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Denn Hochmut kommt vor...

Mittwoch, 09. September 2009, 21:55 Uhr
...der Dunkelheit. Das mussten heute 1.105 zahlende Zuschauer im Albert-Kuntz-Sportpark erfahren, wo der Drittligist Rot Weiss Erfurt mit einem blauen Auge davon kam und der Thüringer Fußballverband sich bis auf die Knochen blamierte.


"So etwas habe ich noch nie erlebt!" konnten heute getrost auch die neunzigjährigen Fußballfans sagen. Vielleicht hatten sie schon einmal erlebt, dass ein Spiel wegen Dunkelheit abgebrochen wurde. Aber dass die Feuerwehr eine knappe Stunde lang eine Art große Wohnzimmerstehlampe vor einem Fußballtor zu installieren versucht, in deren Licht das fällige Elfmeterschießen stattfinden soll, ist wohl einzigartig.

Am Ende einigten sich die Torhüter mit den Schützen, die Schiedsrichter mit den Vereinen und Fuchs und Hase, die sich auf dem Nebenplatz eine gute Nacht wünschten, dass die Pokalpartie der zweiten Runde um den Thüringer Odset-Pokal zwischen Wacker Nordhausen und dem RWE wiederholt wird.

Vorangegangen war ein Spielchen reinsten Sommerfussballs, dass der favorisierte Bundesligist mit seiner U23 aufnahm, nach 17 Minuten locker und leicht in Führung ging und fortan keinen Schritt mehr machte, als unbedingt nötig. Diese aufreizende Lässigkeit machte die Gastgebeer wieder stark, deren Abwehr sicher stand und kaum etwas zuließ, wobei heute René Taute und Daniel Wiegleb glänzten.

Mitte der zweiten Halbzeit blies Wacker dann zum Sturm, angeführt vom überragenden Sven Pistorius. Und letztendlich hatte Trainer Frank Rosenthal mit seinem Einmannstürmchen alles richtig gemacht, denn Torsten Klaus traf ins Tor (87. Minute). Allerdings vom 11-m-Punkt nach einem zumindest fragwürdigen Strafstoß, den Marcus Vopel herausgeholt hatte. Die langen Gesichter der Erfurter wurden in der Folge immer finsterer, schon deshalb, weil man sie spätestens in der zweiten Verlängerungshälfte nicht mehr erkennen konnte. Ein Abseitstor in der 117. Minute war alles, was die Landeshauptstädter zu bieten hatten.

Nun ist alles Makulatur und beide Vereine wollen "zeitnah" einen neuen Termin finden. Vielleicht mal Donnerstag vormittags oder im Winter auf dem Kunstrasenplatz, der wenigstens eine Flutlichtanlage hat. Leicht zu beantworten ist die Frage, was sich die Ansetzer beim Thüringer Fußballverband dabei dachten, Mitte September ein Pokalspiel 18 Uhr und ohne Flutlicht anzusetzen: nichts.
Autor: nnz

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