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Nicht alle für die Stillzeit geeignet

Samstag, 26. September 2009, 11:40 Uhr
Nehmen stillende Frauen Arzneimittel ein, bekommt das Baby häufig auch eine Portion. Denn neben lebensnotwendigen Nährstoffen können auch Medikamente, die die Mutter einnimmt, in die Milch übergehen. Julie Garke mit den wichtigsten Informationen...


Vor allem solche Substanzen, die fettlöslich sind, gelangen bevorzugt in die Muttermilch und so auch in den Körper des Kindes. Auf der anderen Seite können Arzneimittel wie Asthmasprays, Antibiotika oder auch Bluthochdruckmittel für die junge Mutter unverzichtbar sein. Daher ist es gerade für diese jungen Frauen wichtig, genau über ihre Medikamente informiert zu werden. Wertvolle Hilfe können dabei Thüringens Apothekerinnen und Apotheker leisten.

"Im kindlichen Organismus werden die Arzneimittel teilweise langsamer oder schneller abgebaut als bei Erwachsenen", erläutert Apothekerin Julie Garke, Pressesprecherin der Region Nordhausen. Bei Neugeborenen ist der Stoffwechsel- und Ausscheidungsprozess in den ersten Wochen nur eingeschränkt funktionsfähig - Substanzen können sich daher im Körper des Kindes anreichern. "Das Medikament der Mutter kann so gefährlich für das Kind sein."

Die Anwendung von Medikamenten kann jedoch nicht immer vermieden werden. "Frauen mit chronischen Erkrankungen wie z. B. Asthma, Diabetes oder Bluthochdruck sind auf die tägliche Einnahme ihrer Arzneimittel angewiesen", sagt Garke. Auch bei akuten Infektionen sei die medikamentöse Behandlung mit Antiinfektiva mitunter unverzichtbar.

Jede Arzneimitteltherapie sollte stets individuell abgewogen und mit dem Arzt oder Apotheker abgesprochen werden, empfiehlt Garke. "Vor der Einnahme muss geklärt werden, ob ein Arzneimittel dringend notwendig ist oder ob die Therapie auch auf die Zeit nach dem Abstillen verschoben werden kann", so der Apotheker. Werden doch Medikamente eingesetzt, muss die Mutter nicht zwangsläufig auf das Stillen verzichten. Garke: "Meist gibt es auch ein für das Baby verträgliches Arzneimittel, das dann angewendet werden kann."

Auch bekannte und scheinbar harmlose Medikamente wie Schmerzmittel sollten nicht ohne Absprache mit dem Arzt oder Apotheker eingenommen werden. So kann ASS bei Kindern schwere Nebenwirkungen hervorrufen, Ibuprofen oder Paracetamol zeigen diese Eigenschaft hingegen nicht. Grundsätzlich sollte jedoch immer die niedrigste empfohlene Dosis angewendet oder auf eine lokale Therapie, z.B. mit einer schmerzstillenden Salbe ausgewichen werden.

Aber auch scheinbar milde Arzneimittel wie Heilpflanzen und Kräuter sollten nicht bedenkenlos angewendet werden. Deren ätherische Öle können in die Muttermilch übergehen und - wie auch andere Medikamente - den Geschmack der Milch verändern. "Wollen Kinder nicht mehr trinken, kann das an dem eingenommenen Arzneimittel liegen", so Garke. Außerdem beeinflussen manche Kräuter die Milchmenge: Während Salbei und Pfefferminze die Milchproduktion hemmen, wird sie durch Fenchel, Anis und Kümmel angeregt.
Autor: nnz

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