Post von Luisa (22)
Samstag, 16. Januar 2010, 08:23 Uhr
Luisa Schäfer, eine junge Frau aus Niedersachswerfen, schreibt in der nnz ein ungewöhnliches Tagebuch über ihre Erlebnisse am anderen Ende der Welt. Heute ist es alles Glück dieser Erde auf dem Rücken der Pferde , über die Luisa exklusiv in der nnz berichtet.
Am letzten Wochenende konnten wir einmal einen Einblick in die hiesige Kultur auf die andere Art und Weise machen. Wir wollten zu einem Gauchofestival. Darunter konnte ich mir jedoch nicht wirklich viel vorstellen. Aber das was uns da erwartet hat, hätte ich mir auch auf keinen Fall vorstellen können.
Gauchos sind so eine Art Cowboys. Früher zogen sie nomadenmäßig durch die weitflächige Pampa und lebten ziemlich unabhängig und frei. Denn ihre Unterkünfte waren durch das Vorhandensein riesiger Rinder- und Pferdeherden mehr als gesichert. Heute leben viele aber auch von der Landschaft und nur die wenigsten ziehen noch ohne Grundbesitz durch die Gegend. Dank Literatur und vieler Filme entstand ein ziemliches romantisches Bild des Gauchos als Volksheld.
Ein bisschen kann man dieses schon verstehen, wenn man, wie bei diesem Festival, die vielen in ihren speziellen Trachten versammelten Menschen sieht. Die Männer und Jungen tragen dabei sehr weite Hosen, spezielle Hemden und Tücher und natürlich Reiterstiefel. Die Frauen und Mädchen hingegen entweder Kleider oder Röcke und geflochtene Zöpfe. Die Rollenverteilung ist da klar geregelt.
Doch da ich schon einige Gauchos bei diversen Veranstaltungen in der Stadt gesehen habe, überraschte mich der Anblick, obwohl dennoch sehr eindrucksvoll, nicht wirklich. Das gebotene Programm raubte mir allerdings wortwörtlich den Atem. Zunächst war es noch sehr niedlich. In der ersten Kategorie wurden die kleinen Jungen im Alter von 4 bis 8 Jahren auf die Weide gerufen. Auf dieselbe wurden dann auch mehrere kleine Kälbchen gelassen. Diese galt es mit einem Lasso einzufangen und zwar so, dass die Hufen zusammengebunden werden. Das hatte ich zwar sicher schon einmal im Fernsehen gesehen, live ist es dann aber doch etwas anderes.
Allerdings war es eher niedlich wie die Kleinen da ihr Bestes versucht haben. Nach dieser Runde kamen die größeren Jungs dran. Sie mussten dann allerdings schon mit den größeren Tieren, den Fersen, herumschlagen. Bis zu diesem Punkt fand ich es ziemlich unfair, dass die Mädchen das nicht machen durften, sondern ihnen lediglich in ihren Kleidern das Hübschaussehen auferlegt wurden war. Aber ab da an hörte der Spaß dann auf. Vielleicht sind die Frauen einfach nur klug sich aus diesen Sachen herauszuhalten.
Denn nun wurden von den imposanten Reitern Pferde herbeigebracht und an Pfosten gebunden. Die Tiere sahen eigentlich ganz harmlos aus, aber ab dem Zeitpunkt an dem sie festgebunden wurden, war mit ihnen nicht mehr zu spaßen. Dann erfuhren wir auch von unserem argentinischen Freund warum. Es waren Wildpferde, nicht eingeritten und nicht an Zaumzeug oder sonstige Behinderungen gewöhnt.
Diese Eigenschaft wollte man ihnen anscheinend in möglichst kurzer Zeit abtrainieren, so wie es aussah. Denn nun kamen die Männer ins Spiel. Obwohl der Begriff Männer da vielleicht schon ein bisschen übertrieben war.
Denn es fangen schon Jungs mit 13 oder 14 Jahren mit dem Rodeo an, wahrscheinlich um ihre Männlichkeit nun wirklich bestätigt zu wissen. Der erste Kandidat bestieg also nachdem sich das Pferd ein wenig beruhigt hatte auf und auf ein Zeichen hin wurde das Tier losgelassen. Dem gefiel es nun überhaupt nicht, dass auf ihm jemand saß und diesen Zustand wollte es auch schnellstmöglich ändern. Es wehrte sich also bis aufs Äußerste, schlug aus, bäumte sich auf und galoppierte über das Feld. Der Reiter wiederum versuchte sich krampfhaft die nötigen 10 Sekunden auf dem Rücken des Gauls zu halten, was auch den meisten irgendwie gelang. Einige warf es aber trotz krampfhaften Festhalten und Peitsche knallen lassen vom provisorischen Sattel.
Den ersten Preis, der sowohl für das Aushalten der Zeit wie auch für die Wildheit des Pferdes vergeben wird, konnten sie nun nicht mehr holen. Aber es gab ja noch eine zweite Chance. In der nächsten Runde konnte man sein Glück noch mal versuchen. Diesmal jedoch ohne besondere Festhaltmöglichkeit. Es wurde lediglich eine Leine um das Tier gelegt und los ging es.
Ich war nun schon ein wenig an den Anblick gewohnt, geschockt und aufgeregt war ich allerdings bis zum letzten Teilnehmer. Wie kann man denn so was machen? Einmal ungünstig heruntergefallen und man hat die Hufe im Gesicht. Ich hatte jedenfalls Angst, so dass ich schon nur beim Herannahen eines Wildpferdes meinen Platz verließ und mich in Sicherheit brachte. Die andern lachten mich zwar dafür aus, aber die Zäune waren nun wirklich nicht so stabil und man weiß ja nie…
Es ging aber alles gut und jeder Reiter wurde mit einem lauten Applaus für die Vorstellung belohnt. Ich weiß gar nicht wer gewonnen hat, aber ich finde das ist auch egal. Mich haben sie alle beeindruckt. Man braucht wirklich Mut um sich auf so was zu setzen. Ich für meinen Teil finde das zwar auch sehr aufregend und beeindruckend, bleibe da aber lieber bei den Rodeoattraktionen in Freizeitparks. Aber ich müsste ja auch gar nicht, ich bin ja ein Mädchen. Manchmal sind Rollenklischees vielleicht doch gar nicht so unangebracht… ;-)
Viele Grüße, Luisa
Autor: nnzAm letzten Wochenende konnten wir einmal einen Einblick in die hiesige Kultur auf die andere Art und Weise machen. Wir wollten zu einem Gauchofestival. Darunter konnte ich mir jedoch nicht wirklich viel vorstellen. Aber das was uns da erwartet hat, hätte ich mir auch auf keinen Fall vorstellen können.
Gauchos sind so eine Art Cowboys. Früher zogen sie nomadenmäßig durch die weitflächige Pampa und lebten ziemlich unabhängig und frei. Denn ihre Unterkünfte waren durch das Vorhandensein riesiger Rinder- und Pferdeherden mehr als gesichert. Heute leben viele aber auch von der Landschaft und nur die wenigsten ziehen noch ohne Grundbesitz durch die Gegend. Dank Literatur und vieler Filme entstand ein ziemliches romantisches Bild des Gauchos als Volksheld.
Ein bisschen kann man dieses schon verstehen, wenn man, wie bei diesem Festival, die vielen in ihren speziellen Trachten versammelten Menschen sieht. Die Männer und Jungen tragen dabei sehr weite Hosen, spezielle Hemden und Tücher und natürlich Reiterstiefel. Die Frauen und Mädchen hingegen entweder Kleider oder Röcke und geflochtene Zöpfe. Die Rollenverteilung ist da klar geregelt.
Doch da ich schon einige Gauchos bei diversen Veranstaltungen in der Stadt gesehen habe, überraschte mich der Anblick, obwohl dennoch sehr eindrucksvoll, nicht wirklich. Das gebotene Programm raubte mir allerdings wortwörtlich den Atem. Zunächst war es noch sehr niedlich. In der ersten Kategorie wurden die kleinen Jungen im Alter von 4 bis 8 Jahren auf die Weide gerufen. Auf dieselbe wurden dann auch mehrere kleine Kälbchen gelassen. Diese galt es mit einem Lasso einzufangen und zwar so, dass die Hufen zusammengebunden werden. Das hatte ich zwar sicher schon einmal im Fernsehen gesehen, live ist es dann aber doch etwas anderes.
Allerdings war es eher niedlich wie die Kleinen da ihr Bestes versucht haben. Nach dieser Runde kamen die größeren Jungs dran. Sie mussten dann allerdings schon mit den größeren Tieren, den Fersen, herumschlagen. Bis zu diesem Punkt fand ich es ziemlich unfair, dass die Mädchen das nicht machen durften, sondern ihnen lediglich in ihren Kleidern das Hübschaussehen auferlegt wurden war. Aber ab da an hörte der Spaß dann auf. Vielleicht sind die Frauen einfach nur klug sich aus diesen Sachen herauszuhalten.
Denn nun wurden von den imposanten Reitern Pferde herbeigebracht und an Pfosten gebunden. Die Tiere sahen eigentlich ganz harmlos aus, aber ab dem Zeitpunkt an dem sie festgebunden wurden, war mit ihnen nicht mehr zu spaßen. Dann erfuhren wir auch von unserem argentinischen Freund warum. Es waren Wildpferde, nicht eingeritten und nicht an Zaumzeug oder sonstige Behinderungen gewöhnt.
Diese Eigenschaft wollte man ihnen anscheinend in möglichst kurzer Zeit abtrainieren, so wie es aussah. Denn nun kamen die Männer ins Spiel. Obwohl der Begriff Männer da vielleicht schon ein bisschen übertrieben war.
Denn es fangen schon Jungs mit 13 oder 14 Jahren mit dem Rodeo an, wahrscheinlich um ihre Männlichkeit nun wirklich bestätigt zu wissen. Der erste Kandidat bestieg also nachdem sich das Pferd ein wenig beruhigt hatte auf und auf ein Zeichen hin wurde das Tier losgelassen. Dem gefiel es nun überhaupt nicht, dass auf ihm jemand saß und diesen Zustand wollte es auch schnellstmöglich ändern. Es wehrte sich also bis aufs Äußerste, schlug aus, bäumte sich auf und galoppierte über das Feld. Der Reiter wiederum versuchte sich krampfhaft die nötigen 10 Sekunden auf dem Rücken des Gauls zu halten, was auch den meisten irgendwie gelang. Einige warf es aber trotz krampfhaften Festhalten und Peitsche knallen lassen vom provisorischen Sattel.
Den ersten Preis, der sowohl für das Aushalten der Zeit wie auch für die Wildheit des Pferdes vergeben wird, konnten sie nun nicht mehr holen. Aber es gab ja noch eine zweite Chance. In der nächsten Runde konnte man sein Glück noch mal versuchen. Diesmal jedoch ohne besondere Festhaltmöglichkeit. Es wurde lediglich eine Leine um das Tier gelegt und los ging es.
Ich war nun schon ein wenig an den Anblick gewohnt, geschockt und aufgeregt war ich allerdings bis zum letzten Teilnehmer. Wie kann man denn so was machen? Einmal ungünstig heruntergefallen und man hat die Hufe im Gesicht. Ich hatte jedenfalls Angst, so dass ich schon nur beim Herannahen eines Wildpferdes meinen Platz verließ und mich in Sicherheit brachte. Die andern lachten mich zwar dafür aus, aber die Zäune waren nun wirklich nicht so stabil und man weiß ja nie…
Es ging aber alles gut und jeder Reiter wurde mit einem lauten Applaus für die Vorstellung belohnt. Ich weiß gar nicht wer gewonnen hat, aber ich finde das ist auch egal. Mich haben sie alle beeindruckt. Man braucht wirklich Mut um sich auf so was zu setzen. Ich für meinen Teil finde das zwar auch sehr aufregend und beeindruckend, bleibe da aber lieber bei den Rodeoattraktionen in Freizeitparks. Aber ich müsste ja auch gar nicht, ich bin ja ein Mädchen. Manchmal sind Rollenklischees vielleicht doch gar nicht so unangebracht… ;-)
Viele Grüße, Luisa
