In knapp 11 Jahren ist alles vorbei....
Mittwoch, 16. September 2009, 07:02 Uhr
.... nein, es ist kein Weltuntergang. Allerdings dürften viele Bürger es als so etwas ähnliches empfinden. Mindestens 2020 will die EU auch den letzten analogen Radiosender ausgeschaltet wissen, meint Jürgen Wiethoff...
Richtig, Sie können dann jedes heute gebräuchliche Radio, vom Duschradio für den einstelligen Eurobetrag bis zur modernsten Stereoanlage in Nordhausen in die Lebenshilfe bringen. Ein – vermutlich nur kleiner – Trost: Von der Stereoanlage brauchen Sie, mal etwas Vernunft bei der Gestaltung der Schnittstellen und Anschlüsse vorausgesetzt, nur den Tuner zu entsorgen.
Das Schlimme daran ist auch, dass Ihnen heute noch keiner sagen will, was Sie dann wie empfangen können. Das Kompetenz- und Zuständigkeitsgerangel ist schier unerträglich geworden. Befindlichkeiten und unangebrachte Euphorie wie bei der Einführung von DVB-T für das terrestrische Fernsehen bestimmen die Szene. Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten haben nichts dazugelernt.
Die privaten lachen sich abwartend eins ins Fäustchen. Vermutlich haben sie, vertreten durch den VPRT (Verband Privater Rundfunk- und Telemedien e. V.), längst ihre Umstellungsstrategien beisammen, um dann kostengünstig auf jeden Zug aufspringen zu können. Gegen DAB haben sie sich zunächst einmal ausgesprochen.
Dabei ist DAB seit 19 Jahren auch in Deutschland eingeführt und ist bis heute das beste System für digitalen Radioempfang. In Dänemark sind flächendeckend (Stand Februar 2009) bis zu14 Radioprogramme zu empfangen. Die Empfänger, vorwiegend in Koffer- bis Taschenradio-Größe, erfreuen mit ihrem Klang in vielen Geschäften die Kunden. Dank althergebrachter Schnittstellen versorgen sie in größeren Geschäften auch schon mal die fest eingebaute Lautsprecheranlage oder eine normale HiFi-Anlage.
Meine neugierigen Fragen in einem Fachgeschäft auf der Insel Falster wurden von dem gut deutsch sprechenden Verkäufer sehr staunend beantwortet. Er konnte sich nicht vorstellen, dass in Deutschland etliche DAB-Sender (Ja, auch auf Torfhaus und Brocken!) in Betrieb sind, die (fast) keiner hört. Warum das so ist, klang für ihn vermutlich wie ein Märchen von Hans-Christian Andersen.
Hier so kurz wie möglich die wahre Geschichte: Nachdem die diversen Grundsatzdiskussionen von Technikern und Medienpolitikern beendet waren, einigte man sich auf das System DAB. Allerdings waren die nördlichen Sendeanstalten erst mal dagegen, weil die Wiege von DAB in Bayern stand. Dann fehlten die Frequenzen. Dann einigte man sich auf eine Räumung des Fernsehkanals 12, musste dort aber die Sendeleistung beschränken, weil die benachbarten Frequenzen der Bundeswehr gefährdet schienen. Dann gab es gar keine Empfangsgeräte zu kaufen, dann keine tragbaren oder mobilen Geräte und die es gab – vor allem Autoradios von einem namhaften deutschen Hersteller – konnte oder wollte keiner bezahlen.
Mittlerweile war den ARD-Intendanten eingefallen, dass sie ja im heutigen UKW-Bereich die stärkeren Sender haben als die Privaten und das auch dürfen. Dank Gebührenpflicht für alles, was irgendwie nach Besitz eines Radios aussieht, können sie sich den Betrieb dieser schönen lauten Sender auch leisten. Also sperrte die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten erst mal den Geldhahn für die Erweiterung von Sendekanälen und Leistung für DAB, obwohl das europaweit längst technisch abgestimmt und genehmigt ist.
Die in Deutschland abgestrahlten 7 bis 8 Programme erfreuen sich dank ihrer Auswahl auch einer recht geringen Einschaltquote, so dass das im Moment nur wenige potentielle Hörer stört. Die erwarteten Werbeeinnahmen sind klein, also darf auch die Erwartungshaltung der Hörer und Werbenden getrost klein sein.
Seit der Einführung von DVB-T wurden weitgehend die VHF-Frequenzen (Kanäle 5 bis 11) für DAB geräumt. Lediglich in Berlin gibt es diesbezüglich gleich 3 Extrawürste. Auf Kanal 5 und 7 gibt’s jetzt je 4 Programme in DVB-T-Fernsehen. Die meisten privaten Fernsehprogramme sind dort auch über diesen Standard zu empfangen. Und zum guten Schluss habe ich auch schon bis zu 32 Radioprogramme quer durch den deutschen Programmwald über DVB-T in Berlin empfangen. Auf Kanal 59, wo im restlichen Deutschland einige Fernsehsender strahlen. Einheitliche Kanalbelegung und Planung der Standards sieht irgendwie anders aus.
Ob das DAB-Märchen mal ein gutes deutsches Ende hat, vermag heute noch keiner zu sagen. Hoffentlich für die Planer nicht wie bei der Verballhornisierung des Grimmschen Endes: .... und wenn sie nicht gestorben sind, dann wird es langsam Zeit.
Was soll man dem Radiohörer mit einer Lebenserwartung über 2020 hinaus nun empfehlen? Über die digitalen Astra-Satelitten gibt’s eine Vielzahl öffentlich-rechtlicher und einige private Programme in ausgezeichneter Qualität schon heute zu empfangen. Jeder digitale Sat-Receiver bietet diese zusätzlich zu den TV-Programmen auch an. Ihre Cinch-Ausgänge passen an jeden entsprechenden Eingang der heutigen Stereo-Anlagen. Standard-Kabel zum Verbinden gibt’s in jedem Supermarkt, im Fachmarkt natürlich auch.
Webradio? Wenn Sie DSL-Flatrate haben, geht das im Moment mit den entsprechenden Geräten und jedem gängigen Internet-Browser auch. Das Senderangebot ist riesengroß, die Qualität entspricht meistens der einer CD. Ob aber die Server und/oder Mobiltelefonnetze 2020 80 Millionen Deutsche mit Radio versorgen können, erscheint heute mehr als ungewiss.
Und im Auto? Da lassen Sie sich dann mal das DAB-Märchen von Ihren Mitfahrern erzählen und träumen von der guten, alten UKW-FM-Radiozeit mit Verkehrsfunk, TMC-Staumelder usw..
Irgendwo habe ich gelesen, dass Deutschland im Digitalisierungs- und HDTV (das ist das hochauflösende Fernsehen der Zukunft)-Ranking hinter Malta liegt. Das wäre doch für die Verantwortlichen gerade jetzt im Frühherbst eine ideale Studienreise wert. Natürlich auf Kosten der Gebührenzahler.
Jürgen Wiethoff
Autor: nnzRichtig, Sie können dann jedes heute gebräuchliche Radio, vom Duschradio für den einstelligen Eurobetrag bis zur modernsten Stereoanlage in Nordhausen in die Lebenshilfe bringen. Ein – vermutlich nur kleiner – Trost: Von der Stereoanlage brauchen Sie, mal etwas Vernunft bei der Gestaltung der Schnittstellen und Anschlüsse vorausgesetzt, nur den Tuner zu entsorgen.
Das Schlimme daran ist auch, dass Ihnen heute noch keiner sagen will, was Sie dann wie empfangen können. Das Kompetenz- und Zuständigkeitsgerangel ist schier unerträglich geworden. Befindlichkeiten und unangebrachte Euphorie wie bei der Einführung von DVB-T für das terrestrische Fernsehen bestimmen die Szene. Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten haben nichts dazugelernt.
Die privaten lachen sich abwartend eins ins Fäustchen. Vermutlich haben sie, vertreten durch den VPRT (Verband Privater Rundfunk- und Telemedien e. V.), längst ihre Umstellungsstrategien beisammen, um dann kostengünstig auf jeden Zug aufspringen zu können. Gegen DAB haben sie sich zunächst einmal ausgesprochen.
Dabei ist DAB seit 19 Jahren auch in Deutschland eingeführt und ist bis heute das beste System für digitalen Radioempfang. In Dänemark sind flächendeckend (Stand Februar 2009) bis zu14 Radioprogramme zu empfangen. Die Empfänger, vorwiegend in Koffer- bis Taschenradio-Größe, erfreuen mit ihrem Klang in vielen Geschäften die Kunden. Dank althergebrachter Schnittstellen versorgen sie in größeren Geschäften auch schon mal die fest eingebaute Lautsprecheranlage oder eine normale HiFi-Anlage.
Meine neugierigen Fragen in einem Fachgeschäft auf der Insel Falster wurden von dem gut deutsch sprechenden Verkäufer sehr staunend beantwortet. Er konnte sich nicht vorstellen, dass in Deutschland etliche DAB-Sender (Ja, auch auf Torfhaus und Brocken!) in Betrieb sind, die (fast) keiner hört. Warum das so ist, klang für ihn vermutlich wie ein Märchen von Hans-Christian Andersen.
Hier so kurz wie möglich die wahre Geschichte: Nachdem die diversen Grundsatzdiskussionen von Technikern und Medienpolitikern beendet waren, einigte man sich auf das System DAB. Allerdings waren die nördlichen Sendeanstalten erst mal dagegen, weil die Wiege von DAB in Bayern stand. Dann fehlten die Frequenzen. Dann einigte man sich auf eine Räumung des Fernsehkanals 12, musste dort aber die Sendeleistung beschränken, weil die benachbarten Frequenzen der Bundeswehr gefährdet schienen. Dann gab es gar keine Empfangsgeräte zu kaufen, dann keine tragbaren oder mobilen Geräte und die es gab – vor allem Autoradios von einem namhaften deutschen Hersteller – konnte oder wollte keiner bezahlen.
Mittlerweile war den ARD-Intendanten eingefallen, dass sie ja im heutigen UKW-Bereich die stärkeren Sender haben als die Privaten und das auch dürfen. Dank Gebührenpflicht für alles, was irgendwie nach Besitz eines Radios aussieht, können sie sich den Betrieb dieser schönen lauten Sender auch leisten. Also sperrte die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten erst mal den Geldhahn für die Erweiterung von Sendekanälen und Leistung für DAB, obwohl das europaweit längst technisch abgestimmt und genehmigt ist.
Die in Deutschland abgestrahlten 7 bis 8 Programme erfreuen sich dank ihrer Auswahl auch einer recht geringen Einschaltquote, so dass das im Moment nur wenige potentielle Hörer stört. Die erwarteten Werbeeinnahmen sind klein, also darf auch die Erwartungshaltung der Hörer und Werbenden getrost klein sein.
Seit der Einführung von DVB-T wurden weitgehend die VHF-Frequenzen (Kanäle 5 bis 11) für DAB geräumt. Lediglich in Berlin gibt es diesbezüglich gleich 3 Extrawürste. Auf Kanal 5 und 7 gibt’s jetzt je 4 Programme in DVB-T-Fernsehen. Die meisten privaten Fernsehprogramme sind dort auch über diesen Standard zu empfangen. Und zum guten Schluss habe ich auch schon bis zu 32 Radioprogramme quer durch den deutschen Programmwald über DVB-T in Berlin empfangen. Auf Kanal 59, wo im restlichen Deutschland einige Fernsehsender strahlen. Einheitliche Kanalbelegung und Planung der Standards sieht irgendwie anders aus.
Ob das DAB-Märchen mal ein gutes deutsches Ende hat, vermag heute noch keiner zu sagen. Hoffentlich für die Planer nicht wie bei der Verballhornisierung des Grimmschen Endes: .... und wenn sie nicht gestorben sind, dann wird es langsam Zeit.
Was soll man dem Radiohörer mit einer Lebenserwartung über 2020 hinaus nun empfehlen? Über die digitalen Astra-Satelitten gibt’s eine Vielzahl öffentlich-rechtlicher und einige private Programme in ausgezeichneter Qualität schon heute zu empfangen. Jeder digitale Sat-Receiver bietet diese zusätzlich zu den TV-Programmen auch an. Ihre Cinch-Ausgänge passen an jeden entsprechenden Eingang der heutigen Stereo-Anlagen. Standard-Kabel zum Verbinden gibt’s in jedem Supermarkt, im Fachmarkt natürlich auch.
Webradio? Wenn Sie DSL-Flatrate haben, geht das im Moment mit den entsprechenden Geräten und jedem gängigen Internet-Browser auch. Das Senderangebot ist riesengroß, die Qualität entspricht meistens der einer CD. Ob aber die Server und/oder Mobiltelefonnetze 2020 80 Millionen Deutsche mit Radio versorgen können, erscheint heute mehr als ungewiss.
Und im Auto? Da lassen Sie sich dann mal das DAB-Märchen von Ihren Mitfahrern erzählen und träumen von der guten, alten UKW-FM-Radiozeit mit Verkehrsfunk, TMC-Staumelder usw..
Irgendwo habe ich gelesen, dass Deutschland im Digitalisierungs- und HDTV (das ist das hochauflösende Fernsehen der Zukunft)-Ranking hinter Malta liegt. Das wäre doch für die Verantwortlichen gerade jetzt im Frühherbst eine ideale Studienreise wert. Natürlich auf Kosten der Gebührenzahler.
Jürgen Wiethoff
