Späte Gewissheit
Freitag, 04. September 2009, 13:10 Uhr
Die KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora zeigt in der kommenden Woche einen Film des Alternativen Jugendzentrums Dessau. Die nnz mit den Einzelheiten zur Aufführung und Entstehung des Streifens...
Franz Pjatnitzkij überlebte die Haft im KZ Mittelbau und im sowjetischen Gulag. Doch seine Schwester Viktoria kehrte nach dem Zweiten Weltkrieg nicht in ihre Heimatstadt Kiew zurück. Sie war als Zwangsarbeiterin nach Deutschland verschleppt worden. Erst im Sommer 2007 erfuhr ihr Bruder, dass Viktoria 1944 in Dessau gestorben war.
Auf Einladung des dortigen Alternativen Jugendzentrums (AJZ), von dem die Grabstelle ausfindig gemacht worden war, kam Herr Pjatnitzkij im Dezember 2007 nach Deutschland. Aus diesem Besuch in Dessau und der Gedenkstätte Mittelbau-Dora, aus den Begegnungen und Gesprächen entstand im Rahmen eines Jugendprojektes ein Dokumentarfilm, den die KZGedenkstätte am Mittwoch, 9. September 2009, um 19 Uhr im Kinosaal des Museums zeigt.
Jana Müller, die das Projekt in Dessau betreute, gibt eine kurze Einführung. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, mit ihr über den Film und die Arbeit daran zu sprechen. Am 19. September 1941 hatten deutsche Truppen Kiew besetzt. Zehn Tage später begann der Massenmord an der jüdischen Bevölkerung in der Schlucht von Babij Jar. 1942 setzten Massendeportationen von Ukrainerinnen und Ukrainern zur Zwangsarbeit nach Deutschland ein.
Eine der Verschleppten war die damals 21-jährige Viktoria Petrowna Pjatnitzkaja. Sie starb im Dezember 1944 in Dessau. Laut Sterbeurkunde hatte sie als Hausgehilfin Zwangsarbeit leisten müssen; als Todesursache ist Tbc angegeben. Ihr Grab befindet sich auf dem Friedhof III, wo zahlreiche in Dessau verstorbene Zwangsarbeiter bestattet sind.Erst nach dem Zerfall der Sowjetunion eröffnete sich für Franz Petrowitch Pjatnitzkij die Möglichkeit, nach dem Verbleib seiner Schwester zu forschen. Vom Roten Kreuz erhielt er schließlich die Mitteilung über ihren frühen Tod.
Durch Vermittlung der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora kam er in Kontakt mit dem AJZ Dessau und folgte im Dezember 2007 einer Einladung nach Deutschland. Jugendliche führten im Rahmen eines Erinnerungsprojektes Gespräche mit Herrn Pjatnitzkij, besuchten gemeinsam mit ihm die Gedenkstätte Mittelbau-Dora und begleiteten ihn an das Grab seiner Schwester Viktoria.
In den folgenden Monaten erarbeiteten sie im AJZ den Film Späte Gewissheit, der im Juni 2008 Premiere hatte. Aus ihren Erinnerungen berichten darin auch Alla Vasiljevna Kruglikova und Katharina Jarmolenko, zwei ehemals in Dessau eingesetzten Zwangsarbeiterinnen, sowie Wassilij Michailowskij-Kaz, der das Massaker von Babij Jar überlebte.
Autor: nnz/knFranz Pjatnitzkij überlebte die Haft im KZ Mittelbau und im sowjetischen Gulag. Doch seine Schwester Viktoria kehrte nach dem Zweiten Weltkrieg nicht in ihre Heimatstadt Kiew zurück. Sie war als Zwangsarbeiterin nach Deutschland verschleppt worden. Erst im Sommer 2007 erfuhr ihr Bruder, dass Viktoria 1944 in Dessau gestorben war.
Auf Einladung des dortigen Alternativen Jugendzentrums (AJZ), von dem die Grabstelle ausfindig gemacht worden war, kam Herr Pjatnitzkij im Dezember 2007 nach Deutschland. Aus diesem Besuch in Dessau und der Gedenkstätte Mittelbau-Dora, aus den Begegnungen und Gesprächen entstand im Rahmen eines Jugendprojektes ein Dokumentarfilm, den die KZGedenkstätte am Mittwoch, 9. September 2009, um 19 Uhr im Kinosaal des Museums zeigt.
Jana Müller, die das Projekt in Dessau betreute, gibt eine kurze Einführung. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, mit ihr über den Film und die Arbeit daran zu sprechen. Am 19. September 1941 hatten deutsche Truppen Kiew besetzt. Zehn Tage später begann der Massenmord an der jüdischen Bevölkerung in der Schlucht von Babij Jar. 1942 setzten Massendeportationen von Ukrainerinnen und Ukrainern zur Zwangsarbeit nach Deutschland ein.
Eine der Verschleppten war die damals 21-jährige Viktoria Petrowna Pjatnitzkaja. Sie starb im Dezember 1944 in Dessau. Laut Sterbeurkunde hatte sie als Hausgehilfin Zwangsarbeit leisten müssen; als Todesursache ist Tbc angegeben. Ihr Grab befindet sich auf dem Friedhof III, wo zahlreiche in Dessau verstorbene Zwangsarbeiter bestattet sind.Erst nach dem Zerfall der Sowjetunion eröffnete sich für Franz Petrowitch Pjatnitzkij die Möglichkeit, nach dem Verbleib seiner Schwester zu forschen. Vom Roten Kreuz erhielt er schließlich die Mitteilung über ihren frühen Tod.
Durch Vermittlung der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora kam er in Kontakt mit dem AJZ Dessau und folgte im Dezember 2007 einer Einladung nach Deutschland. Jugendliche führten im Rahmen eines Erinnerungsprojektes Gespräche mit Herrn Pjatnitzkij, besuchten gemeinsam mit ihm die Gedenkstätte Mittelbau-Dora und begleiteten ihn an das Grab seiner Schwester Viktoria.
In den folgenden Monaten erarbeiteten sie im AJZ den Film Späte Gewissheit, der im Juni 2008 Premiere hatte. Aus ihren Erinnerungen berichten darin auch Alla Vasiljevna Kruglikova und Katharina Jarmolenko, zwei ehemals in Dessau eingesetzten Zwangsarbeiterinnen, sowie Wassilij Michailowskij-Kaz, der das Massaker von Babij Jar überlebte.
