Post von Luisa (21)
Mittwoch, 06. Januar 2010, 19:20 Uhr
Luisa Schäfer, eine junge Frau aus Niedersachswerfen, schreibt in der nnz ein ungewöhnliches Tagebuch über ihre Erlebnisse am anderen Ende der Welt. Heute sind Kultur, Küsse und das Klima einige der Themen, über die Luisa exklusiv in der nnz berichtet.
Lange Ferien, tolles Wetter und nicht viel los auf Arbeit, genau der richtige Zeitpunkt um in den Urlaub zu fahren. Was wir dann auch gemacht haben. Allerdings hatte unser nicht viel mit Sonne, Strand und Baden gehen zu tun. Wir wollten auch mal andere Teile Argentiniens kennenlernen und planten daher eine Städtetour.
Zunächst ging es nach Cordoba, der zweitgrößten Stadt des Landes. Nach mehr oder weniger ausreichenden Schlaf im Bus kamen wir morgens in der ziemlich modernen Studentenstadt an. Vor uns lagen nun zwei Tage zum Entdecken der Gegend, denn viel länger konnten wir leider nicht bleiben. Diese nutzen wir aber sehr intensiv mit Zoobesuch, Einkaufen und natürlich auch dem Erkunden des Nachtlebens. Weiterhin besuchten wir auch Alta Gracia, ein kleines, nicht sehr weit entferntes Städtchen.
Dort war dann eher Kultur angesagt. So besichtigten wir zunächst das Che- Museum. In diesem Gebäude lebte Ernesto Guevara viele Jahre mit seiner Familie, so dass man durchaus private Einblicke in sein Leben bekommen kann. Des Weiteren besuchten wir auch eine der vielen Estancias in der Gegend. Dies waren früher größere Farmen, welche Anhänger des Jesuitenordens aufgebaut und von dort ihren Glauben weiterverbreitet haben.
Das jedoch auf teilweise sehr rabiate Art und Weise wie man weiß. Um auch nicht allzu viele Entbehrung in der Fremde auf sich nehmen zu müssen, beschäftigten sie für die harte Feldarbeit Sklaven, größtenteils aus Afrika importiert. So wie deren Unterkünfte aussahen machte sich allerdings niemand über deren Bedürfnisse Gedanken, aber auch das ist ja bekannt.
Nach diesem geschichtsträchtigen Ausflug ging es wieder in den Bus. Nachdem wir uns nun so ein bisschen an große Städte gewöhnt hatten, sollte es nun zu der Metropole schlechthin gehen, nach Buenos Aires. Nach einer wieder eher ungemütlichen Nacht, diesmal hatte jemand während der Fahrt ein Busfenster eingeworfen, kamen wir dann auch schon an. Und gleich ging es los mit Sightseeing, denn wir hatten ja einiges vor uns. Zunächst besuchten wir das Naturkundemuseum, das heißt, ich besuchte es zunächst allein, denn meine beiden Mitfreiwilligen waren eher an der Kunstausstellung interessiert.
Die war dann aber anscheinend auch nicht so spannend, denn wir trafen uns dann doch zwischen Tornadosimulator und Schwingpendeln wieder. Dann
erstatteten wir der wohl berühmtesten Frau Argentiniens, Evita, noch persönlich einen Besuch ab. Oder besser gesagt ihren Überresten, welche auf dem Friedhof Recoleta bestattet sind. Dort ist sie in guter Gesellschaft, denn alles was Rang und Namen hatte, ließ sich dort begraben. Obwohl man das nicht begraben nennen kann, sie ließen sich dort eher ein nicht gerade bescheidenes Mausoleum bauen, denn man sollte doch auch nach dem Tod noch sehen, wer die meiste Macht und das meiste Geld hatte.
Aber so schlecht war die Idee nicht, denn nun bekommt man als Tourist wirklich was zu sehen. Abends ging es dann noch auf ein Trommelkonzert. Das war dann allerdings etwas seltsam. Also eine halbe Stunde von diesem Getrommel hätte mir durchaus gereicht, den anderen Konzertbesuchern aber offensichtlich nicht. Obwohl man nicht weiß ob es einfach daran lag, dass die meisten eher in die Richtung Hippie gingen oder an den seit ein paar Wochen legalisierten Marihuanagebrauch. Sicher traf in vielen Fällen auch die Kombination beider Faktoren zu. Am nächsten Tag stand nun eine Städtetour an.
Die war wirklich toll, so haben wir dann wirklich einen Überblick bekommen und das Wichtigste schon gesehen. Den Plaza de Mayo mit dem Regierungsgebäude, das Viertel Boca mit dem berühmten Fußballstadion, der Heimat Maradonnas, oder den Obelisken. Danach waren wir allerdings etwas fertig und beendeten den Tag an der Uferpromenade. Irgendwann war dann auch mal Einkaufen angesagt, denn das kann man dort wirklich gut. Für uns, die nun seit fast 5 Monaten keinen McDonalds mehr gesehen hatten, war das Angebot noch mal gigantischer. In neuen Klamotten ging es dann noch feiern.
Ich kann jetzt auf jeden Fall sagen, dass die Männer in Buenos Aires in den Discos noch aggressiver rangehen als bei uns in Jujuy. Da kann es schon mal passieren, dass man einfach so aus dem Nichts geküsst wird, wenn man nicht aufpasst. Und damit meine ich nicht nur ein Küsschen auf die Wange, ich kann da genauer Auskunft geben, anscheinend habe ich einmal zu wenig aufgepasst. Das ist mir dann aber nicht noch mal passiert.
Den letzten Morgen des Jahres habe ich dann nicht wirklich mitbekommen. Wir mussten uns ja ausschlafen für Silvester. Dies haben wir erstmal mit einer ganzen Truppe verrückter Brasilianer gefeiert. Mit echt super Essen und unserem deutschen Beitrag, einem Fondue. Dann ging es zum Feuerwerk angucken in das Hafenviertel. Nachdem wir uns eine tolles Position auf der berühmten Brücke puente de la Mujer erobert hatten, warteten wir gespannt.
Was sich allerdings nicht wirklich auszahlte. Denn die folgenden lediglich zehn Minuten Feuerwerk waren wirklich ein bisschen enttäuschend für eine Stadt dieser Größe. Aber egal feiern kann man ja auch so… Das neue Jahr begann dann für uns etwas später, aber wir wollten dennoch ein bisschen was vom Tag haben. Daher besuchten wir dann San Telmo, das traditionsreichste Viertel der Stadt. Allerdings war nahezu alles geschlossen, dennoch war es ein Besuch wert. Die gemütlichen Cafes mit tänzerischer Untermalung zeigten, dass dort wirklich der Ursprung des Tangos zu finden ist.
Unseren letzten Tag verbrachten wir dann in Tigre. Das favorisierte Ausflugsziel der Großstädter. Nicht nur der riesige Markt ist ein Besuch wert, sondern auch die Bootsfahrt war wirklich toll. Tja und das war es dann schon wieder. Wir hatten unsere Tage der Hauptstadt gut und ohne Diebstahl oder schlimmeres verbracht. Es konnte also ab in den Bus gehen und nach 22 Stunden Fahrt waren wir wieder da, in unserem Jujuy. Und wie so oft fallen einen viele Dinge erst auf, wenn man sie mal eine Weile nicht betrachtet.
Denn auch wenn ich mich hier gut eingelebt habe und die Stadt sehr mag, zu eine der schöneren zählt sie nicht. Dafür entschädigt einen allerdings die Freundlichkeit der Menschen, unter denen man wieder gewaltig auffällt als vermeintliche Blondine. Damit ist es nicht nur ein schriftlicher Bericht ist, habe ich wieder ein paar Bilder hochgeladen!
Liebe Grüße aus dem unglaublichen heißen Jujuy - Luisa
Autor: nnzLange Ferien, tolles Wetter und nicht viel los auf Arbeit, genau der richtige Zeitpunkt um in den Urlaub zu fahren. Was wir dann auch gemacht haben. Allerdings hatte unser nicht viel mit Sonne, Strand und Baden gehen zu tun. Wir wollten auch mal andere Teile Argentiniens kennenlernen und planten daher eine Städtetour.
Zunächst ging es nach Cordoba, der zweitgrößten Stadt des Landes. Nach mehr oder weniger ausreichenden Schlaf im Bus kamen wir morgens in der ziemlich modernen Studentenstadt an. Vor uns lagen nun zwei Tage zum Entdecken der Gegend, denn viel länger konnten wir leider nicht bleiben. Diese nutzen wir aber sehr intensiv mit Zoobesuch, Einkaufen und natürlich auch dem Erkunden des Nachtlebens. Weiterhin besuchten wir auch Alta Gracia, ein kleines, nicht sehr weit entferntes Städtchen.
Dort war dann eher Kultur angesagt. So besichtigten wir zunächst das Che- Museum. In diesem Gebäude lebte Ernesto Guevara viele Jahre mit seiner Familie, so dass man durchaus private Einblicke in sein Leben bekommen kann. Des Weiteren besuchten wir auch eine der vielen Estancias in der Gegend. Dies waren früher größere Farmen, welche Anhänger des Jesuitenordens aufgebaut und von dort ihren Glauben weiterverbreitet haben.
Das jedoch auf teilweise sehr rabiate Art und Weise wie man weiß. Um auch nicht allzu viele Entbehrung in der Fremde auf sich nehmen zu müssen, beschäftigten sie für die harte Feldarbeit Sklaven, größtenteils aus Afrika importiert. So wie deren Unterkünfte aussahen machte sich allerdings niemand über deren Bedürfnisse Gedanken, aber auch das ist ja bekannt.
Nach diesem geschichtsträchtigen Ausflug ging es wieder in den Bus. Nachdem wir uns nun so ein bisschen an große Städte gewöhnt hatten, sollte es nun zu der Metropole schlechthin gehen, nach Buenos Aires. Nach einer wieder eher ungemütlichen Nacht, diesmal hatte jemand während der Fahrt ein Busfenster eingeworfen, kamen wir dann auch schon an. Und gleich ging es los mit Sightseeing, denn wir hatten ja einiges vor uns. Zunächst besuchten wir das Naturkundemuseum, das heißt, ich besuchte es zunächst allein, denn meine beiden Mitfreiwilligen waren eher an der Kunstausstellung interessiert.
Die war dann aber anscheinend auch nicht so spannend, denn wir trafen uns dann doch zwischen Tornadosimulator und Schwingpendeln wieder. Dann
erstatteten wir der wohl berühmtesten Frau Argentiniens, Evita, noch persönlich einen Besuch ab. Oder besser gesagt ihren Überresten, welche auf dem Friedhof Recoleta bestattet sind. Dort ist sie in guter Gesellschaft, denn alles was Rang und Namen hatte, ließ sich dort begraben. Obwohl man das nicht begraben nennen kann, sie ließen sich dort eher ein nicht gerade bescheidenes Mausoleum bauen, denn man sollte doch auch nach dem Tod noch sehen, wer die meiste Macht und das meiste Geld hatte.
Aber so schlecht war die Idee nicht, denn nun bekommt man als Tourist wirklich was zu sehen. Abends ging es dann noch auf ein Trommelkonzert. Das war dann allerdings etwas seltsam. Also eine halbe Stunde von diesem Getrommel hätte mir durchaus gereicht, den anderen Konzertbesuchern aber offensichtlich nicht. Obwohl man nicht weiß ob es einfach daran lag, dass die meisten eher in die Richtung Hippie gingen oder an den seit ein paar Wochen legalisierten Marihuanagebrauch. Sicher traf in vielen Fällen auch die Kombination beider Faktoren zu. Am nächsten Tag stand nun eine Städtetour an.
Die war wirklich toll, so haben wir dann wirklich einen Überblick bekommen und das Wichtigste schon gesehen. Den Plaza de Mayo mit dem Regierungsgebäude, das Viertel Boca mit dem berühmten Fußballstadion, der Heimat Maradonnas, oder den Obelisken. Danach waren wir allerdings etwas fertig und beendeten den Tag an der Uferpromenade. Irgendwann war dann auch mal Einkaufen angesagt, denn das kann man dort wirklich gut. Für uns, die nun seit fast 5 Monaten keinen McDonalds mehr gesehen hatten, war das Angebot noch mal gigantischer. In neuen Klamotten ging es dann noch feiern.
Ich kann jetzt auf jeden Fall sagen, dass die Männer in Buenos Aires in den Discos noch aggressiver rangehen als bei uns in Jujuy. Da kann es schon mal passieren, dass man einfach so aus dem Nichts geküsst wird, wenn man nicht aufpasst. Und damit meine ich nicht nur ein Küsschen auf die Wange, ich kann da genauer Auskunft geben, anscheinend habe ich einmal zu wenig aufgepasst. Das ist mir dann aber nicht noch mal passiert.
Den letzten Morgen des Jahres habe ich dann nicht wirklich mitbekommen. Wir mussten uns ja ausschlafen für Silvester. Dies haben wir erstmal mit einer ganzen Truppe verrückter Brasilianer gefeiert. Mit echt super Essen und unserem deutschen Beitrag, einem Fondue. Dann ging es zum Feuerwerk angucken in das Hafenviertel. Nachdem wir uns eine tolles Position auf der berühmten Brücke puente de la Mujer erobert hatten, warteten wir gespannt.
Was sich allerdings nicht wirklich auszahlte. Denn die folgenden lediglich zehn Minuten Feuerwerk waren wirklich ein bisschen enttäuschend für eine Stadt dieser Größe. Aber egal feiern kann man ja auch so… Das neue Jahr begann dann für uns etwas später, aber wir wollten dennoch ein bisschen was vom Tag haben. Daher besuchten wir dann San Telmo, das traditionsreichste Viertel der Stadt. Allerdings war nahezu alles geschlossen, dennoch war es ein Besuch wert. Die gemütlichen Cafes mit tänzerischer Untermalung zeigten, dass dort wirklich der Ursprung des Tangos zu finden ist.
Unseren letzten Tag verbrachten wir dann in Tigre. Das favorisierte Ausflugsziel der Großstädter. Nicht nur der riesige Markt ist ein Besuch wert, sondern auch die Bootsfahrt war wirklich toll. Tja und das war es dann schon wieder. Wir hatten unsere Tage der Hauptstadt gut und ohne Diebstahl oder schlimmeres verbracht. Es konnte also ab in den Bus gehen und nach 22 Stunden Fahrt waren wir wieder da, in unserem Jujuy. Und wie so oft fallen einen viele Dinge erst auf, wenn man sie mal eine Weile nicht betrachtet.
Denn auch wenn ich mich hier gut eingelebt habe und die Stadt sehr mag, zu eine der schöneren zählt sie nicht. Dafür entschädigt einen allerdings die Freundlichkeit der Menschen, unter denen man wieder gewaltig auffällt als vermeintliche Blondine. Damit ist es nicht nur ein schriftlicher Bericht ist, habe ich wieder ein paar Bilder hochgeladen!
Liebe Grüße aus dem unglaublichen heißen Jujuy - Luisa







