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Weg vom Zuckerhut

Mittwoch, 14. Oktober 2009, 13:18 Uhr
Was bringt einen 19jährigen dazu, zehntausend Kilometer zu einem Arbeitsplatz zurückzulegen und fern der Heimat zu wohnen? Es ist die Liebe zum Beruf, die Begeisterung fürs Tanzen. Die nnz mit einem Porträt von Ilka Kühn...

Vom Zuckerhut an den Südharz (Foto: I. Kühn) Vom Zuckerhut an den Südharz (Foto: I. Kühn)
Jonathan und Letitia

Jonathan dos Santos ist sie anzumerken, nicht nur, wenn er sich im Ballettsaal oder auf der Bühne bewegt. Das ist seit vielen Jahren schon so. Mit sechs Jahren begann er zu Tanzen, als 10jähriger ging er zur Ballettschule. In Brasilien, in São Paulo. Nicht einmal hundert Kilometer entfernt ist er geboren, in Barra Bonita.

Zur Ballettschule kam er auf Empfehlung einer Lehrerin. Für einen jungen Brasilianer ist es zwar nicht ungewöhnlich, zum Ballett zu gehen, aber für seine Umgebung schon. Da wird oftmals noch gesagt, das sei nur was für Mädchen. Doch inzwischen haben sich seine Freunde längst daran gewöhnt, dass er Tänzer geworden ist. Und sie bewundern ihn sogar.

Dass Jonathan dos Santos sehr talentiert ist, hat auch die Nordhäuser Ballettdirektorin Jutta Wörne bei ihrem Aufenthalt in Brasilien im Sommer gespürt. Er war einer der rund 200 Teilnehmer beim Internationalen Tanzfestival, das ein Sprungbrett für die eigene Laufbahn sein kann. Bei Jonathan dos Santos war es so. Das Festival brachte ihm bereits ein einjähriges Praktikum in Kanada 2008 und nun ein Festengagement in der Ballettkompanie der Theater Nordhausen/Loh-Orchester Sondershausen GmbH ein.

Bis er die Flugreise nach Deutschland antreten konnte, vergingen noch bange Stunden. Die Papiere ließen auf sich warten und der 19jährige glaubte schon nicht mehr an seinen Aufenthalt in Deutschland. Dazu kam noch eine aufregende Fahrt, bis er endlich im Südharz war. Dort empfing ihn die Tänzerin Letícia Forattini Martins, die ebenfalls durch dieses Tanzfestival vor drei Jahren nach Deutschland kam, zunächst nach Magdeburg und später nach Nordhausen und seitdem hier der Ballettkompanie angehört. Auch ihre Heimat ist Brasilien.

Das macht es Jonathan dos Santos leichter, sich hier einzuleben. Beide teilen sich eine Wohnung, haben Freude am Kochen und pflegen privat die portugiesische Muttersprache. Derzeit ist der Brasilianer mit seinen erst 19 Jahren das Nesthäkchen in der Kompanie. Die deutsche Sprache ist ihm noch fremd, aber der Tanz, die Körperbewegung sei auch ohne Worte zu verstehen, sagt er lachend. Und wenn er lacht, muss man einfach mitlachen.

Auf der Bühne wird man Letícia Forattini Martins und Jonathan dos Santos jetzt in dem zauberhaften Ballett „Dornröschen“ im Theater Nordhausen bewundern können, sie als Dornröschen, ihn als einen der Prinzen. Premiere ist am Freitag, 16. Oktober 2009. Die nächsten Vorstellungen folgen am 25. und 31. Oktober jeweils um 19.30 Uhr. Karten gibt es an der Theaterkasse (Tel. 0 36 31/98 34 52) und an allen Vorverkaufsstellen der Theater Nordhausen/Loh-Orchester Sondershausen GmbH.
Ilka Kühn
Autor: nnz/kn

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