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Zwischen den Welten

Donnerstag, 22. Oktober 2009, 07:02 Uhr
Erstmals in Deutschland wird im Panorama Museum bei Bad Frankenhausen mit mehr als 160 Kupferstichen und Radierungen Mischtechniken, Zeichnungen, Aquarellen und auch Ölgemälden eine umfassende Werkschau des französischen Künstlers Jean-Pierre Velly (1943-1990) aus insgesamt 25 Schaffensjahren präsentiert....


Die Werkschau von Jean-Pierre Velly steht unter dem Leitthema "Zwischen den Welten" und wird vom 31. Oktober 2009 bis 07. Februar 2010 im Panorama Museum Bad Frankenhausen gezeigt. Die Vernissage findet am Samstag, den 31. Oktober 2010 um 16.00 Uhr im Panoramamuseum statt. Kuratoren sind Julie und Pierre Higonnet (Farfa und Paris).

Das Schaffen von Jean-Pierre Velly würdigt der Leiter des Panoramamuseums, Gerd Lindner, wie folgt:

Nur rund dreihundert unikale Arbeiten und knapp einhundert grafische Blätter sind von Jean-Pierre Velly bekannt. Mehr hat er nicht hinterlassen, ein überaus rares, aber auch intensives, beeindruckendes und überzeugendes Werk, dessen Aufarbeitung lange noch nicht abgeschlossen ist und dessen angemessene Würdigung im Blick auf seinen kunstgeschichtlichen Stellenwert noch aussteht.

Jean-Pierre Velly, der mit nur 46 Jahren 1990 in seiner Wahlheimat Italien auf so tragische wie mysteriöse Weise ums Leben kam, ist gleichwohl bereits jetzt als einer der bedeutendsten Visionäre in der Kunst des 20. Jahrhunderts anzusehen. Er war nicht nur ein eminenter Grafiker, sondern auch Zeichner, der in seinem altmeisterlich beherrschten Können, seiner Formauffassung, bildnerischen Virtuosität und Wahrhaftigkeit unmittelbar an die ganz großen der Vergangenheit, speziell der Renaissance und des Manierismus, anschließt.

Dürers Schaffen war ihm sicher ebenso vertraut wie die Hochleistungen der italienischen und französischen Schule oder die Grafik jener Zeit. Seine überaus einfühlsamen Stillleben und Landschaften, die sichtlich von bedrängender Melancholie und Transzendenz durchdrungen sind, offenbaren wiederum deutliche Bezüge zur nordischen Romantik eines Caspar David Friedrich. Die Lichträume eines Turner oder Lorrain sind vorgetragen mit der Präzision eines Peintre-graveurs, der den Stichel und die Radiernadel perfekt zu handhaben weiß.


Rosa in der Sonne, 1968 Kupferstich und Radierung auf Bütten, 330 x 500 mm, Sammlung Pierre Higonnet, Farfa

Doch bei aller Rückbesinnung auf die »Alten« schuf Velly ein sehr zeitgemäßes, ja modernes Œuvre, das Elemente einer ganz eigenen subjektiv-existentialistischen Seinsauffassung bruchlos mit der gesteigerten Empfindsamkeit einer unmittelbaren
Naturanschauung verbindet, die sich zu komplexen Sinnbildern des Seins verdichtet. Realität und Traumwelt, Diesseits und Jenseits, Zeit und Ewigkeit bestimmen die Pole, zwischen denen sich das Werk des Künstlers in seiner Determination zum Tod hin entfaltet.

Melancholie und Transzendierung des Sichtbaren sind zwei der bestimmenden Wesensmerkmale dieser Kunst, die ein Weltbild beschreibt, das überaus sinnlich, verletzbar und emotional, das existentiell erfahren, aber auch in höchstem Grade geistig ist.
Gerd Lindner
Autor: khh

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