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Tagung im Reservat

Mittwoch, 04. November 2009, 13:13 Uhr
„Traditionen und Besonderheiten im Südharz – längst verstaubt oder noch lebendig?“ war das Thema der diesjährigen Herbsttagung, die in der Biosphärenreservatsverwaltung in Rossla stattfand. Die nnz mit einem ausführlichen Bericht...

Referat (Foto: privat) Referat (Foto: privat)

Das breite Spektrum der Fachvorträge – Von Kupferschieferbergbau am Südharzrand, Bauweisen im Südharz, Köhlerei und traditionellen Landnutzungsformen bis hin zum Questenfest und dem Rosarium - zeigt, welche Vielfalt an Traditionen der Südharz zu bieten hat.

Traditionen können nur durch und mit den Menschen vor Ort gepflegt und weitergegeben werden. Am Beispiel des Kupferschieferbergbaus und des Schaubergwerks „Röhrigschacht“ in Wettelrode stellte Herr Hartung anschaulich dar, wie Traditionspflege in der Gegenwart aussehen kann. Questenbergs Bürgermeisterin Liane Gast zeigte, wie durch die traditionelle Einbindung verschiedener Altersklassen beim Questenfest eine Tradition über Jahrhunderte Bestand haben konnte und jeglicher ideologischer Einflussnahme zum Trotz in ihren Kernelementen erhalten geblieben ist.

Traditionen zu erhalten bedeutet jedoch nicht, antiquarische Ansichten zu pflegen, so das Fazit des interessanten Vortrags von Frau Dr. Körber (Foto). Ein in regionaltypischer Bauweise errichtetes Gebäude kann nach der Sanierung durchaus ein modernes Ambiente ausstrahlen und sich ins Ortsbild einfügen, wenn dem Bauherrn durch die Kommunen Rahmenbedingungen vorgegeben und entsprechende Sanierungsprogramme in Anspruch genommen werden können.

Uwe Kramer, Mitarbeiter der Biosphärenreservatsverwaltung, stellt in seinem eindrucksvollen Vortrag die Jahrhunderte langen Nutzungsarten im Südharz vor. Wie die Tradition der Köhlerei mit einem wirtschaftlich tragfähigen Konzept am Leben erhalten wird, das erläuterte Herr Feldmar von der Harzköhlerei „Stemberghaus“. Die Verknüpfung von Traditionspflege und touristischer Vermarktung ist dabei die Grundlage der erfolgreichen Unternehmensführung. Es genüge nicht, so Herr Feldmar, sich im Kreise von Alteingeschworenen einer aussterbenden Zunft zu bewegen. Und ebenso wie Frau Pfeiffer vom Europa-Rosarium Sangerhausen plädierte er für Weltoffenheit. Kontakte in ganz Europa und der fachliche Erfahrungsaustausch seien wichtig, um Traditionen in ihrer gesamten historischen Bedeutung zu erfassen und zeitgemäß zu präsentieren.

Genau das, so Frau Dr. Bachmann, Vorsitzende des Biosphärenreservatsfördervereins „Zukunft im Südharz“ e. V. in ihrem die Veranstaltung abschließenden Vortrag, sind die Möglichkeiten, die innerhalb eines Biosphärenreservats gegeben sind. Der Erhalt der kulturellen Identität ist ein wichtiger Baustein des Biosphärenreservatgedankens und stellt damit einen Schwerpunkt der Vereinsarbeit dar.

Denn der Förderverein „Zukunft im Südharz“ e. V. unterstützt die Entwicklung des Biosphärenreservates „Karstlandschaft Südharz“ zu einem vorbildlich gestalteten Großschutzgebiet und setzt sich ein für entsprechende Projekte. So soll jetzt zum Beispiel die alte Dorfschule in Hainrode in Zusammenarbeit von Verein, Träger, Biosphärenreservatsverwaltung und Kommune ganzjährig mit Leben erfüllt werden.

Den Schwerpunkt dabei stellt die Vermittlung kultureller Besonderheiten im Rahmen der Umweltbildung für jung und alt dar. Über Landes-Fördermittel aus dem für das Biosphärenreservat zur Verfügung gestellten Bereich des Konjunkturpaketes soll auf dem Gelände auch ein „Dorf-Lebens-Laden“ entstehen, der eine ortsnahe Einkaufsmöglichkeit bietet und die Vermarktung regionaler Produkte übernimmt.

Dieses Gesamtpaket ist nach Auffassung der Vereinsvorsitzenden beispielhaft für das Miteinander regionaler Akteure in einem Biosphärenreservat, bei dem Traditionen erlebt, erhalten und weitergegeben werden können.
Autor: nnz

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