Dicksein als Lebenseinstellung?
Dienstag, 05. November 2002, 07:09 Uhr
Nordhausen (nnz). Schön soll es sein, heißt es jedenfalls sinngemäß in einem Schlager. Und es gibt Menschen, die mit ihrer Leibesfülle tatsächlich kokettieren. Die Kehrseite erweist sich als sehr viel problematischer, wie nnz nachfolgend erläutert.
Wer Internetanschluss besitzt hat es einesteils gut: er kann sich alle Neuigkeiten ins Haus holen, ohne dafür auch nur einen Schritt gehen zu müssen. Die Kehrseite ist natürlich, dass dabei Bequemlichkeit und Trägheit zunehmen. In den USA gehört es bei vielen Bürgern zur Lebensgewohnheit, zwischendurch ins Auto zu steigen, um sich bei Mc. Donald’s oder Burger King eine schnelle Mahlzeit einzuverleiben. Und was immer sie dort konsumieren, ist nahezu allem etwas gemeinsam: es ist kalorienreich und macht dick.
Dass als Einstieg zu diesem Beitrag das Internet erwähnt wird, kommt nicht von ungefähr: über nicht wenige Adressen wird dort über falsche Lebensweisen, vor allem in Ernährung und Bewegung, mit allen ihren gesundheitlichen Folgen berichtet. In zunehmenden Maße nehmen sich auch die gewohnten Medien – Fernsehen, Rundfunk, Zeitungen – dieses Themas an. Weil diese Folgen Ausmaße annehmen, die inzwischen nicht nur ein gesundheits- sondern auch ein volkswirtschaftliches Problem darstellt, das zu Besorgnis Anlass gibt.
Und damit ist nicht mehr allein Amerika gemeint, sondern unsere Bundesrepublik. Und da wiederum nehmen offenbar die Thüringer eine Spitzenposition ein, mit der sie alle anderen zunehmend hinter sich lassen. Die Thüringer sind einfach zu fett, stellt Gerhard Jahreis, Leiter der Thüringer Sektion der Deutschen Gesellschaft für Ernährung unter Hinweis auf entsprechende Ergebnisse des Statistischen Bundesamtes fest. 54 Prozent der Menschen zwischen Nordhausen und Sonneberg sind übergewichtig. In Rheinland-Pfalz als nächst platziertem Bundesland bringen von den Einwohnern immerhin noch 48 Prozent Übergewicht auf die Waage, liest man in Thüringische Landeszeitung. In den Stadtstaaten Hamburg und Bremen sind es dagegen nur etwa 40 Prozent. Der bundesweite Durchschnitt liegt bei 47 Prozent.
Die Spitzenstellung unseres Freistaates ist wahrlich kein Grund zur Freude, sondern sollte uns vielmehr schwer im Magen liegen, sagt der Ernährungswissenschaftler von der Jenaer Universität. Warum aber gerade die Thüringer so übergewichtig sind ist ein Phänomen, das durch die Vorliebe der Leute für eine gute Küche allein nicht zu erklären ist. Anthropologen der Jenaer Universität meinen Hinweise dafür zu haben, dass die veränderten Lebensumstände seit der Wende eine Rolle spielen und belegen das durch Untersuchungsreihen und –ergebnisse an Schulkindern, die dort seit etwa 100 Jahren durchgeführt werden. Dem kann man entgegen halten, dass das auch auf die Kinder aller anderen neuen Bundesländer zutrifft.
Wie dem auch sei, setzt die Gesellschaft für Ernährung beim Ergebnis der statistisch feststehenden Tatsachen mit einem Programm an, das 2003 in ganz Thüringen umgesetzt werden soll. Gemeinsam mit Medizinern, Sportwissenschaftlern und dem Gesundheitsministerium will man dem Fett Paroli bieten. Aufgebaut werden soll ein Netzwerk, in dem Übergewichtige Hilfe bekommen, und das vorbeugend arbeiten will.
In allen Landkreisen und großen Städten sollen Schulungen und Kurse angeboten werden, bei denen die Teilnehmer lernen, langfristig und dauerhaft ihr Gewicht zu reduzieren. Wie das erreicht werden kann beschäftigt auch die 10. Thüringer Ernährungsfachtagung in dieser Woche in Jena.
Sei abschließend noch ganz allgemein darauf hingewiesen, dass den Forschern der Nachweis zu gelingen scheint, dass eine nahezu unüberschaubare Zahl an Folgekrankheiten von Diabetes über Herz-Kreislauf-Beschwerden bis Krebs auf Übergewicht zurückzuführen ist. Weniger Essen lautet die Devise aller Fachleute. Der Verdacht verdichtet sich nämlich, dass eine verminderte Kalorienzufuhr mit dem Essen nicht nur bei Labortieren, sondern auch beim Menschen das Leben zu verlängern vermag. Das zu bewirken kann jedenfalls dem Übergewichtigen für ihr gesundheitliches Befinden bekömmlicher sein als die Absicht zunehmend Betroffener in Amerika, Fast-Food-Ketten wie MacDonald’s auf Schadenersatz zu verklagen (siehe auch www.cala.com – www.uni-jena.de/biologie/ieu/ew und www.dge.de).
Autor: nnzWer Internetanschluss besitzt hat es einesteils gut: er kann sich alle Neuigkeiten ins Haus holen, ohne dafür auch nur einen Schritt gehen zu müssen. Die Kehrseite ist natürlich, dass dabei Bequemlichkeit und Trägheit zunehmen. In den USA gehört es bei vielen Bürgern zur Lebensgewohnheit, zwischendurch ins Auto zu steigen, um sich bei Mc. Donald’s oder Burger King eine schnelle Mahlzeit einzuverleiben. Und was immer sie dort konsumieren, ist nahezu allem etwas gemeinsam: es ist kalorienreich und macht dick.
Dass als Einstieg zu diesem Beitrag das Internet erwähnt wird, kommt nicht von ungefähr: über nicht wenige Adressen wird dort über falsche Lebensweisen, vor allem in Ernährung und Bewegung, mit allen ihren gesundheitlichen Folgen berichtet. In zunehmenden Maße nehmen sich auch die gewohnten Medien – Fernsehen, Rundfunk, Zeitungen – dieses Themas an. Weil diese Folgen Ausmaße annehmen, die inzwischen nicht nur ein gesundheits- sondern auch ein volkswirtschaftliches Problem darstellt, das zu Besorgnis Anlass gibt.
Und damit ist nicht mehr allein Amerika gemeint, sondern unsere Bundesrepublik. Und da wiederum nehmen offenbar die Thüringer eine Spitzenposition ein, mit der sie alle anderen zunehmend hinter sich lassen. Die Thüringer sind einfach zu fett, stellt Gerhard Jahreis, Leiter der Thüringer Sektion der Deutschen Gesellschaft für Ernährung unter Hinweis auf entsprechende Ergebnisse des Statistischen Bundesamtes fest. 54 Prozent der Menschen zwischen Nordhausen und Sonneberg sind übergewichtig. In Rheinland-Pfalz als nächst platziertem Bundesland bringen von den Einwohnern immerhin noch 48 Prozent Übergewicht auf die Waage, liest man in Thüringische Landeszeitung. In den Stadtstaaten Hamburg und Bremen sind es dagegen nur etwa 40 Prozent. Der bundesweite Durchschnitt liegt bei 47 Prozent.
Die Spitzenstellung unseres Freistaates ist wahrlich kein Grund zur Freude, sondern sollte uns vielmehr schwer im Magen liegen, sagt der Ernährungswissenschaftler von der Jenaer Universität. Warum aber gerade die Thüringer so übergewichtig sind ist ein Phänomen, das durch die Vorliebe der Leute für eine gute Küche allein nicht zu erklären ist. Anthropologen der Jenaer Universität meinen Hinweise dafür zu haben, dass die veränderten Lebensumstände seit der Wende eine Rolle spielen und belegen das durch Untersuchungsreihen und –ergebnisse an Schulkindern, die dort seit etwa 100 Jahren durchgeführt werden. Dem kann man entgegen halten, dass das auch auf die Kinder aller anderen neuen Bundesländer zutrifft.
Wie dem auch sei, setzt die Gesellschaft für Ernährung beim Ergebnis der statistisch feststehenden Tatsachen mit einem Programm an, das 2003 in ganz Thüringen umgesetzt werden soll. Gemeinsam mit Medizinern, Sportwissenschaftlern und dem Gesundheitsministerium will man dem Fett Paroli bieten. Aufgebaut werden soll ein Netzwerk, in dem Übergewichtige Hilfe bekommen, und das vorbeugend arbeiten will.
In allen Landkreisen und großen Städten sollen Schulungen und Kurse angeboten werden, bei denen die Teilnehmer lernen, langfristig und dauerhaft ihr Gewicht zu reduzieren. Wie das erreicht werden kann beschäftigt auch die 10. Thüringer Ernährungsfachtagung in dieser Woche in Jena.
Sei abschließend noch ganz allgemein darauf hingewiesen, dass den Forschern der Nachweis zu gelingen scheint, dass eine nahezu unüberschaubare Zahl an Folgekrankheiten von Diabetes über Herz-Kreislauf-Beschwerden bis Krebs auf Übergewicht zurückzuführen ist. Weniger Essen lautet die Devise aller Fachleute. Der Verdacht verdichtet sich nämlich, dass eine verminderte Kalorienzufuhr mit dem Essen nicht nur bei Labortieren, sondern auch beim Menschen das Leben zu verlängern vermag. Das zu bewirken kann jedenfalls dem Übergewichtigen für ihr gesundheitliches Befinden bekömmlicher sein als die Absicht zunehmend Betroffener in Amerika, Fast-Food-Ketten wie MacDonald’s auf Schadenersatz zu verklagen (siehe auch www.cala.com – www.uni-jena.de/biologie/ieu/ew und www.dge.de).
