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Betrachtet: Der Spagat an der Basis

Montag, 14. Oktober 2002, 09:06 Uhr
Nordhausen (nnz). Die PDS hat ihren Parteitag hinter sich gebracht. Die Ergebnisse sind bekannt, ein Frage jedoch bleibt: Was wird aus dieser Partei?


Die Partei der demokratischen Sozialisten befindet sich in der Krise. Die ist schlimmer als all das, mit dem sich Führung und Basis bislang auseinandersetzen mussten. Es geht schlichtweg ums Überleben. Und gerade das wird immer schwieriger, vor allem mit Gabi Zimmer an der Spitze.

Die Partei profitierte in den 90er Jahren vor allem von Köpfen. Ob nun Bisky oder Gysi, beide hatten die Partei geordnet. Der eine nach innen, der andere nach außen. Nichts, aber auch gar nichts ist davon übriggeblieben. Mit der Übernahme der Partei-Macht durch Gabi Zimmer verkam die PDS zu einer Partei der Formalien, statt zur politischen Kraft mit eigener Außenwirkung. Als die Flut an der Elbe und die Irak-Politik von Schröder den Sozialisten das Themen-Wasser abgruben, wurde überhaupt nicht mehr reagiert. Selbst die Plakate mit dem Slogan „Das Leben ist eine Party“ blieben hängen, vor allem in Sachsen und Sachsen-Anhalt. Und eine fehlende Neuauflage der „Rote-Socken-Kampagne“ der CDU machte den PDS-lern das wahlpolitische Leben doppelt schwer.

Statt dessen setzte sich in Gera erneut die alte Garde durch. Lieber Opposition machen. Da kann man dem Volk erzählen, was bei den Regierenden alles schief läuft, ohne seine eigenen Vorstellungen umsetzen zu müssen. Was eine Partei, die nicht gern als Regionalpartei abgestempelt werden möchte, erreicht, wird schließlich erst in Regierungsverantwortung sichtbar. Vermutlich will die PDS nach Gera überhaupt nichts mehr umsetzen?

Sichtbar wurde in Gera auch die Diskrepanz zwischen den Politokraten und den Machern an der Basis. In Nordhausen, in Bleicherode oder in Werther den Menschen beizubringen, das Ziel aller PDS-Politik liege in der Vergesellschaftung der Produktion (Dieter Dehm), das ist soweit weg, wie der Aufstieg von Wacker Nordhausen in die Regionalliga. Das weiß auch Klaus Hummitzsch. Der Bürgermeister von Werther tut sich Parteitage seiner Partei schon lange nicht mehr an. Für ihn, wie für viele Mandatsträger an der Politbasis, war ein Neuanfang mit Gabi Zimmer nicht vorstellbar. Das zuletzt agierende „Berliner Personal“ brachte die PDS-Politik nicht glaubhaft rüber. Die Nordhäuser konnten sich davon auch beim Besuch der Gabi Zimmer überzeugen. Zwar kam da eine Vorsitzende, doch erinnert sei vielleicht an die Besuche eines Gregor Gysi in der Rolandstadt. Während Gysi die Kulturschmiede mit politischem „Freund und Feind“ füllte, reichte für Zimmer ein kleines Hinterzimmer in einer Gaststätte (siehe nnz-Archiv). Nun soll Gysi nicht als die ehemalige Wunderwaffe beschrieben werden. Doch solche Typen braucht auch eine PDS.

Für Klaus Hummitzsch ist die jetzige Situation seiner Partei sehr schwierig. Sie sollte aber auch heilsam sein. „Wir müssen jetzt an den Neuaufbau ran. Wenn uns die Bürger bei den Landtagswahlen und Kommunalwahlen in zwei Jahren nicht mehr wollen, dann müssen wir das akzeptieren. Wir müssen natürlich die Unterschiede zu den anderen Parteien deutlich machen. Unsere Ziele müssen aber auch an der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Realität in dieser Welt ausgerichtet und orientiert sein. Diesen Spagat muß ich übrigens jeden Tag aushalten“, so Hummitzsch.

Für den PDS-Mann schlägt die „Stunde der Wahrheit“ bereits im kommenden Jahr. Dann wird in der Einheitsgemeinde Werther ein neuer Bürgermeister gewählt. Hummitzsch wird für sich und die PDS wieder antreten.
Autor: nnz

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