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Flüssigrauch, Vanillin & Co.

Dienstag, 09. März 2010, 12:16 Uhr
Die Zahl aromatisierter Lebensmittel hat stark zugenommen. Aus der industriellen Herstellung von Lebensmitteln sind zugesetzte Aromen kaum noch wegzudenken. Sie bringen einen gleichbleibenden Geschmack. Und so wird sehr vorgetäuscht...


Farbenfrohe Abbildungen von Früchten und Co. auf den Verpackungen versprechen leckeren Genuss. Dabei sind die Produkte oft aromatisiert, also geschmacklich aufgepeppt. Und der „gute Geschmack“ kommt selten ohne „Nachhilfe“ zu Stande. Selbst „geräuchert“ bedeutet nicht immer, dass die Wurst auch im Rauch hing. Sie kann auch durch industriellen Flüssigrauch ihren Geschmack erhalten.

Natürlicherweise gibt es mehrere Tausend verschiedene Aromastoffe in Lebensmitteln. Doch wenn heute „Aroma“ in der Zutatenliste steht, dann verbergen sich dahinter physikalisch, chemisch, gentechnisch oder biotechnisch hergestellte Geschmacksstoffe. Diese können von Bakterien, Schimmelpilzen oder anderen Mikroorganismen produziert werden.

„Wer die Zutatenliste auf der Verpackung beachtet, wird feststellen, dass Aromen auch dort zugesetzt wurden, wo man sie gar nicht vermuten würde“, informiert Petra Müller von der Verbraucherzentrale Thüringen. So beispielsweise in Senf, eingelegten Gurken, grünen Erbsen in Gläsern und Dosen, Margarine, Fruchtgetränken, Tees, Schokoladenerzeugnissen, Fischkonserven und vielem mehr. Ebenso in „Geräuchertem“, dem mitunter lediglich Raucharoma zugesetzt wurde, um den Rauchgeschmack zu erzielen.

Auch in einem Vanillejogurt mit dem Hinweis „Natürliches Aroma“ muss keine echte Vanille sein. Denn natürliche Aromen müssen nicht aus dem namensgebenden Rohstoff gewonnen werden. Sie müssen lediglich aus der Natur stammen, damit könnte auch Baumrinde gemeint sein. Nur die Bezeichnung „natürliches Vanillearoma“ garantiert, dass das Aroma wirklich aus der Schote stammt. Und „Vanillin“, Beispiel „Vanillin- Zucker“, ist kein Synonym für Vanille. Vanillin kann auch die Bezeichnung für synthetisch hergestelltes Vanille-Aroma sein.

Essen soll schmecken – unbestritten. Doch ob und was uns schmeckt wird vor allem auch erlernt und durch Gewohnheiten geprägt. „Viele Kinder, die mit den üblichen, sehr intensiv aromatisierten Fertigprodukten aufwachsen, können mit selbst zubereiteten Speisen wie Erdbeerquark, Naturjogurt mit Früchten oder Früchtetee wenig anfangen und empfinden natürliche Lebensmittel als fade“ meint die Expertin. „Selbst Bio- Fertigprodukten werden teilweise Aromastoffe zugesetzt. Es lohnt sich also, genau hinzuschauen, wenn der gute Geschmack von hochwertigen Rohstoffen herrühren soll.“
Autor: nnz/kn

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