Geschichte, lebendig veranschaulicht
Freitag, 18. Dezember 2009, 07:01 Uhr
Der Titel dieser Ausstellung Zwischen Kelten und Germanen: Nordbayern und Thüringen im Zeitalter der Varusschlacht die gestern im Nordhäuser Tabakspeicher eröffnet wurde, bedarf wohl der Erläuterung. Die Teilnehmer an der Eröffnung erhielten sie sehr anschaulich von kompetenter Seite.
Kaum jemand könnte den Themenkomplex besser erläutern als Dr. Mathias Seidel, beheimatet im Steinsburgmuseum In Römhild. Geschichtskenner wissen von diesem Museum, dass es sich der Ur- und Frühgeschichte Südthüringens von der Mittelsteinzeit bis zum Hochmittelalter widmet. Rhetorisch brillant vermittelte er den Zuhörern das Anliegen dieser Wanderausstellung, deren erste Station Nordhausen ist.
Die Ausstellung entstand im Zusammenwirken der Archäologischen Staatssammlung München und desThüringischen Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie mit Museum für Ur- und Frühgeschichte Thüringen in Weimar. Sie umfasst einen Zeitraum von etwa 80 Jahren, davon 50 Jahre vor unserer Zeitrechnung und dreißig Jahre danach.
Gerade diese Jahrzehnte vor und nach der Zeitwende sind besonders reich an Ereignissen und Veränderungen für das Gebiet zwischen Rhein, Alpen und Elbe. Die eigenständige keltische Kultur verschwindet, die Römer beginnen mit ihren Eroberungen nördlich der Alpen und die Germanen bertreten endgültig die Bühne der Geschichte. Ein Höhe- und Wendepunkt ist 9 n. Chr. die Varusschlacht. Die soll im Osnabrücker Land stattgefunden haben – drei Ausstellungen in Haltern am See, in Kalkriese und in Detmold haben in diesem Jahr diesen historischen Vorgang zum Inhalt.
Doch auch abseits der großen Schlachten verändert sich viel sowohl im Gebiet rings um den Thüringer Wald als auch im Harzvorland Die im Raum Nordbayern und Thüringen einheimische Bevölkerung besitzt zunächst starke Beziehungen zu den Kelten im Süden. Später wird sie in mehreren Einwanderungswellen von Germanen kulturell dominiert. Am Ende der Entwicklung geht sie in den Rhein-Weser-Germanen auf.
Erstmals wird grenzübergreifend in dieser Ausstellung neues archäologisches Fundmaterial keltischer, germanischer und römischer Herkunft behandelt. Der Mittelgebirgsraum zwischen Harzvorland und Mainfranken gibt sich als Kontaktzone zwischen den Kelten im Süden und den Germanen im Norden zu erkennen. Als Verkehrsraum ist das Gebiet in den Jahrzehnten vor der Zeitenwende Ziel elbgermanischer Bevölkerungsbewegungen, die sich in der Anlage neuer Brandgräberfelder mit typischen Waffenbeigaben und auch manchen Siedlungsneugründungen dokumentieren.
Mit der ortsansässigen Bevölkerung verbindet sich eine Siedlungskontinuität im Raum, die von der Spätlatene- bis in die Kaiserzeit reicht. An den Verkehrswegen etablieren sich Händler- und Handwerker- , aber auch eine große Zahl agrarisch orientierter kleiner Siedlungen. Dagegen verlieren Höhensiedlungen ihre ursprüngliche Bedeutung als befestigte Plätze. Die germanischen Bewegungen nördlich der Donau und östlich des Rheins geraten in den Focus römischer Politik. Germanische Stammesnamen werden überliefert und die Markomannen mit ihrem König Marbod als gefährlicher Gegner benannt.
Dr. Seidel veranschaulicht diese Zeit mit ihrer Entwicklung leicht nachvollziehbar und erklärt auch zu der räumlichen Ausdehnung, dass die heutigen Ländergrenzen der Betrachtung der historischen Gegebenheiten manchmal noch im Wege stehen. Daher entschlossen sich die Archäologische Staatssammlung München und das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, diese Ausstellung gemeinsam zu verwirklichen.
Neue Grabungsergebnisse, die teilweise erstmals öffentlich gezeigt werden, haben in den letzten Jahren das Wissen wesentlich erweitert. Im Tabakspeicher sind als Teil der Ausstellungen zahlreiche Ergebnisse dieser Ausgrabungen zu sehen. Dr. Seidel erklärte nach den grundlegenden Wissensergebnissen im weiteren Verlauf den Teilnehmern der Eröffnungsveranstaltung während eines Rundganges die ausgestellten Funde und verwies schließlich auch auf den repräsentativen Ausstellungsbegleitband zum Preis von 19,80 Euro, der mit mehreren Einzelbeiträgen den Stand der neuen Ausgrabungen und Funde zusammenfasst.
Die Ausstellung kann bis zum 28. Februar besucht werden, danach wird sie als nächste Station im bayerischen Raum zu sehen sein. Zum Abschluss soll auch noch eine Gruppe Laiendarsteller erwähnt werden, die diese Ausstellung begleiten, das damaligen Leben beispielhaft veranschaulichen und damit die Ausstellung dadurch lebendiger erscheinen lassen.
Autor: nnzKaum jemand könnte den Themenkomplex besser erläutern als Dr. Mathias Seidel, beheimatet im Steinsburgmuseum In Römhild. Geschichtskenner wissen von diesem Museum, dass es sich der Ur- und Frühgeschichte Südthüringens von der Mittelsteinzeit bis zum Hochmittelalter widmet. Rhetorisch brillant vermittelte er den Zuhörern das Anliegen dieser Wanderausstellung, deren erste Station Nordhausen ist.
Die Ausstellung entstand im Zusammenwirken der Archäologischen Staatssammlung München und desThüringischen Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie mit Museum für Ur- und Frühgeschichte Thüringen in Weimar. Sie umfasst einen Zeitraum von etwa 80 Jahren, davon 50 Jahre vor unserer Zeitrechnung und dreißig Jahre danach.
Gerade diese Jahrzehnte vor und nach der Zeitwende sind besonders reich an Ereignissen und Veränderungen für das Gebiet zwischen Rhein, Alpen und Elbe. Die eigenständige keltische Kultur verschwindet, die Römer beginnen mit ihren Eroberungen nördlich der Alpen und die Germanen bertreten endgültig die Bühne der Geschichte. Ein Höhe- und Wendepunkt ist 9 n. Chr. die Varusschlacht. Die soll im Osnabrücker Land stattgefunden haben – drei Ausstellungen in Haltern am See, in Kalkriese und in Detmold haben in diesem Jahr diesen historischen Vorgang zum Inhalt.
Doch auch abseits der großen Schlachten verändert sich viel sowohl im Gebiet rings um den Thüringer Wald als auch im Harzvorland Die im Raum Nordbayern und Thüringen einheimische Bevölkerung besitzt zunächst starke Beziehungen zu den Kelten im Süden. Später wird sie in mehreren Einwanderungswellen von Germanen kulturell dominiert. Am Ende der Entwicklung geht sie in den Rhein-Weser-Germanen auf.
Erstmals wird grenzübergreifend in dieser Ausstellung neues archäologisches Fundmaterial keltischer, germanischer und römischer Herkunft behandelt. Der Mittelgebirgsraum zwischen Harzvorland und Mainfranken gibt sich als Kontaktzone zwischen den Kelten im Süden und den Germanen im Norden zu erkennen. Als Verkehrsraum ist das Gebiet in den Jahrzehnten vor der Zeitenwende Ziel elbgermanischer Bevölkerungsbewegungen, die sich in der Anlage neuer Brandgräberfelder mit typischen Waffenbeigaben und auch manchen Siedlungsneugründungen dokumentieren.
Mit der ortsansässigen Bevölkerung verbindet sich eine Siedlungskontinuität im Raum, die von der Spätlatene- bis in die Kaiserzeit reicht. An den Verkehrswegen etablieren sich Händler- und Handwerker- , aber auch eine große Zahl agrarisch orientierter kleiner Siedlungen. Dagegen verlieren Höhensiedlungen ihre ursprüngliche Bedeutung als befestigte Plätze. Die germanischen Bewegungen nördlich der Donau und östlich des Rheins geraten in den Focus römischer Politik. Germanische Stammesnamen werden überliefert und die Markomannen mit ihrem König Marbod als gefährlicher Gegner benannt.
Dr. Seidel veranschaulicht diese Zeit mit ihrer Entwicklung leicht nachvollziehbar und erklärt auch zu der räumlichen Ausdehnung, dass die heutigen Ländergrenzen der Betrachtung der historischen Gegebenheiten manchmal noch im Wege stehen. Daher entschlossen sich die Archäologische Staatssammlung München und das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, diese Ausstellung gemeinsam zu verwirklichen.
Neue Grabungsergebnisse, die teilweise erstmals öffentlich gezeigt werden, haben in den letzten Jahren das Wissen wesentlich erweitert. Im Tabakspeicher sind als Teil der Ausstellungen zahlreiche Ergebnisse dieser Ausgrabungen zu sehen. Dr. Seidel erklärte nach den grundlegenden Wissensergebnissen im weiteren Verlauf den Teilnehmern der Eröffnungsveranstaltung während eines Rundganges die ausgestellten Funde und verwies schließlich auch auf den repräsentativen Ausstellungsbegleitband zum Preis von 19,80 Euro, der mit mehreren Einzelbeiträgen den Stand der neuen Ausgrabungen und Funde zusammenfasst.
Die Ausstellung kann bis zum 28. Februar besucht werden, danach wird sie als nächste Station im bayerischen Raum zu sehen sein. Zum Abschluss soll auch noch eine Gruppe Laiendarsteller erwähnt werden, die diese Ausstellung begleiten, das damaligen Leben beispielhaft veranschaulichen und damit die Ausstellung dadurch lebendiger erscheinen lassen.






