nnz-Forum: Rehabilitierung der DDR?
Montag, 02. November 2009, 12:30 Uhr
Ende vergangener Woche hatte die Partei DIE LINKE zu ihrer Gesamtmitgliederversammlung geladen. Es standen ein Dutzend Wahlen an, vom Vorstand, bis hin zu den vielen Gremien, die so eine Partei nun mal hat. Ein nnz-Leser war dabei und macht sich so seine Gedanken...
Aufgefallen ist mir, dass einige der schärfsten innerparteilichen Kritiker nicht anwesend waren. Wie üblich wurde am Anfang über die Geschäftsordnung und die Tagesordnung abgestimmt. Angeblich um Zeit zu sparen, wurde vorgeschlagen, die Diskussionsrunde – falls es einer solchen überhaupt bedürfe(!) – in die Pausen zwischen die vielen Wahlgänge zu legen. Es gab dagegen auch keine Einwände. So wurde von Anfang an klar gestellt, dass keine Diskussion erwünscht ist. Diesen Eindruck bekam ich jedenfalls. Alexander Scharff verlas eine Liste der 23 Genossen, die in den letzten zwei Jahren verstorben sind. Man gedachte ihrer mit einer Schweigeminute.
Der Rechenschaftsbericht war – wie zu erwarten – voll von viel Eigenlob und gegenseitigem Schulterklopfen der Genossen. Herr Bachmann kritisierte die Regierungsparteien in Berlin und Erfurt. Sie würden Arbeitsplätze vernichten und seien für den Krieg in Afghanistan. Herr Schäuble und seine Erfahrung mit schwarzen Kassen wurde auch nicht vergessen. Auf die Auswirkungen der Hartz-Gesetze, die Frau Grünwald sonst gern als grottenschlecht geißelte, wurde nicht eingegangen.
Ich bekomme immer mehr den Eindruck, die Linkspartei hat sich schon lange damit arrangiert. Erinnert sei hier an Klaus Ernst (ehemaliges WASG Mitglied), der bei einer Versammlung in Cham seine Genossen vor zu weitreichenden sozialen Forderungen gewarnt hat. Solche wären angeblich abträglich für die Partei. Ja, und daran halten sich die Nordhäuser Genossen. Die zweite Beigeordnete, Frau Grünwald, fordert doch im Kreistag immer wieder mal, die Kosten der Unterkunft zu senken.
Zu erwähnen wäre, das Herr Scharff, nachdem er das Bundestagsmandat an Herrn Grund verloren hat, es mit einer Karriere bei der Gewerkschaft versucht. Zu diesem Zweck beabsichtigt er, ein einjähriges Seminar in Frankfurt zu absolvieren. Überhaupt habe ich den nicht unbegründeten Eindruck, der junge und politisch talentierte Scharff könnte sich längst durch seine altbackene Nordhäuser Partei hindurch gedacht haben. Hätte ein Linker allerdings nur den Hauch einer Chance gegen den CDU-Abgeordneten Manfred Grund gehabt, wären wohl verdientere Genossen in den Genuss einer Bundestagskandidatur gekommen.
Frau Hummitzsch ging auf das Gerücht ein, wonach Herr Scharff beabsichtige zur SPD überzulaufen, was großes Gelächter hervorrief. Für die Nordhäuser Genossen bleibt aber zu hoffen, dass ihnen das Lachen nicht im Halse stecken bleibt, denn seine engstirnigen Mentoren könnten seiner Karriere nicht nur nützlich sein.
Auf eine sich anbahnende Wachablösung deutete auch die Verabschiedung des langjährigen Eichsfelder Genossen Werner Buse in den Ruhestand hin. In der Lobesrede hatte Herr Scharff nicht vergessen, die Verdienste von Werner Buse hervorzuheben, indem er seine (SED-)Karriere vom Pionier bis zur SED-Kreisleitung würdigte. Bei der Verabschiedung Walter Ulbrichts durch Erich Honecker war es bekanntlich ähnlich.
Bei der ehrfürchtigen Stimmung im Raum hatte ich das Gefühl, als wäre Frau Honecker geistig anwesend. Vielleicht hat ja der eine oder andere eine Glückwunschkarte an sie zum 60. Jahrestag der DDR geschickt. Auch in der Nordhäuser Parteigruppe gibt es bekanntlich Personen, die sich einmal eine ähnliche Karriere – freilich ohne ein Zwangsexil in Chile – erträumt haben.
Harald Buntfuß, Nordhausen
Aufgefallen ist mir, dass einige der schärfsten innerparteilichen Kritiker nicht anwesend waren. Wie üblich wurde am Anfang über die Geschäftsordnung und die Tagesordnung abgestimmt. Angeblich um Zeit zu sparen, wurde vorgeschlagen, die Diskussionsrunde – falls es einer solchen überhaupt bedürfe(!) – in die Pausen zwischen die vielen Wahlgänge zu legen. Es gab dagegen auch keine Einwände. So wurde von Anfang an klar gestellt, dass keine Diskussion erwünscht ist. Diesen Eindruck bekam ich jedenfalls. Alexander Scharff verlas eine Liste der 23 Genossen, die in den letzten zwei Jahren verstorben sind. Man gedachte ihrer mit einer Schweigeminute.
Der Rechenschaftsbericht war – wie zu erwarten – voll von viel Eigenlob und gegenseitigem Schulterklopfen der Genossen. Herr Bachmann kritisierte die Regierungsparteien in Berlin und Erfurt. Sie würden Arbeitsplätze vernichten und seien für den Krieg in Afghanistan. Herr Schäuble und seine Erfahrung mit schwarzen Kassen wurde auch nicht vergessen. Auf die Auswirkungen der Hartz-Gesetze, die Frau Grünwald sonst gern als grottenschlecht geißelte, wurde nicht eingegangen.
Ich bekomme immer mehr den Eindruck, die Linkspartei hat sich schon lange damit arrangiert. Erinnert sei hier an Klaus Ernst (ehemaliges WASG Mitglied), der bei einer Versammlung in Cham seine Genossen vor zu weitreichenden sozialen Forderungen gewarnt hat. Solche wären angeblich abträglich für die Partei. Ja, und daran halten sich die Nordhäuser Genossen. Die zweite Beigeordnete, Frau Grünwald, fordert doch im Kreistag immer wieder mal, die Kosten der Unterkunft zu senken.
Zu erwähnen wäre, das Herr Scharff, nachdem er das Bundestagsmandat an Herrn Grund verloren hat, es mit einer Karriere bei der Gewerkschaft versucht. Zu diesem Zweck beabsichtigt er, ein einjähriges Seminar in Frankfurt zu absolvieren. Überhaupt habe ich den nicht unbegründeten Eindruck, der junge und politisch talentierte Scharff könnte sich längst durch seine altbackene Nordhäuser Partei hindurch gedacht haben. Hätte ein Linker allerdings nur den Hauch einer Chance gegen den CDU-Abgeordneten Manfred Grund gehabt, wären wohl verdientere Genossen in den Genuss einer Bundestagskandidatur gekommen.
Frau Hummitzsch ging auf das Gerücht ein, wonach Herr Scharff beabsichtige zur SPD überzulaufen, was großes Gelächter hervorrief. Für die Nordhäuser Genossen bleibt aber zu hoffen, dass ihnen das Lachen nicht im Halse stecken bleibt, denn seine engstirnigen Mentoren könnten seiner Karriere nicht nur nützlich sein.
Auf eine sich anbahnende Wachablösung deutete auch die Verabschiedung des langjährigen Eichsfelder Genossen Werner Buse in den Ruhestand hin. In der Lobesrede hatte Herr Scharff nicht vergessen, die Verdienste von Werner Buse hervorzuheben, indem er seine (SED-)Karriere vom Pionier bis zur SED-Kreisleitung würdigte. Bei der Verabschiedung Walter Ulbrichts durch Erich Honecker war es bekanntlich ähnlich.
Bei der ehrfürchtigen Stimmung im Raum hatte ich das Gefühl, als wäre Frau Honecker geistig anwesend. Vielleicht hat ja der eine oder andere eine Glückwunschkarte an sie zum 60. Jahrestag der DDR geschickt. Auch in der Nordhäuser Parteigruppe gibt es bekanntlich Personen, die sich einmal eine ähnliche Karriere – freilich ohne ein Zwangsexil in Chile – erträumt haben.
Harald Buntfuß, Nordhausen
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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