Echte und unechte Rolandstatuen
Donnerstag, 11. März 2010, 11:36 Uhr
Echte und unechte Rolandfiguren unterscheiden sich nicht dadurch, das die eine ein Original ist und die andere eine Kopie. Den Unterschied zwischen beiden erläuterte ein Rolandforscher aus Bremen bei einem Vortrag des Nordhäuser Geschichtsvereins. Die nnz war mit dabei.
Dr. Karl Feldkirch (Foto: Hellberg)
Die Nordhäuser sind zu recht stolz auf ihren Roland, ist er doch einer der schönsten und attraktivsten in ganz Deutschland. Davon waren die meisten der weit über 50 Gäste des Nordhäuser Geschichts- und Altertumsvereins im Vereinshaus Thomas Mann beim DIA-Vortrag von Dr. Karl Feldkirch aus Bremen überzeugt.
Belegt sind in Deutschland etwa 55 Rolandstatuen, von denen 26 erhalten sind (davon 6 in den alten und 20 in den neuen Bundesländern). Diese nennt man echte Rolande, im Gegensatz zu den unechten, von denen keine urkundlichen Nachrichten oder Zeugnisse vorhanden sind, die bestimmte Rechte und Freiheiten dokumentieren.
Allein 13 der bekannten Statuen befinden sich in Sachsen-Anhalt, was eine deutliche Konzentration im östlichen und westlichen Raum der mittleren Elbe zeigt. Dies entspricht dem östlichen und nördlichen Grenzbereich des Frankenreiches um 800 und deutet die Verbindung zu Karl dem Großen an.
Der Staatsanwalt a. D. und Roland-Experte Dr. Feldkirch hat alle noch existierenden Rolandstatuen in Deutschland aufgesucht, fotografiert und ihre Geschichte erforscht. Darüber hinaus existieren weitere Statuen in Mitteleuropa, Kroatien und Lettland sowie Nachbildungen in Brasilien und den Vereinigten Staaten von Amerika. Viele Rolandstatuen sind aus Sandstein gefertigt, nur wenige aus Massivholz. Zu Beginn seiner überaus interessanten und kurzweiligen Ausführungen ging er auf den Namensgeber Roland ein.
Die Figur des Roland, die durch das Rolandslied bekannt wurde, hatte im Mittelalter den Status eines Volkshelden. Der Ruhm geht zurück auf das Schicksal Hruotlands, der unter Karl dem Großen Graf der bretonischen Mark war. Roland ereilte der Tod beim Blasen des Horns bei einem Rückzugsgefecht gegen die Waskonen (Basken unter Graf Lupus) in den Pyrenäen im Tal von Roncesvalles am 15. August 778.
Dies wird in der Biographie des Beichtvaters Karls des Großen, Einhard, der Vita Caroli Magni in zwei Zeilen kurz referiert. Hieraus entstand das Rolandslied. Roland diente später auch als Gegensymbol zur kirchlichen Herrschaft. Im Mittelalter wurden Rolande als Zeichen bürgerlicher Freiheit in vielen Städten aufgestellt (Rolandstadt). Die Rolandsfigur galt als Sinnbild der Eigenständigkeit einer Stadt mit Marktrecht und eigener Gerichtsbarkeit und damit der Freiheit. Auch andere Errichtungsgründe konnten eine Rolle spielen. So war der Brandenburger Roland auch Ausdruck der wirtschaftlichen Prosperität der Stadt.
Dr. Feldkirch dokumentierte den Anwesenden anhand von vielen Aufnahmen die verschiedenen Rolandstatuen, natürlich beginnend mit der wohl markantesten - der Bremer Rolandfigur, die eine imposante Gesamthöhe von über 10 Meter aufweist.
Bremen hatte Schriften zufolge mit dem Bremer Roland bereits früh einen hölzernen Roland, er verbrannte jedoch 1366. 1404 wurde der Bremer Roland als Symbol für Recht und Freiheit im fränkischen Reich aus hellem Elmkalkstein neu errichtet, der aus dem Elm stammt. Er wurde auf dem Rathausplatz gegenüber dem Bremer Dom aufgestellt. Für die damalige Kirche stellte dies einen Affront dar, verfestigte es doch den Wunsch der Bremer Bürger nach Unabhängigkeit von der Vorherrschaft der Kirche.
Von Bremen aus verbreitete sich das Bild des Rolands als Freiheitssymbol in Europa. Im Juli 2004, 600 Jahre nach seiner Errichtung, wurde der Roland von Bremen zusammen mit dem Bremer Rathaus, aufgrund dieser Bedeutung für die Unabhängigkeit der Stadt, in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen.
Dr. Feldkirch nannte die historischen Zusammenhänge, die besonderen Merkmale der einzelnen Rolandfiguren und wies auch auf einige unechte Rolande hin, die alle aus der jüngeren Zeit stammen und beispielsweise Brunnen und Plätze zieren. Sein Vortrag endete mit dem Nordhäuser Roland. Die erste Nordhäuser Rolandfigur gab es lt. Historiker Dr. Hans Silberborth bereits 1411. Diese erlitt infolge von mehreren Bränden Schäden, so dass sie 1717 durch eine neue Rolandstatue ersetzt wurde, die heute im Neuen Rathaus ihren Platz hat.
Während seines zweistündigen Vortrages beantwortete Dr. Feldkirch die zahlreichen Fragen der Zuhörer.
Autor: rh
Dr. Karl Feldkirch (Foto: Hellberg)
Die Nordhäuser sind zu recht stolz auf ihren Roland, ist er doch einer der schönsten und attraktivsten in ganz Deutschland. Davon waren die meisten der weit über 50 Gäste des Nordhäuser Geschichts- und Altertumsvereins im Vereinshaus Thomas Mann beim DIA-Vortrag von Dr. Karl Feldkirch aus Bremen überzeugt.Belegt sind in Deutschland etwa 55 Rolandstatuen, von denen 26 erhalten sind (davon 6 in den alten und 20 in den neuen Bundesländern). Diese nennt man echte Rolande, im Gegensatz zu den unechten, von denen keine urkundlichen Nachrichten oder Zeugnisse vorhanden sind, die bestimmte Rechte und Freiheiten dokumentieren.
Allein 13 der bekannten Statuen befinden sich in Sachsen-Anhalt, was eine deutliche Konzentration im östlichen und westlichen Raum der mittleren Elbe zeigt. Dies entspricht dem östlichen und nördlichen Grenzbereich des Frankenreiches um 800 und deutet die Verbindung zu Karl dem Großen an.
Der Staatsanwalt a. D. und Roland-Experte Dr. Feldkirch hat alle noch existierenden Rolandstatuen in Deutschland aufgesucht, fotografiert und ihre Geschichte erforscht. Darüber hinaus existieren weitere Statuen in Mitteleuropa, Kroatien und Lettland sowie Nachbildungen in Brasilien und den Vereinigten Staaten von Amerika. Viele Rolandstatuen sind aus Sandstein gefertigt, nur wenige aus Massivholz. Zu Beginn seiner überaus interessanten und kurzweiligen Ausführungen ging er auf den Namensgeber Roland ein.
Die Figur des Roland, die durch das Rolandslied bekannt wurde, hatte im Mittelalter den Status eines Volkshelden. Der Ruhm geht zurück auf das Schicksal Hruotlands, der unter Karl dem Großen Graf der bretonischen Mark war. Roland ereilte der Tod beim Blasen des Horns bei einem Rückzugsgefecht gegen die Waskonen (Basken unter Graf Lupus) in den Pyrenäen im Tal von Roncesvalles am 15. August 778.
Dies wird in der Biographie des Beichtvaters Karls des Großen, Einhard, der Vita Caroli Magni in zwei Zeilen kurz referiert. Hieraus entstand das Rolandslied. Roland diente später auch als Gegensymbol zur kirchlichen Herrschaft. Im Mittelalter wurden Rolande als Zeichen bürgerlicher Freiheit in vielen Städten aufgestellt (Rolandstadt). Die Rolandsfigur galt als Sinnbild der Eigenständigkeit einer Stadt mit Marktrecht und eigener Gerichtsbarkeit und damit der Freiheit. Auch andere Errichtungsgründe konnten eine Rolle spielen. So war der Brandenburger Roland auch Ausdruck der wirtschaftlichen Prosperität der Stadt.
Dr. Feldkirch dokumentierte den Anwesenden anhand von vielen Aufnahmen die verschiedenen Rolandstatuen, natürlich beginnend mit der wohl markantesten - der Bremer Rolandfigur, die eine imposante Gesamthöhe von über 10 Meter aufweist.
Bremen hatte Schriften zufolge mit dem Bremer Roland bereits früh einen hölzernen Roland, er verbrannte jedoch 1366. 1404 wurde der Bremer Roland als Symbol für Recht und Freiheit im fränkischen Reich aus hellem Elmkalkstein neu errichtet, der aus dem Elm stammt. Er wurde auf dem Rathausplatz gegenüber dem Bremer Dom aufgestellt. Für die damalige Kirche stellte dies einen Affront dar, verfestigte es doch den Wunsch der Bremer Bürger nach Unabhängigkeit von der Vorherrschaft der Kirche.
Von Bremen aus verbreitete sich das Bild des Rolands als Freiheitssymbol in Europa. Im Juli 2004, 600 Jahre nach seiner Errichtung, wurde der Roland von Bremen zusammen mit dem Bremer Rathaus, aufgrund dieser Bedeutung für die Unabhängigkeit der Stadt, in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen.
Dr. Feldkirch nannte die historischen Zusammenhänge, die besonderen Merkmale der einzelnen Rolandfiguren und wies auch auf einige unechte Rolande hin, die alle aus der jüngeren Zeit stammen und beispielsweise Brunnen und Plätze zieren. Sein Vortrag endete mit dem Nordhäuser Roland. Die erste Nordhäuser Rolandfigur gab es lt. Historiker Dr. Hans Silberborth bereits 1411. Diese erlitt infolge von mehreren Bränden Schäden, so dass sie 1717 durch eine neue Rolandstatue ersetzt wurde, die heute im Neuen Rathaus ihren Platz hat.
Während seines zweistündigen Vortrages beantwortete Dr. Feldkirch die zahlreichen Fragen der Zuhörer.
