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Stolpe setzt Zeichen

Montag, 23. Dezember 2002, 07:29 Uhr
Nordhausen (nnz). An der Teilnahme der Eröffnung des Autobahn-Teilstückes der A 38 von Wipperdorf bis Werther war Aufbauminister Manfred Stolpe (SPD) verhindert. Wer es bedauerte kann sich mit einer Hoffnung trösten, die der Minister den Menschen Ostdeutschlands gerade machte. nnz berichtet.


Besuch/nnz-Foto: J. Seifert Im Jahr nach dem Jahrhunderthochwasser will die Bundesregierung ihre Bemühungen um den Aufbau Ost weiter vorantreiben. „Die Lohnangleichung im öffentlichen Dienst kommt. Das ist eine Frage der Gerechtigkeit und die kann nicht allein nach wirtschaftlichen Kriterien beantwortet werden“, sagte der für den Aufbau Ost zuständige Bundesbauminister Manfred Stolpe (im Bild bei seinem September-Besuch in Nordhausen) der „Welt am Sonntag“. Die Koalition halte an ihrem Wahlversprechen fest, das Lohnniveau im öffentlichen Dienst bis 2007 anzugleichen. Derzeit liege es im Osten bei 90 Prozent des Westniveaus.

Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) beklagte in diesem Zusammenhang, dass die Regierung kein in sich geschlossenes Konzept für den Aufbau Ost habe. Milbradt verband allerdings Hoffnungen mit der Person Stolpes. Er baue darauf, dass unter dem ehemaligen Brandenburger Regierungschef mehr als bisher für die neuen Länder getan werde.

Milbradt wies darauf hin, dass es abgesehen von der Beseitigung der Flutschäden in einzelnen Bereichen des „regulären“ Aufbau Ost noch immer großen Nachholbedarf gebe. Er forderte Sonderregelungen in der Wirtschaftsförderung, bei der Deregulierung des Arbeitsmarktes, beim Planungsrecht und beim weiteren Ausbau der Infrastruktur. Bisher habe es dazu keine große Gesprächsbereitschaft des Bundes gegeben. Unter Stolpes Federführung scheine sich dies jedoch zu ändern.

Stolpe versprach, den Aufbau Ost zusätzlich mit insgesamt 600 neuen Beratern für Existenzgründer anzukurbeln. Geplant sei die Einrichtung von Beratungszentren für junge Unternehmer, um den Zugang zu öffentlichen Geldern von Bund und Ländern zu erleichtern. Die eigens gegründete Mittelstandsbank, ein kürzlich vollzogener Zusammenschluss der Deutschen Ausgleichsbank und der Kreditanstalt für Wiederaufbau, solle ebenfalls zu einem Aufschwung beitragen. Zur Wirksamkeit dieser neuen Bank hatte allerdings der Thüringer Landes- und der hiesige Kreisverband der mittelständischen Wirtschaft (BDMV) erhebliche Bedenken geäußert.

In Sachsen wird der weitere Aufbau nach Ansicht von Milbradt nicht unter den Folgen der Flutkatastrophe leiden. Er sei überzeugt, dass die wesentlichen Schäden dank der großen Solidarität in 12 bis 18 Monaten beseitigt sein werden. „Die eigentliche Phase des Wiederaufbaus beginnt erst im kommenden Jahr“, sagte der sächsische Regierungschef. Und die müsse schließlich das gesamte Gebiet Ostdeutschlands umfassen.
Autor: nnz

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