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Müssen Fachkräfte rar werden?

Montag, 11. November 2002, 07:22 Uhr
Nordhausen (nnz). Sie müssen es nicht, obwohl die Tendenz in diese Richtung geht. Um diese aber zu stoppen oder gar umzukehren, müssen allerdings alle Steuerungsinstrumente aktiviert werden und sich vereinen. nnz bietet seine Mitwirkung an.


Zunächst registriert die Redaktion, dass sich neben seiner eigenen bisherigen Berichterstattung auch das Internetportal “Intermarketing“ mit Themen der Wirtschaft und deren Problemen befasst. Dazu kann zur Erklärung dienen, dass es insofern von einem Internet-Portal zum anderen netzwerkartige Verbindungen gibt, die leider in der regionalen Wirtschaft bisher noch weitgehend fehlen.

Dort also wurde jüngst von einem Pressegespräch im Arbeitsamt berichtet, bei dem deren Direktorin Dr. Simone Simon u.a. auch eine kurz vorher stattgefundene Besprechung zur Arbeitsmarktsituation erwähnte. Zusammengekommen waren dabei Vertreter aller Institutionen, die einstens bei der Friedrich-Schiller-Universität Jena eine Studie in Auftrag gegeben hatten, deren Ergebnis Ende Juli an der Fachhochschule Nordhausen (FHN) vorgestellt wurde – nnz hatte seinerzeit ausführlich berichtet.

Diese Studie zeitigte ein nicht ganz erwartetes positives Stimmungsbild des verarbeitenden Gewerbes in Nordthüringen. Eine nicht ganz unumstrittene Studie, wie sich damals zeigte, trotzdem aber doch eine brauchbare Basis weiterer Recherchen.

Die größte Besorgnis hatten damals die Unternehmer und Manager hinsichtlich des zukünftigen Fachkräftepotentials geäußert. Die dazu zwischenzeitlich durchgeführten Untersuchungen bei den Schülern in Nordthüringen selbst als den zukünftigen Fachkräften scheint diese Besorgnis zu bestätigen. Nach nnz-Informationen liegt dazu nun eine ergänzende Studie vor, die offenbar sehr deutliche Aufschlüsse zu diesem Thema gibt. Interessant bei den redaktionellen Recherchen ist dabei, dass sich zwar einige Vertreter jener Institutionen gesprächsbereit zeigten, von denen die Studie in Auftrag gegeben wurde, in Kreisen der Unternehmer aber noch nicht einmal ein Ansprechpartner ausgemacht werden konnte. Obwohl doch die Sorgen der Wirtschaft zu erwähnter Studie den Anstoß gaben.

nnz unterhielt sich also über die Informationen im Arbeitsamt hinaus mit dem DGB-Kreisvorsitzenden Ulrich Hannemann, nachdem dieser diese Studien zuvörderst mitinitiiert hat. Der machte zwar keine detaillierten Aussagen zu dieser „Schülerbefragung Nordthüringen Sommer 2002“ nachdem diese Studie erst demnächst offiziell vorgestellt werden soll. Was sich aber im Ergebnis des geführten Gespräches abzeichnet, scheint die Besorgnis der Wirtschaft klar zu bestätigen, wobei die Gründe vielfältig sind, nämlich a): Es zeigt sich, dass junge Menschen in der Region ihre beruflichen Zukunftschancen vielfach gering einschätzen. Demzufolge zeichnet sich b): eine deutliche Tendenz bei den Schülern ab, alsbald nach dem Westen abzuwandern, zumal sie c): dort auch bessere Verdienstmöglichkeiten erhoffen. Diese Tendenz und Hoffnung ist umso ausgeprägter, je höher die Schulbildung ist. Die Studie zeigt aber offenbar auch, dass die jungen Leute bei Abschluss ihrer Schulzeit nur wenig wissen über die Anforderungen im anschließenden Ausbildungs- und Berufsleben.

Demgegenüber zeigt sich aber auch, dass es kaum möglich ist bzw. war, Vertreter aus der Wirtschaft, die einstens um ihre Meinung befragt wurden, für konkretere Gesprächen zu gewinnen. Gleichzeitig aber gibt es Anhaltspunkte dafür, dass es vor allen in kleineren Betrieben kaum eine systematische, etwa mittelfristige Personalplanung gibt. Nicht wenige Unternehmen bilden aus, weil die Ausbildung bezuschusst wird und nicht etwa wegen des zukünftigen eigenen personellen Bedarfs. Bekannt ist in diesem Zusammenhang auch die Klage über das vielfach geringe Bildungsniveau der Schulabgänger. Wie manches im Ergebnis dieser Ergänzungsstudie im regionalen Bereich nur bestätigt, was allgemein schon bekannt war und ist. Die oben erwähnte Besprechung der Auftraggeber dieser Studie diente nun offenbar der Antwort auf die Frage, welche Folgerungen nun daraus zu ziehen sind. Dass an dieser Besprechung auch Udo Rockmann, Chef des hiesigen Service-Centers der IHK Erfurt ebenso teilnahm wie der Hauptgeschäftsführer der Handwerkerschaft Nordthüringen, Dr. Bernhard Senft, lässt hoffen, dass durch ihre Mitwirkung Wege gefunden werden können, um im regionalen Rahmen Wege aus der sich abzeichnenden Fachkräftemisere zu finden. Denn ohne die Unternehmen geht es nicht. Und könnte dafür auch noch die Fachhochschule gewonnen werden, wäre das ein weiterer guter Ansatz. In der gegenwärtigen Situation sollten Vorbehalte und Ressentiments, aus welchen Gründen auch immer, im Interesse der Region und ihrer weiteren wirtschaftlichen Entwicklung zurückstehen.
Autor: nnz

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