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Handballer gewinnen Spitzenspiel

Sonntag, 21. März 2010, 17:53 Uhr
Mit drei Spielen in Folge stand der Samstag ganz im Zeichen "Nordhausen gegen Mühlhausen". Die ersten beiden Begegnungen konnten die Gäste knapp für sich entscheiden. Das dritte jedoch wollten die Nordhäuser unbedingt gewinnen. Hier der ausführliche Bericht von Frank Ollech...


Als wenn es Fortuna mit den Nordhäusern an diesem Tag nicht gut meinen wollte: Fiel doch vor dem Spitzenspiel die komplette Anzeigetafel aus. Unmöglich, sie bis zum Spielbeginn wieder flott zu bekommen. Es half alles nichts, es musste kurzerhand eine manuelle Anzeige eingesetzt werden. So zog ein Stück Nostalgie beim Derby in die Ballspielhalle ein.

Standesgemäß zu einem Spitzenspiel liefen beide Mannschaften unter dem Beifall der jeweiligen Fans ein. Ohrenbetäubende Begeisterung von den Rängen bis zum Anpfiff und darüber hinaus. Diesen Schwung nahmen anfänglich die Hausherren besser auf und mit.

Nachdem Thomas Riemekasten den Torreigen eröffnete folgte postwendend der Ausgleich. Die Treffer von Stefan Fuhrmann, Mathias Thiele und Christian Müller markierten früh eine deutliche Führung mit 4:1 und die Ambitionen des NSV. Bis dahin sahen die über 500 Zuschauer einen starken Auftritt ihres Teams.,Der Vfb TM war davon wenig beeindruckt und drehte kurzerhand an der Temposchraube. Der NSV verlor innerhalb weniger Minuten den roten Faden und sah sich plötzlich als der gejagte in eigener Halle.

Mühlhausen konzentrierte sich auf das wesentlichste und profitierte vom kompletten Ausfall des Nordhäuser Angriffs, der in den folgenden 10 Spielminuten gänzlich gestoppt wurde. Die Abwehr war zwar in der Lage die Angriffe der Gäste zu blocken, aber Treffer konnten sie auf Dauer nicht verhindern.

So wurde aus einer 4:1 Führung ein 4:8 Rückstand. Ratlosigkeit auf der Nordhäuser Bank, der Favorit zeigte plötzlich Nerven. Serienweise vergaben die Schützlinge von Andreas Meyer ihre Großchancen. Der runde Ball wollte einfach nicht in den eckigen Kasten. Erst der Anschlusstreffer zum 5:8 von Marco Holznagel rüttelte die Mannschaft wach. Zumindest wurde der Vormarsch des Vfb gestoppt. Es entbrannte ein Schlagabtausch, nicht schön aber heftig. Zu viel stand auf dem Spiel als das das Spiel einen Schönheitspreis gewinnen würde. Dafür gab es packende Zweikämpfe, schnelle Ballstafetten und Abwehrschlachten sowie starke Torhüterleistungen.

Der Südharzexpress kämpfte, kam aber über das Tempo eines Nachtzuges in der Torwurfeffektivität nicht hinaus. Ein 9:14 Halbzeitrückstand gab es schon lange nicht für die erfolgsverwöhnten Nordhäuser.

Der zweite Spielabschnitt begann vielversprechend. Drei Treffer in Folge und der NSV war mit 12:13 wieder im Spiel. Ein Strohfeuer? Anscheinend ja, denn Leerlauf zog wieder ins Spiel der Hausherren ein.

Es sollte noch schlimmer kommen. Sie bekamen den bis dahin völlig von der Rolle spielende Angriff nicht in den Griff. Fehlpässe über Fehlpässe, Großchancen über Großchancen, beim NSV lagen die Nerven blank. Der Mühlhäuser Anhang freute sich derweil über ein ungewohntes Schützenfest beim Tabellenführer. Mitte der zweiten Halbzeit waren es beim 16:21 fünf Treffer Vorsprung und ein deutliches Plus in der Spielanlage.

Es war der bis dahin unglücklich spielende Stefan Fuhrmann, der mit dem 17. Treffer noch einmal alle Kräfte mobilisieren wollte. Bis zum 21:24 quälte sich das Spiel der Südharzer noch, ehe das scheinbar unmögliche eintrat. Der Südharzexpress hatte nachgetankt und nahm nun Fahrt auf. Sechs Treffer in Folge stellten den Spielverlauf völlig auf den Kopf. Fassungslose Gesichter bei den Gästen die nun mit 27:25 hinten lagen. Mit den Kräften scheinbar am Ende, brachte auch eine Manndeckung keinen Erfolg mehr. Die NSV Spieler überliefen diese einfach zum Treffer 28 durch Marcel Effenberger.

Stehende Ovationen von den Rängen und Schlachtrufe der Nordhäuser Fans. Tiefe Bestürzung bei den Gästen, hatten sie den Tabellenführer doch schon am Rande einer Niederlage.

Als NSV Trainer Andreas Meyer noch eine Auszeit kurz vor Spielende nahm, dachten alle das Spiel wäre zu Ende. Auch der Hallensprecher ließ sich von der euphorischen Stimmung anstecken und gab den Schluss bekannt. Es dauerte eine Weile bis allen klar wurde, dass die Begegnung eine kurze Fortsetzung findet. Die Zeit reichte gerade noch für einen Angriff des NSV. Clever spielten sie den Angriff runter und wurden strafwurfreif in der letzten Sekunde gefoult. Christian Flötling verwandelte sicher zum 29:26 Endstand.

Was folgte, das war grenzenlose Freunde bei allen Beteiligten. Die Nordhäuser sind am Ziel, drei Spieltage vor Schluss holen sie die Meisterschale mit einem Husarenstück in den Südharz. Gleichzeitig sicherten sie sich den Aufstieg ins Thüringer Oberhaus.

Karsten Scholz/ Sören Ahlert/ Kay Näther/ Stefan Fuhrmann 8/ Christian Müller 2/ Thomas Riemekasten 5/ Martin Stritzel/ Sebastian Kreutz/ Christian Flötling 1/ Matthias Thiele 4/ Marco Holznagel 4/ Michael Spieß 1/ Marcel Effenberger 1
Autor: nnz

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