nnz-online

Thüringer Wirtschaftsverband verhalten optimistisch

Freitag, 05. Januar 2001, 13:21 Uhr
Nordhausen/Erfurt (nnz). "Die diesjährige Jahresumfrage der Verbände des VWT macht deutlich, dass die Thüringer Wirtschaft wieder ein gutes Stück voran gekommen, aber noch lange nicht am selbst gesteckten Ziel ist", so beurteilte Walter Botschatzki, Präsident des Verbandes der Wirtschaft Thüringens, das Ergebnis der Jahresumfrage der Verbände. Man müsse tatsächlich von einer gespaltenen Konjunktur sprechen, selten sei das so deutlich geworden wie im letzten Jahr. Während sich vor allem in der Industrie eine gute Entwicklung gezeigt habe, sei die Lage am Bau nach wie vor schlecht, das schlage sich auf viele Handwerksbetriebe und das baunahe Gewerbe nieder.
Mit dem gewachsenen Export des letzten Jahres sei in der Industrie auch die Binnennachfrage gestiegen, so dass die Kapazitäten für die Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie (M+E) gut ausgelastet waren, im Schnitt betrug sie fast 90 Prozent. Sorgen bereiteten jetzt die fehlenden Fachkräfte, die man aber dringend brauche, um die Betriebe weiter aufzubauen. Inzwischen fehlten in fast allen industriellen Bereichen die qualifizierten Arbeitskräfte, nicht allein Ingenieure, auch Facharbeiter und Führungskräfte werden gesucht, über 40 Prozent der befragten Branchen klagen über einen Mangel an Fachkräften.
Besonders kritisch sei in diesem Zusammenhang, dass die vom Arbeitsamt vermittelten Arbeitskräfte weder die nötige Motivation noch das entsprechende Können mitbrächten, um eine Weiterqualifizierung anzustreben. Man habe deshalb im letzten Jahr verstärkt in die Ausbildung investiert, gerade im Bereich der M+E-Berufe habe man acht Prozent mehr an betrieblichen Ausbildungsstellen angeboten, deren Besetzung aber immer noch ein Problem sei, weil es zu wenig Bewerber mit den erforderlichen Kenntnissen gäbe. Trotzdem habe man in einigen Unternehmen bis zu 18 Prozent der Beschäftigten an Auszubildenden eingestellt.
Dass trotz aller guten Voraussetzungen in Thüringen der Aufholprozess nicht so vorankomme, wie man sich das wünsche, hänge mit den Bedingungen zusammen, mit denen die Betriebe hier zu kämpfen hätten. So sei es nach wie vor unverständlich, warum die letzte Stufe der Steuerreform, die schließlich erst die Erleichterungen für die kleinen und mittleren Betriebe bringe, bis 2005 hinausgezogen werde. Gerade in den neuen Ländern - und besonders in Thüringen - gäbe es fast nur mittelständische und kleine Unternehmen, die ein weiteres Mal in einen sehr ungleichen Wettbewerb mit dem Westen geschickt würden. Hier fordere man ein früheres Inkrafttreten der letzten Stufe der Steuerreform. Auch die weitere Verbesserung der Infrastruktur müsse schnell geschehen. Die Fortschritte der Verkehrsinfrastruktur sollten nicht überbewertet werden, da vieles zwar in der Planung und im Bau befindlich sei, aber es müsse genutzt werden können, damit es wirksam werde.
Die Fortführung des Solidarpaktes und verbindliche Zusagen wären für die wirtschaftliche Entwicklung deshalb unverzichtbar.
Es ginge nicht darum, besondere Bedingungen für die Unternehmen hier zu schaffen, sondern darum, dass in den jungen Ländern die Rahmenbedingungen mit denen in den alten Ländern vergleichbar seien, und da gäbe es eben noch erhebliche Defizite zu begleichen. So sei nach wie vor die Kostenbelastung der Unternehmen im Vergleich zu den alten Bundesländern viel zu hoch. Nicht allein die hohen Steuern und Sozialabgaben belasteten die Firmen, auch die kommunalen Forderungen für Wasser und Abwasser seien in einigen Regionen unverhältnismäßig hoch. Dass die Ökosteuer von allen Branchen abgelehnt würde, wäre in Anbetracht der verursachten Kosten nicht verwunderlich. Anstatt den Unternehmen flexiblere und schnell wirksame Maßnahmen beim Beschäftigtenaufbau zu garantieren, habe man mit dem gesetzlich festgeschriebenen Anspruch auf Teilzeit und der geplanten Änderung des Betriebsverfassungsgesetzes genau entgegen der Entwicklung auf dem Weltmarkt agiert. Das würde von den Unternehmen als besonders kontraproduktiv gewertet.
Botschatzki verwies darauf, dass zu einer funktionierenden Infrastruktur auch eine fundierte Forschungslandschaft gehöre, auf die sich die Unternehmen stützen könnten. Deshalb gehöre für ihn zu den wesentlichen Faktoren einer guten Wirtschaftspolitik unbedingt die Unterstützung der Forschung und der industrienahen Forschungsinstitute ganz besonders. Nur wer heute bei den Innovationen die Nase vorn habe, könne im Wettbewerb mitreden. Und das sei schließlich das erklärte Ziel der Thüringer Wirtschaft.
Autor: nnz

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de