Wandern und erinnern
Dienstag, 03. November 2009, 15:49 Uhr
Am kommenden Montag, anlässlich des 20. Jahrestages des Mauerfalls, soll sowohl an die friedliche Revolution, als auch an ein Ereignis vor 71 Jahren erinnert werden...
Um 11 Uhr wird es die feierliche Einweihung des Erinnerungsweges und der Gedenkanlage auf den August-Bebel-Platz geben. Nach der sich anschließenden Kurzführung entlang des Weges wird Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD) mit weiteren Vertretern aus Politik und Kirche um 12 Uhr am Gedenkstein der Synagoge am Pferdemarkt mit einer Kranzniederlegung den Ereignissen der antijüdischen Pogromnacht von 1938 und deren Opfer gedenken.
Um das mutige Widerstandsbekenntnis vieler Bürger im Herbst 1989 wach zu halten, wird ein Erinnerungsweg entlang der Versammlungsorte der Protestbewegung sowie eine Gedenkanlage mit einer Büste August Bebels, des Begründers der Sozialdemokratie, eingeweiht.
An acht Gebäuden und Plätzen im Stadtgebiet von Nordhausen wurden Gedenkstelen errichtet, die entsprechende historische Daten und Informationen zur Bedeutung während der friedlichen Revolution enthalten. Beginnend an der Altendorfer Kirche führt der Erinnerungsweg zum Neuen Rathaus / Ratskeller, Frauenbergkirche, Wehrkreiskommando, August–Bebel Platz, zur ehemaligen Stasizentrale sowie der SED-Kreisleitung und endet an der Halle der Freundschaft.
Die Schülerinnen Mandy Rödiger, Sarah Scholz und Marie Sieckel des Staatlichen Gymnasiums Wilhelm von Humboldt haben im Rahmen einer Seminarfacharbeit zum Thema 20 Jahre friedliche Revolution in Nordhausen ein Führungskonzept für den Erinnerungsweg in Zusammenarbeit mit der Stadt Nordhausen konzipiert und einen entsprechenden Flyer entwickelt.
Zur Zeit der friedlichen Revolution 1989/90:
Die Altendorfer Kirche ist Ausgangspunkt der friedlichen Revolution im Herbst 1989 in Nordhausen. Ab September werden hier regelmäßig Fürbittandachten abgehalten. Während des Fürbittgottesdienstes am 4. Oktober werden erste Informationen über die Gründung des Neuen Forum bekannt gegeben. Am 10. Oktober wird hier eine Sprechergruppe gewählt, die mit politisch Verantwortlichen verhandeln und einen Forderungskatalog übergeben soll. Bereits am 17. Oktober stellt sich eine Initiativgruppe zur Gründung des Neuen Forum in Nordhausen vor.
Der erste Demonstrationszug durch die Stadt nimmt am 24. Oktober nach einem Gottesdienst seinen Beginn vor dieser Kirche. Etwa eintausend Menschen ziehen mit Kerzen zum Rathaus. Weitere Fürbittandachten folgen.
Zur Zeit der friedlichen Revolution 1989/90:
Die evangelische Kirche und das Pfarrhaus dienen 1989/90 der Bürgerinitiative Neues Forum als Podium, das am 22. Oktober in der Frauenbergkirche gegründet wird. Am 27. Oktober findet in der Kirche die erste Vertrauensleutevollversammlung des Neuen Forum statt. Hier treffen sich ab November die Mitglieder der neu gegründeten Sprechergruppe verschiedener Bürgerinitiativen. Es werden offene und kritische Diskussionen geführt.
Am 1. Dezember findet in der Frauenbergkirche das erste Treffen von politischen Verantwortlichen und Oppositionsgruppen statt, das als Geburtsstunde des Runden Tisches in Nordhausen gilt.
Zur Zeit der friedlichen Revolution 1989/90:
Im Ratskeller findet im Oktober 1989 ein erstes Gespräch zwischen der Sprechergruppe der Altendorfer Kirche und amtierenden politischen Führungskräften statt. Deren Angebot, Aussprachen an verschiedenen Orten durchzuführen, jedoch die Dienstags-Demonstrationen zu unterlassen, wird vom Fürsprecherkreis abgelehnt. Am 24. Oktober 1989 endet die erste spontane Massenkundgebung auf dem Platz vor dem Rathaus. Entgegen aller Befürchtungen verläuft diese friedlich. Nach dem gemeinsamen Singen eines Liedes der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung
we shall overcome löst sich die Menge auf.
Zur Zeit der friedlichen Revolution 1989/90:
Zentraler Ort der friedlichen Revolution in Nordhausen. Seit dem 31. Oktober 1989 finden die friedlichen Demonstrationen durch Nordhausen hier ihren Ausklang. Obwohl die erste Kundgebung nur durch mündliche Propaganda bekannt gegeben wird, folgen dem Aufruf ca. 25.000 Menschen. In der Folge versammeln sich jeden Dienstag bis zu 40.000 Personen auf diesem Platz. Bürgerinnen und Bürger erhalten die Möglichkeit, bestehende Missstände offen anzuprangern. Im Februar 1990 finden die Nordhäuser Dienstags-Demonstrationen ihren Abschluss.
Zur Zeit der friedlichen Revolution 1989/90:
Dieses Gebäude stellt in der DDR-Zeit die politische Machtzentrale für den Kreis Nordhausen dar. Der Alleinvertretungsanspruch der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands löst als einer von vielen Gründen im Jahr 1989 die friedliche Revolution in Nordhausen aus. Viele tausend Menschen ziehen im Herbst des gleichen Jahres demonstrierend mit Sprechchören vor das Bauwerk. Regelmäßig tagt hier der Runde Tisch unter Leitung von Propst Joachim Jäger.
Zur Zeit der friedlichen Revolution 1989/90:
An diesem Ort werden alle jungen wehrpflichtigen Männer des Kreises Nordhausen auf ihre Diensttauglichkeit für die Nationale Volksarmee gemustert. Während der Dienstags-Demonstrationen im Herbst 1989 stehen Kerzen als Zeichen von Friedfertigkeit und kritischer Distanz gegenüber dem Militarismus der DDR vor dem Gebäude.
Zur Zeit der friedlichen Revolution 1989/90:
Dieses Gebäude war eines der meistgehassten in Nordhausen. Hier setzten die Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit die Interessen der Staatsführung mit perfiden Mitteln und Methoden durch. Am 4. Dezember 1989 wurde das Haus gewaltfrei besetzt. So konnten Teile der Akten sichergestellt und im Dezember 1989 in der Bezirksstelle für Unterlagen des ehemaligen Staatssicherheitsdienstes in Erfurt eingelagert werden.
Zur Zeit der friedlichen Revolution 1989/90:
Die Halle der Freundschaft ist das zentrale Kommunikationsforum außerhalb der Kirche in Nordhausen. Am 2. November 1989 findet hier die erste Podiumsdiskussion unter großer Beteiligung statt. Thema ist: Demokratie und Rechtsstaat. Es folgen weitere Diskussionsrunden. Während einer Zusammenkunft am 9. November 1989 gibt es erste Gerüchte über die Öffnung der Berliner Mauer. Zum Thema Umweltschutz findet am 3. Januar 1990 ein letztes Treffen dieser Art statt.
Autor: nnzUm 11 Uhr wird es die feierliche Einweihung des Erinnerungsweges und der Gedenkanlage auf den August-Bebel-Platz geben. Nach der sich anschließenden Kurzführung entlang des Weges wird Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD) mit weiteren Vertretern aus Politik und Kirche um 12 Uhr am Gedenkstein der Synagoge am Pferdemarkt mit einer Kranzniederlegung den Ereignissen der antijüdischen Pogromnacht von 1938 und deren Opfer gedenken.
Um das mutige Widerstandsbekenntnis vieler Bürger im Herbst 1989 wach zu halten, wird ein Erinnerungsweg entlang der Versammlungsorte der Protestbewegung sowie eine Gedenkanlage mit einer Büste August Bebels, des Begründers der Sozialdemokratie, eingeweiht.
An acht Gebäuden und Plätzen im Stadtgebiet von Nordhausen wurden Gedenkstelen errichtet, die entsprechende historische Daten und Informationen zur Bedeutung während der friedlichen Revolution enthalten. Beginnend an der Altendorfer Kirche führt der Erinnerungsweg zum Neuen Rathaus / Ratskeller, Frauenbergkirche, Wehrkreiskommando, August–Bebel Platz, zur ehemaligen Stasizentrale sowie der SED-Kreisleitung und endet an der Halle der Freundschaft.
Die Schülerinnen Mandy Rödiger, Sarah Scholz und Marie Sieckel des Staatlichen Gymnasiums Wilhelm von Humboldt haben im Rahmen einer Seminarfacharbeit zum Thema 20 Jahre friedliche Revolution in Nordhausen ein Führungskonzept für den Erinnerungsweg in Zusammenarbeit mit der Stadt Nordhausen konzipiert und einen entsprechenden Flyer entwickelt.
Altendorfer Kirche St. Maria im Tale
Als dreischiffige Hallenkirche mit hochgotischem Chor erbaut. Seit 1294 von Zisterzienserinnen als Klosterkirche genutzt. Ab 1639 werden der westliche Teil des Kirchenschiffes, der Turm und das nördliche Seitenschiff abgetragen. Neuweihung der Kirche 1697. Altar und Kanzel stammen aus dem 18. Jahrhundert.Zur Zeit der friedlichen Revolution 1989/90:
Die Altendorfer Kirche ist Ausgangspunkt der friedlichen Revolution im Herbst 1989 in Nordhausen. Ab September werden hier regelmäßig Fürbittandachten abgehalten. Während des Fürbittgottesdienstes am 4. Oktober werden erste Informationen über die Gründung des Neuen Forum bekannt gegeben. Am 10. Oktober wird hier eine Sprechergruppe gewählt, die mit politisch Verantwortlichen verhandeln und einen Forderungskatalog übergeben soll. Bereits am 17. Oktober stellt sich eine Initiativgruppe zur Gründung des Neuen Forum in Nordhausen vor.
Der erste Demonstrationszug durch die Stadt nimmt am 24. Oktober nach einem Gottesdienst seinen Beginn vor dieser Kirche. Etwa eintausend Menschen ziehen mit Kerzen zum Rathaus. Weitere Fürbittandachten folgen.
Frauenbergkirche St. Maria auf dem Berg
Ältestes kirchliches Baudenkmal der Stadt. Erstmalige Erwähnung der dreischiffigen, romanischen Pfeilerbasilika um 1200. Die Kirche gehört zu einem Zisterzienser-Nonnenkloster. Nach der Reformation 1536 Jungfrauenschule, seit 1557 städtische Mädchenschule. Bombenangriffe zerstören 1945 das Langhaus. Querhaus und Chor noch vorhanden. Seit der Thüringer Landesgartenschau 2004 ist das Langhaus symbolisch als Metallkonstruktion wieder erstanden.Zur Zeit der friedlichen Revolution 1989/90:
Die evangelische Kirche und das Pfarrhaus dienen 1989/90 der Bürgerinitiative Neues Forum als Podium, das am 22. Oktober in der Frauenbergkirche gegründet wird. Am 27. Oktober findet in der Kirche die erste Vertrauensleutevollversammlung des Neuen Forum statt. Hier treffen sich ab November die Mitglieder der neu gegründeten Sprechergruppe verschiedener Bürgerinitiativen. Es werden offene und kritische Diskussionen geführt.
Am 1. Dezember findet in der Frauenbergkirche das erste Treffen von politischen Verantwortlichen und Oppositionsgruppen statt, das als Geburtsstunde des Runden Tisches in Nordhausen gilt.
Neues Rathaus und Ratskeller
1937 Einweihung des Zweckbaues. Zeitweilig als Geldinstitut genutzt, dient das Gebäude heute der städtischen Verwaltung. 1945 schwer beschädigt, wird das Bauwerk mit verändertem Giebel 1946 wieder aufgebaut. Im Treppenhaus erinnern farbige Bleiglasfenster an Nordhäuser Stadtgeschichte.Zur Zeit der friedlichen Revolution 1989/90:
Im Ratskeller findet im Oktober 1989 ein erstes Gespräch zwischen der Sprechergruppe der Altendorfer Kirche und amtierenden politischen Führungskräften statt. Deren Angebot, Aussprachen an verschiedenen Orten durchzuführen, jedoch die Dienstags-Demonstrationen zu unterlassen, wird vom Fürsprecherkreis abgelehnt. Am 24. Oktober 1989 endet die erste spontane Massenkundgebung auf dem Platz vor dem Rathaus. Entgegen aller Befürchtungen verläuft diese friedlich. Nach dem gemeinsamen Singen eines Liedes der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung
we shall overcome löst sich die Menge auf.
August-Bebel-Platz
Im Mittelalter befindet sich hier eine Tongrube, aus der die Nordhäuser Töpfer ihren Ton beziehen. Nach 1838 wird die mit Wasser gefüllte Grube zugeschüttet. 1895 erhält der Platz den Namen Neumarkt. Seit 1945 ist er nach August Bebel, einem der Gründungsväter der deutschen Sozialdemokratie, benannt.Zur Zeit der friedlichen Revolution 1989/90:
Zentraler Ort der friedlichen Revolution in Nordhausen. Seit dem 31. Oktober 1989 finden die friedlichen Demonstrationen durch Nordhausen hier ihren Ausklang. Obwohl die erste Kundgebung nur durch mündliche Propaganda bekannt gegeben wird, folgen dem Aufruf ca. 25.000 Menschen. In der Folge versammeln sich jeden Dienstag bis zu 40.000 Personen auf diesem Platz. Bürgerinnen und Bürger erhalten die Möglichkeit, bestehende Missstände offen anzuprangern. Im Februar 1990 finden die Nordhäuser Dienstags-Demonstrationen ihren Abschluss.
SED-Kreisleitung
Mitte des 19. Jahrhunderts als Privathaus des Nordhäuser Lehrers und Erfinders des Zeigertelegrafen Ephraim August Kramer errichtet. Nach dessen Tod erwirbt ein Malzfabrikant das Grundstück. Während der DDR-Zeit trägt das Gebäude den Namen Ernst-Thälmann-Haus und ist Sitz der SED-Kreisleitung. Seit 1990 ist hier die Industrie- und Handelskammer ansässig.Zur Zeit der friedlichen Revolution 1989/90:
Dieses Gebäude stellt in der DDR-Zeit die politische Machtzentrale für den Kreis Nordhausen dar. Der Alleinvertretungsanspruch der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands löst als einer von vielen Gründen im Jahr 1989 die friedliche Revolution in Nordhausen aus. Viele tausend Menschen ziehen im Herbst des gleichen Jahres demonstrierend mit Sprechchören vor das Bauwerk. Regelmäßig tagt hier der Runde Tisch unter Leitung von Propst Joachim Jäger.
Wehrkreiskommando
Das Behördenhaus wird im Jahr 1936 erbaut. Die staatliche Kreiskasse, das Hochbauamt, das Katasteramt und das Kulturamt sind bis zum Jahr 1945 in diesem Haus beheimatet. Danach dient das Bauwerk bis 1990 als Wehrkreiskommando.Zur Zeit der friedlichen Revolution 1989/90:
An diesem Ort werden alle jungen wehrpflichtigen Männer des Kreises Nordhausen auf ihre Diensttauglichkeit für die Nationale Volksarmee gemustert. Während der Dienstags-Demonstrationen im Herbst 1989 stehen Kerzen als Zeichen von Friedfertigkeit und kritischer Distanz gegenüber dem Militarismus der DDR vor dem Gebäude.
Stasi-Zentrale
In den 70er Jahren in Plattenbauweise errichtet. In diesem Bau ist bis zur friedlichen Revolution die Staatssicherheit ansässig. Nach teilweisem Abriss und Umbau im Jahre 2006 ist das Bauwerk heute ein Ort für attraktives Wohnen.Zur Zeit der friedlichen Revolution 1989/90:
Dieses Gebäude war eines der meistgehassten in Nordhausen. Hier setzten die Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit die Interessen der Staatsführung mit perfiden Mitteln und Methoden durch. Am 4. Dezember 1989 wurde das Haus gewaltfrei besetzt. So konnten Teile der Akten sichergestellt und im Dezember 1989 in der Bezirksstelle für Unterlagen des ehemaligen Staatssicherheitsdienstes in Erfurt eingelagert werden.
Halle der Freundschaft
Auf dem Petersberg stand von 1979 bis 2001 eine in Plattenbauweise errichtete Sport- und Mehrzweckhalle.Zur Zeit der friedlichen Revolution 1989/90:
Die Halle der Freundschaft ist das zentrale Kommunikationsforum außerhalb der Kirche in Nordhausen. Am 2. November 1989 findet hier die erste Podiumsdiskussion unter großer Beteiligung statt. Thema ist: Demokratie und Rechtsstaat. Es folgen weitere Diskussionsrunden. Während einer Zusammenkunft am 9. November 1989 gibt es erste Gerüchte über die Öffnung der Berliner Mauer. Zum Thema Umweltschutz findet am 3. Januar 1990 ein letztes Treffen dieser Art statt.

