaten und Handwagen marschierten seine Schützlinge Richtung Wald. Eine unansehnliche vergraste und verwilderte Fläche verwandelten sie unter Anleitung ihres Lehrers in mühevoller wochenlanger Kleinarbeit in eine Freilichtbühne ohnegleichen. Für Günzerode eine Sensation.
Mit Terrassen als Sitzgelegenheiten und Raum für Kulissen, die man für Theateraufführungen selbst bastelte. Der Tag der Einweihung glich einer Völkerwanderung. Alt und Jung strömten zum Wald. Es muss wohl das Märchen von der verwunschenen Mühle gewesen sein, das man aufführte. Die Kulisse wirkte echt. Die Kinder, Müllerburschen spielend, meisterten ihre Rollen ohne Fehl und Tadel. Zum Schluss war der Zauber gebrochen, das Mühlenrad drehte sich wieder. Der Beifall wollte nicht enden. In den Wochen und Monaten danach belebte Lehrer Stolz sein Werk mit Auftritten der Laienspielgruppe, Musik und Volkstänzen.
Auf einem Tisch auf der Terrasse der Gaststätte Am Hagen hatte Gerhard Stolz sein privates Album, das er aus Kraja mitbrachte, ausgebreitet. Erinnerungen aus seiner Zeit in Günzerode wurden wach. Ein Foto zeigte Erika Nebelung, ein hübsches Mädchen, mit der Klampfe in der Hand. Neben ihr Hannelore Schneider und Christa Hackert, die ebenfalls meisterlich Gitarre spielten. Die Mädchen seien alle sehr musikalisch gewesen, erklärte ihr Lehrer, der ihre Begabungen zu fördern wusste. Ihr musikalisches Können bewies Erika Hoyer auch nach 60 Jahren mit einem Jodler-Lied überzeugend. Wir mochten unseren Lehrer sehr, schwärmt noch heute die mittlerweile über 70-Jährige. Mit Sinn und Verstand habe er seine Schüler motiviert und wohltuende Freizeitaktivitäten entfaltet, die es nach ihm in Günzerode nicht mehr so intensiv gegeben habe, ist sie überzeugt. Bedauerlicherweise wurde Gerhard Stolz schon nach nur einem halben Jahr Ende Juni 1950 aus Günzerode abberufen.
Die Monate hier habe er als die schönste Zeit seiner pädagogischen Laufbahn in bleibender Erinnerung, sagt er. Leider ist seine Freilichtbühne als solche heute nicht mehr erkennbar. Dreimal haben ihn Ehemalige schon zum Schülertreffen eingeladen. Gern war er gekommen. Herzlich bedankte er sich auch diesmal und versprach, am 13. April 2012 erneut in den Helme-Ort zu reisen. Zum nächsten Schülertreffen.
Kurt Frank
Autor: nnzVor 60 Jahren unterrichtete Gerhard Stolz in Günzerode. Herzlich begrüßte er seine ehemalige Schülerin Erika Hoyer mit einem Blumenstrauß
Er kam zum Schülertreffen aller Ehemaligen. Seine einstigen Schützlinge empfingen ihn herzlich. Erika Hoyer strahlend mit einem Blumenstrauß. Stolz, ganz Kavalier, hatte ebenfalls Blumen mitgebracht. Wiederum zahlreich waren die Damen und Herren im reifen Alter, die einst die kleine Dorfschule besuchten, aus dem gesamten Bundesgebiet angereist: Marlies Gleim aus Hannover, Roman Patrofsky aus Leipzig, Fritz Kaiser aus Bad Nenndorf. Der muss wohl in eine andere Schule gegangen sein. Er will in Gerhard Stolz den Lehrer erkannt haben, der, mit dem Rohrstock in der Hand, über Bänke sprang und Schülern einen Hieb versetzte. Heftige Proteste brachten ihn zur Besinnung. Der Angesprochene reagierte diplomatisch. Vielleicht war es ein Akt zur Wiedergutmachung: Kaiser holte einen Karton aus seinem Auto und überreichte allen Anwesenden ein Überraschungsei.
Gerhard Stolz hatte 1950 die Vision, für den kleinen Ort etwas Bedeutsames zu schaffen. Aber nicht als Hirngespinst. Sondern völlig real. Stolz war Idealist, aber kein Träumer. Er brannte für seine Ideen, motivierte, war Feuer und Flamme. Der Funke sprang über. Mit Hacke, Schaufel, Spaten und Handwagen marschierten seine Schützlinge Richtung Wald. Eine unansehnliche vergraste und verwilderte Fläche verwandelten sie unter Anleitung ihres Lehrers in mühevoller wochenlanger Kleinarbeit in eine Freilichtbühne ohnegleichen. Für Günzerode eine Sensation.
Mit Terrassen als Sitzgelegenheiten und Raum für Kulissen, die man für Theateraufführungen selbst bastelte. Der Tag der Einweihung glich einer Völkerwanderung. Alt und Jung strömten zum Wald. Es muss wohl das Märchen von der verwunschenen Mühle gewesen sein, das man aufführte. Die Kulisse wirkte echt. Die Kinder, Müllerburschen spielend, meisterten ihre Rollen ohne Fehl und Tadel. Zum Schluss war der Zauber gebrochen, das Mühlenrad drehte sich wieder. Der Beifall wollte nicht enden. In den Wochen und Monaten danach belebte Lehrer Stolz sein Werk mit Auftritten der Laienspielgruppe, Musik und Volkstänzen.
Auf einem Tisch auf der Terrasse der Gaststätte Am Hagen hatte Gerhard Stolz sein privates Album, das er aus Kraja mitbrachte, ausgebreitet. Erinnerungen aus seiner Zeit in Günzerode wurden wach. Ein Foto zeigte Erika Nebelung, ein hübsches Mädchen, mit der Klampfe in der Hand. Neben ihr Hannelore Schneider und Christa Hackert, die ebenfalls meisterlich Gitarre spielten. Die Mädchen seien alle sehr musikalisch gewesen, erklärte ihr Lehrer, der ihre Begabungen zu fördern wusste. Ihr musikalisches Können bewies Erika Hoyer auch nach 60 Jahren mit einem Jodler-Lied überzeugend. Wir mochten unseren Lehrer sehr, schwärmt noch heute die mittlerweile über 70-Jährige. Mit Sinn und Verstand habe er seine Schüler motiviert und wohltuende Freizeitaktivitäten entfaltet, die es nach ihm in Günzerode nicht mehr so intensiv gegeben habe, ist sie überzeugt. Bedauerlicherweise wurde Gerhard Stolz schon nach nur einem halben Jahr Ende Juni 1950 aus Günzerode abberufen.
Die Monate hier habe er als die schönste Zeit seiner pädagogischen Laufbahn in bleibender Erinnerung, sagt er. Leider ist seine Freilichtbühne als solche heute nicht mehr erkennbar. Dreimal haben ihn Ehemalige schon zum Schülertreffen eingeladen. Gern war er gekommen. Herzlich bedankte er sich auch diesmal und versprach, am 13. April 2012 erneut in den Helme-Ort zu reisen. Zum nächsten Schülertreffen.
Kurt Frank

