Der Traum vom großen Geld
Freitag, 29. November 2002, 07:01 Uhr
Nordhausen (nnz). Die KfW Kreditanstalt für Wiederaufbau hat mit der Bundesregierung das neue Programm Kapital für Arbeit vereinbart, teilte jüngst die IHK Erfurt über ihr Regionales Service-Center in Heilbad Heiligenstadt mit. nnz hat sich nach den näheren Umständen erkundigt und berichtet.
nnz könnte weiter aus dem Text der Pressemitteilung der IHK zitieren, es geht aber auch kürzer: Wer einen Arbeitslosen einstellt, kann einen Kredit über 100 000 Euro bekommen. Auf diese kurze Formel lässt sich dieses neue Förderprogramm der KfW Kapital für Arbeit bringen. Eine Verheißung, die fast sensationell klingt und natürlich gut ankommt. Täglich kommen rund 500 Anrufe, um sich zu erkundigen, sagte KfW-Sprecherin Christine Volk schon Tage nach der Bekanntgabe gegenüber WELT am SONNTAG (3.11.02.). Nun lassen Anfragen nur auf das Interesse der Unternehmer schließen, nicht aber auf Erfahrungen.
nnz fand für solche einen Gesprächspartner beim gestern im BIC stattgefundenen Innovationsmarkt (siehe nnz von gestern). Dort nämlich erhielt u.a. die Nordthüringer Volksbank e.G. den Titel Hervorragender Ausbildungsbetrieb. Vorstandsmitglied Peter Herbst nahm die Ehrung in Empfang (Bild) und war anschließend zu einem Gespräch über jenes Programm Kapital für Arbeit bereit.
Der Experte äußerte sich grundsätzlich skeptisch zu der Frage, ob das Programm seinen angestrebten Zweck erfüllen könne. So problemlos, wie die Offerte vermuten lässt, ist das alles nicht, meint Herbst. Tatsächlich nämlich besteht der zinsgünstige Kredit aus zwei Tranchen. Einem klassischen Darlehen von der Hausbank, das banküblich besichert werden muss. Und einem eigenkapitalnahen Nachrangdarlehen der KfW, für das keine Sicherheit gestellt werden muss. Dafür stuft die KfW die Kreditnehmer in vier Bonitätsstufen ein: Je größer die Ausfallwahrscheinlichkeit des Kredits, desto höher der Zinssatz: Gute Schuldner zahlen 5,84 Prozent effektiv, schlechte 8,92 Prozent. Auch für die erste Tranche, den Kredit von der Hausbank, variiert der Zinssatz. Je nach Bonität schwankt er zwischen 5,16 bis 5,68 Prozent effektiv, eine Größenordnung also, die den bisherigen Mittelstandsprogramm der KfW entspricht, erklärt Vorstandsmitglied Peter Herbst.
Nun sind es in jedem Falle die Hausbanken, die den Kredit durchleiten und ihre Kreditnehmer für die Nachrangtranche nach ihren aktuellen wirtschaftlichen Verhältnissen und Zukunftsaussichten in den vier Bonitätsklassen der KfW einordnen müssen, erläutert Herbst weiter. Damit fällt diesen die höchst undankbare Aufgabe zu, über das schon viel diskutierte Rating die Voraussetzungen des Antragstellers für einen solchen Kredit zu prüfen. Und über diese Hürde kommt nur, wer bisher schon für einen normalen Kredit die Bedingungen erfüllte. Wer demgegenüber bisher schon keine Chance hatte, wird sie auch jetzt nicht bekommen.
Die Frage, wie dann etwa Existenzgründer und junge Unternehmer zu Sicherheiten als Vorbedingungen kommen sollen, um nicht durch das Rating-Raster zu fallen, kann Peter Herbst nicht beantworten. Und er hebt lediglich die Schulter bei der abschließenden Frage, ob das ganze Programm zu einem Flop werden könne. Seine Freude über die zuvor für sein Institut erhaltene Auszeichnung könnte durch das Gespräch einen ungewollten Dämpfer erhalten haben.
Autor: nnz
nnz könnte weiter aus dem Text der Pressemitteilung der IHK zitieren, es geht aber auch kürzer: Wer einen Arbeitslosen einstellt, kann einen Kredit über 100 000 Euro bekommen. Auf diese kurze Formel lässt sich dieses neue Förderprogramm der KfW Kapital für Arbeit bringen. Eine Verheißung, die fast sensationell klingt und natürlich gut ankommt. Täglich kommen rund 500 Anrufe, um sich zu erkundigen, sagte KfW-Sprecherin Christine Volk schon Tage nach der Bekanntgabe gegenüber WELT am SONNTAG (3.11.02.). Nun lassen Anfragen nur auf das Interesse der Unternehmer schließen, nicht aber auf Erfahrungen. nnz fand für solche einen Gesprächspartner beim gestern im BIC stattgefundenen Innovationsmarkt (siehe nnz von gestern). Dort nämlich erhielt u.a. die Nordthüringer Volksbank e.G. den Titel Hervorragender Ausbildungsbetrieb. Vorstandsmitglied Peter Herbst nahm die Ehrung in Empfang (Bild) und war anschließend zu einem Gespräch über jenes Programm Kapital für Arbeit bereit.
Der Experte äußerte sich grundsätzlich skeptisch zu der Frage, ob das Programm seinen angestrebten Zweck erfüllen könne. So problemlos, wie die Offerte vermuten lässt, ist das alles nicht, meint Herbst. Tatsächlich nämlich besteht der zinsgünstige Kredit aus zwei Tranchen. Einem klassischen Darlehen von der Hausbank, das banküblich besichert werden muss. Und einem eigenkapitalnahen Nachrangdarlehen der KfW, für das keine Sicherheit gestellt werden muss. Dafür stuft die KfW die Kreditnehmer in vier Bonitätsstufen ein: Je größer die Ausfallwahrscheinlichkeit des Kredits, desto höher der Zinssatz: Gute Schuldner zahlen 5,84 Prozent effektiv, schlechte 8,92 Prozent. Auch für die erste Tranche, den Kredit von der Hausbank, variiert der Zinssatz. Je nach Bonität schwankt er zwischen 5,16 bis 5,68 Prozent effektiv, eine Größenordnung also, die den bisherigen Mittelstandsprogramm der KfW entspricht, erklärt Vorstandsmitglied Peter Herbst.
Nun sind es in jedem Falle die Hausbanken, die den Kredit durchleiten und ihre Kreditnehmer für die Nachrangtranche nach ihren aktuellen wirtschaftlichen Verhältnissen und Zukunftsaussichten in den vier Bonitätsklassen der KfW einordnen müssen, erläutert Herbst weiter. Damit fällt diesen die höchst undankbare Aufgabe zu, über das schon viel diskutierte Rating die Voraussetzungen des Antragstellers für einen solchen Kredit zu prüfen. Und über diese Hürde kommt nur, wer bisher schon für einen normalen Kredit die Bedingungen erfüllte. Wer demgegenüber bisher schon keine Chance hatte, wird sie auch jetzt nicht bekommen.
Die Frage, wie dann etwa Existenzgründer und junge Unternehmer zu Sicherheiten als Vorbedingungen kommen sollen, um nicht durch das Rating-Raster zu fallen, kann Peter Herbst nicht beantworten. Und er hebt lediglich die Schulter bei der abschließenden Frage, ob das ganze Programm zu einem Flop werden könne. Seine Freude über die zuvor für sein Institut erhaltene Auszeichnung könnte durch das Gespräch einen ungewollten Dämpfer erhalten haben.
