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Juwelen und erotische Grafiken

Montag, 16. Dezember 2002, 16:16 Uhr
Nordhausen (nnz). Passend zur Weihnachtszeit glitzert und funkelt es in den Räumen des Kunsthauses Meyenburg in Nordhausen. Die Ausstellung „Juwelen für Jeden – Modeschmuck und Grafik von 1880 bis 1980“ lädt zum Entdecken der unterschiedlichsten Formen, Farben und Materialien ein - am kommenden Mittwoch bis 22 Uhr. Dazu eine Anmerkung der Kunsthistorikerin Susanne Hinsching.


In 22 Vitrinen wird die Fülle und der Reichtum an Gestaltungsformen der verschiedenen Schmuckstücke sichtbar. Das Spektrum reicht von den ersten fabrikmäßig hergestellten Ketten bis hin zu exquisiten Broschen mit aufwändiger Porzellanmalerei. Besonders der Zeitraum von der Jahrhundertwende bis Ende der 30er Jahre ist geprägt von auffallend schönen und eleganten Schmuckstücken, wie den ungewöhnlichen Tiffanybroschen und den in vielen Farbtönen erstrahlenden Strassteilen. Der Eleganz der frühen Jahrzehnte folgen die mehr auf Auffälligkeit orientierten langen unechten Perlenketten von Coco Chanel. Der Zeitraum von 1950 bis 1980 wird durch eine Vielzahl von Ohrclipsen, Ketten, Anhängern und Broschen verkörpert, die so manchen Besucher an die eigene Jugend erinnern.

Zu den weiteren Raritäten, die erstmals und nur noch begrenzte Zeit in Nordhausen zu sehen sind, gehören die Grafiken des bekannten Dresdener Malers und Grafikers Richard Müller. Der 1874 in Böhmen geborene Künstler ist vor allem für sein grafisches Oeuvre bekannt, schuf 162 Grafiken und war maßgeblich an der Modernisierung der Lehre an der Dresdener Akademie der Künste beteiligt. Müller, zu dessen Vorbildern Max Klinger gehörte, war eine eigenständige Künstlerpersönlichkeit, die sowohl Anleihen am Symbolismus und Jugendstil als auch am Realismus hatte, jedoch keiner Stilrichtung direkt zuzuordnen ist.

Besonders bekannt sind seine erotischen Darstellungen, von denen u. a. die Blätter „Rivalen“ und „Neckerei“ im Kunsthaus zu sehen sind. Seine Werke sind durch eine hyperrealistische Darstellungsweise gekennzeichnet, bei das Motiv derartig erfasst wird, das es die Augen täuscht, wie z. B. in der Grafik „Albtraum“, das an Kafka erinnert. Aufgrund seiner bis heute teilweise ungeklärten Rolle im Dritten Reich ist Richard Müller ein wenig in Vergessenheit geraten. Trotzdem gibt es viele private Sammler, die Werke von Müller besitzen und die besonders sein außergewöhnliches technisches Können schätzen.

Die Grafiken des Künstlers und die Modeschmuck-Ausstellung sind noch bis zum 2. Januar 2003 im Kunsthaus zu sehen. Neben den üblichen Öffnungszeiten – dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr - ist das Kunsthaus Meyenburg am Mittwoch, dem 18. Dezember, bis 22 Uhr geöffnet. Am 24., 25. und 31. Dezember sowie am 1. Januar sind alle Nordhäuser Museen geschlossen.
Autor: nnz

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