Schicksalsjahr 2000 - FSV Wacker 90 Nordhausen im Rückblick
Freitag, 29. Dezember 2000, 19:46 Uhr
Nordhausen (nnz). Das sich dem Ende neigende Jahr 2000 stand für Wacker 90 Nordhausen unter keinem guten Stern. Der Traditionsverein stürzte in die schwerste Krise seiner fast 100jährigen Geschichte. Mißmanagement, totale Überschuldung, Zahlungsunfähigkeit und das scharenweise Abwandern von Spielern, ja ganzer Mannschaften, trieben Wacker fast in Ruin. Glücklicherweise konnte das Schlimmste abgewendet werden, dank eines engagiert arbeitenden neuen Präsidiums und des Insolvenzverwalters Olaf Kupke aus Erfurt. Der Verein ist seit Anfang Dezember schuldenfrei und bleibt weiter bestehen. Das Präsidium übernahm die Geschäfte mit allen Rechten und Pflichten und kann wieder über die Vereinskonten verfügen. Das Bemühen um den Erhalt des Vereins war von Erfolg gekrönt. Dafür läuft sportlich derzeit überhaupt nichts mehr. Seit elf Spieltagen ist das Team von Trainer Dirk Fuhrmann ohne Punktgewinn, 60 Gegentore sprechen eine eindeutige Sprache über die Schwächen in der Mannschaft. Wenn die Klasse gehalten werden soll, was derzeit fast unmöglich scheint, muß sich das Team verstärken. nnz-Mitarbeiter Rainer Hellberg führte mit Landrat Joachim Claus in seiner Funktion als Vizepräsident nachstehendes Gespräch.
nnz: Herr Claus, seit Anfang Dezember 2000 ist Wacker schuldenfrei. Wie geht es nun weiter im Verein?
Joachim Claus: Mit dem positiven Ausgang des Insolvenzverfahrens ist das erste Ziel erreicht, was sich das Präsidium gesetzt hat. Der Vorstand hat seit Anfang Dezember 2000 die Geschäfte mit allen Rechten und Pflichten übernommen und kann auch wieder über die Vereinskonten verfügen. Eine Bedingung dieser Insolvenz war, daß wir für die nächsten drei Monate die Finanzen sichern und nachweisen können. Das haben wir getan, jetzt heißt es, die gesamte Saison abzusichern, wobei ich davon ausgehe, daß uns dies gelingen wird.
nnz: Welche Zielstellung hat sich das Präsidium im wirtschaftlichen Bereich noch für das Jahr 2001 vorgenommen?
Joachim Claus: Wie ich schon sagte, hat die Absicherung der Saison Priorität. Parallel dazu ist langfristig mit einem bescheidenen Wirtschaftsplanens dauerhaft zu einem Spielbetrieb zu kommen, der dem Präsidium die Zeit gibt, sich mit den anderen wichtigen Dingen zu beschäftigen. Das heißt, wir wollen gemeinsam mit unseren Partnern der Wirtschaftsprüfung versuchen, daß die Finanzen sicher für die nächsten Jahre gestaltet werden können.
nnz: Wie soll sich der sportliche Bereich in diesem Zeitraum entwickeln?
Joachim Claus: Die Klärung der Schuldenfrage des Vereins war die wichtigste Voraussetzung für den Fortbestand des Vereins. Was den sportlichen Bereich anbelangt, macht dieser uns derzeit viel Sorgen. Man spürt, daß das zu starke Konzentrieren auf die erste Mannschaft in den letzten Jahren und das Vernachlässigen des Nachwuchsbereiches jetzt dazu führte, daß wir nur noch einen sehr kleinen Kader haben. Reihenweise haben uns zu Beginn und während der Saison Spieler aus Unzufriedenheit verlassen. Das betraf sowohl das Oberligateam als auch die zweite Mannschaft und das A-Juniorenteam. Es ist daher erforderlich, daß sich sehr schnell wieder eine Mannschaft finden muß, die in der Lage ist, die Klasse zu halten - ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Parallel dazu gilt es, die Nachwuchsarbeit zu forcieren.
nnz: Welche Auswirkungen hat der erfolgreiche Abschluß des Insolvenzverfahrens auf die Sponsorentätigkeit?
Joachim Claus: Die Grundvoraussetzung, damit man wieder auf die Unternehmen der Region zugehen kann, war die Entschuldung des Vereins, denn es herrschte die Meinung vor: "Wir wollen nicht für die alten Schulden bezahlen, wir möchten die Zukunft unterstützen". So gesehen ist der Abschluß des Insolvenzverfahrens der Startschuß für die zukünftige Arbeit mit den Sponsoren. Wenn alle die, die in der schwierigen Zeit zu uns gestanden haben, weiter zu uns stehen und ihre Unternehmerkollegen animieren mitzumachen, habe ich um die Sponsorentätikeit für den Verein keine Angst. Erste positive Ergebnisse sind schon zu verzeichnen.
nnz: Wie steht es mit der Unterstützung durch den Landkreis und die Stadt Nordhausen?
Joachim Claus: Das ist immer wieder eine schwierige Frage, da es sowohl in der Stadt als auch im Landkreis nicht nur diesen Verein gibt. Ich denke mir, die Stadt kann Wacker weiterhin unterstützen, indem sie ihrer Eigentümerfunktion, bezogen auf den Sportpark, gerecht wird. Der Landkreis unterstützt den Verein nicht nur durch meine Person, sondern auch durch meine Mitarbeiter. Ganz konkret hat der Landkreis in der Gläubigerversammlung auf seine Forderungen verzichtet, beziehungsweise der Quote angeschlossen. Dieses Vorgehen haben auch eindeutig alle drei Fraktionen im Kreistag unterstützt.
nnz: Das Oberligateam steht fast aussichtslos auf dem letzten Tabellenplatz. Wenn die Klasse gehalten werden soll, ist eine Verstärkung der Mannschaft unumgänglich. Wie sieht es damit aus?
Joachim Claus: Mit Sicherheit steht im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten das Thema Verstärkung der Mannschaft auf der Tagesordnung. Aber ich möchte - und dafür bitte ich um Verständnis - nicht den Entscheidungen vorgreifen, die wir auf den nächsten Präsidiumssitzungen treffen werden. Aber es wird sicherlich zu personellen Veränderungen, auch in der Mannschaft, kommen.
nnz: Welche Aktivitäten gibt es, um den Nachwuchsbereich wieder richtig in Gang zu bringen?
Joachim Claus: Der Nachwuchsbereich ist ein Schwerpunkt, dem wir uns vordringlich widmen müssen. Ich möchte mit den Schulen und den im Jugendbereich Tätigen zusammenarbeiten. Ich könnte mir vorstellen, daß das Präsidium gezielt mit dem Kinderschutzbund Aktivitäten starten wird.
nnz: Das Jahr geht zu Ende. Was wünschen Sie sich in Bezug auf Wacker für das kommende Jahr?
Joachim Claus: Ich wünsche mir, daß wir die Klasse halten und daß diese Mannschaft zu alter Stärke zurückfinden wird. Das alles soll aber bezahlbar bleiben. Dazu brauchen wir die Unterstützung aller.
nnz: Wir danken für dieses Gespräch.
Autor: rhnnz: Herr Claus, seit Anfang Dezember 2000 ist Wacker schuldenfrei. Wie geht es nun weiter im Verein?
Joachim Claus: Mit dem positiven Ausgang des Insolvenzverfahrens ist das erste Ziel erreicht, was sich das Präsidium gesetzt hat. Der Vorstand hat seit Anfang Dezember 2000 die Geschäfte mit allen Rechten und Pflichten übernommen und kann auch wieder über die Vereinskonten verfügen. Eine Bedingung dieser Insolvenz war, daß wir für die nächsten drei Monate die Finanzen sichern und nachweisen können. Das haben wir getan, jetzt heißt es, die gesamte Saison abzusichern, wobei ich davon ausgehe, daß uns dies gelingen wird.
nnz: Welche Zielstellung hat sich das Präsidium im wirtschaftlichen Bereich noch für das Jahr 2001 vorgenommen?
Joachim Claus: Wie ich schon sagte, hat die Absicherung der Saison Priorität. Parallel dazu ist langfristig mit einem bescheidenen Wirtschaftsplanens dauerhaft zu einem Spielbetrieb zu kommen, der dem Präsidium die Zeit gibt, sich mit den anderen wichtigen Dingen zu beschäftigen. Das heißt, wir wollen gemeinsam mit unseren Partnern der Wirtschaftsprüfung versuchen, daß die Finanzen sicher für die nächsten Jahre gestaltet werden können.
nnz: Wie soll sich der sportliche Bereich in diesem Zeitraum entwickeln?
Joachim Claus: Die Klärung der Schuldenfrage des Vereins war die wichtigste Voraussetzung für den Fortbestand des Vereins. Was den sportlichen Bereich anbelangt, macht dieser uns derzeit viel Sorgen. Man spürt, daß das zu starke Konzentrieren auf die erste Mannschaft in den letzten Jahren und das Vernachlässigen des Nachwuchsbereiches jetzt dazu führte, daß wir nur noch einen sehr kleinen Kader haben. Reihenweise haben uns zu Beginn und während der Saison Spieler aus Unzufriedenheit verlassen. Das betraf sowohl das Oberligateam als auch die zweite Mannschaft und das A-Juniorenteam. Es ist daher erforderlich, daß sich sehr schnell wieder eine Mannschaft finden muß, die in der Lage ist, die Klasse zu halten - ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Parallel dazu gilt es, die Nachwuchsarbeit zu forcieren.
nnz: Welche Auswirkungen hat der erfolgreiche Abschluß des Insolvenzverfahrens auf die Sponsorentätigkeit?
Joachim Claus: Die Grundvoraussetzung, damit man wieder auf die Unternehmen der Region zugehen kann, war die Entschuldung des Vereins, denn es herrschte die Meinung vor: "Wir wollen nicht für die alten Schulden bezahlen, wir möchten die Zukunft unterstützen". So gesehen ist der Abschluß des Insolvenzverfahrens der Startschuß für die zukünftige Arbeit mit den Sponsoren. Wenn alle die, die in der schwierigen Zeit zu uns gestanden haben, weiter zu uns stehen und ihre Unternehmerkollegen animieren mitzumachen, habe ich um die Sponsorentätikeit für den Verein keine Angst. Erste positive Ergebnisse sind schon zu verzeichnen.
nnz: Wie steht es mit der Unterstützung durch den Landkreis und die Stadt Nordhausen?
Joachim Claus: Das ist immer wieder eine schwierige Frage, da es sowohl in der Stadt als auch im Landkreis nicht nur diesen Verein gibt. Ich denke mir, die Stadt kann Wacker weiterhin unterstützen, indem sie ihrer Eigentümerfunktion, bezogen auf den Sportpark, gerecht wird. Der Landkreis unterstützt den Verein nicht nur durch meine Person, sondern auch durch meine Mitarbeiter. Ganz konkret hat der Landkreis in der Gläubigerversammlung auf seine Forderungen verzichtet, beziehungsweise der Quote angeschlossen. Dieses Vorgehen haben auch eindeutig alle drei Fraktionen im Kreistag unterstützt.
nnz: Das Oberligateam steht fast aussichtslos auf dem letzten Tabellenplatz. Wenn die Klasse gehalten werden soll, ist eine Verstärkung der Mannschaft unumgänglich. Wie sieht es damit aus?
Joachim Claus: Mit Sicherheit steht im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten das Thema Verstärkung der Mannschaft auf der Tagesordnung. Aber ich möchte - und dafür bitte ich um Verständnis - nicht den Entscheidungen vorgreifen, die wir auf den nächsten Präsidiumssitzungen treffen werden. Aber es wird sicherlich zu personellen Veränderungen, auch in der Mannschaft, kommen.
nnz: Welche Aktivitäten gibt es, um den Nachwuchsbereich wieder richtig in Gang zu bringen?
Joachim Claus: Der Nachwuchsbereich ist ein Schwerpunkt, dem wir uns vordringlich widmen müssen. Ich möchte mit den Schulen und den im Jugendbereich Tätigen zusammenarbeiten. Ich könnte mir vorstellen, daß das Präsidium gezielt mit dem Kinderschutzbund Aktivitäten starten wird.
nnz: Das Jahr geht zu Ende. Was wünschen Sie sich in Bezug auf Wacker für das kommende Jahr?
Joachim Claus: Ich wünsche mir, daß wir die Klasse halten und daß diese Mannschaft zu alter Stärke zurückfinden wird. Das alles soll aber bezahlbar bleiben. Dazu brauchen wir die Unterstützung aller.
nnz: Wir danken für dieses Gespräch.
