Trübe Aussichten
Donnerstag, 10. Oktober 2002, 08:59 Uhr
Nordhausen (nnz). Große Unsicherheit herrscht derzeit bei der Einschätzung der zu erwartenden Konjunkturentwicklung. nnz hat sich umgehört und berichtet.
Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) rechnen bestenfalls mit einem verhaltenen Aufschwung im kommenden Jahr. In den kleineren Unternehmen scheint man allerdings kaum eine Aussage über den Kurs der wirtschaftlichen Entwicklung machen zu können.
Den Firmen geht das Geld aus, fasst zunächst Helmut Rödl, Creditreform-Geschäftsführer das Ergebnis einer gerade veröffentlichten Umfrage zusammen. Die Pleitewelle in Deutschland werde daher in den kommenden Monaten noch Tausende Mittelständler erfassen. Die Öffentlichkeit erfährt davon relativ wenig. Obwohl nämlich 99 Prozent aller Firmenpleiten in Deutschland kleine Betriebe mit weniger als 100 Mitarbeitern betreffen, würde die Öffentlichkeit nur die Großpleiten wie bei Kirch, Fairchild-Dornier oder Holzmann wahrnehmen. Rödl: Der Mittelstand stirbt still und leise. Je näher das Jahresende kommt, bestätigen sich die Prognosen, die schon zur Mitte des Jahres rund 40 000 Unternehmens-Insolvenzen und damit einem neuen Rekordstand voraussagten.
Bemerkenswert im Ergebnis der Umfrage bei immerhin 4.500 Unternehmen ist die Tatsache, dass die Zahlungsmoral der Kunden in den neuen Bundesländern deutlich besser als im Westen ist. Am zufriedensten mit den Standortbedingungen zeigten sich allerdings die Mittelständler in Bayern. Vernichtend fiel dagegen das Urteil der Unternehmer in Sachsen-Anhalt aus: Kein einziger der dort befragten Betriebe habe den Standort als gut bewertet, 73 Prozent hätten die Note mangelhaft oder ungenügend vergeben.
Insgesamt wird die gegenwärtige Lage nur von knapp 21 Prozent der Mittelständler als gut oder sehr gut beurteilt, aber von 22 Prozent als mangelhaft oder ungenügend. Vor einem Jahr hatte es noch doppelt so viele zufriedene Mittelständler gegeben wie unzufriedene. Auch die Aussichten wurden düsterer, die Zahl der Optimisten schwand auf die Hälfte: Nur noch 18 Prozent rechnen mit steigenden Umsätzen, 16 Prozent mit steigenden Gewinnen, und nur noch 26 Prozent wollen investieren. Der größte Pessimismus herrscht im Einzelhandel.
Demgegenüber meint BDI-Hauptgeschäftsführer Ludolf von Wartenberg, dass sich der Eindruck verstärke, die Talsohle sei erreicht, von der aus es wieder aufwärts geht. Die Organisation rechnet für das nächste Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von ein bis anderthalb Prozent. Bisher hatte sie ein Plus von zwei Prozent erwartet. Allerdings sei die Stimmung in der Exportwirtschaft derzeit so schlecht wie selten. Das IW wiederum geht davon aus, dass die gesamtökonomische Leistung 2002 um 1,75 Prozent zunimmt.
Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) glaubt demgegenüber nach Auskunft ihres Chefvolkswirts Norbert Irsch ein zumindest schwaches Licht am Ende des Tunnels zu sehen, nachdem der von dem staatlichen Geldhaus ermittelte Indikator Mittelstandskonjunktur im dritten Quartal leicht gestiegen ist. Dies erlaubt - bei aller Vorsicht - zumindest den Schluss, dass die konjunkturelle Abkühlung im Mittelstand vorerst ein Ende gefunden hat, meint Irsch. Der niedrige Stand des Barometers deute aber auf eine immer noch insgesamt schwierige Lage hin.
Autor: nnzDie Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) rechnen bestenfalls mit einem verhaltenen Aufschwung im kommenden Jahr. In den kleineren Unternehmen scheint man allerdings kaum eine Aussage über den Kurs der wirtschaftlichen Entwicklung machen zu können.
Den Firmen geht das Geld aus, fasst zunächst Helmut Rödl, Creditreform-Geschäftsführer das Ergebnis einer gerade veröffentlichten Umfrage zusammen. Die Pleitewelle in Deutschland werde daher in den kommenden Monaten noch Tausende Mittelständler erfassen. Die Öffentlichkeit erfährt davon relativ wenig. Obwohl nämlich 99 Prozent aller Firmenpleiten in Deutschland kleine Betriebe mit weniger als 100 Mitarbeitern betreffen, würde die Öffentlichkeit nur die Großpleiten wie bei Kirch, Fairchild-Dornier oder Holzmann wahrnehmen. Rödl: Der Mittelstand stirbt still und leise. Je näher das Jahresende kommt, bestätigen sich die Prognosen, die schon zur Mitte des Jahres rund 40 000 Unternehmens-Insolvenzen und damit einem neuen Rekordstand voraussagten.
Bemerkenswert im Ergebnis der Umfrage bei immerhin 4.500 Unternehmen ist die Tatsache, dass die Zahlungsmoral der Kunden in den neuen Bundesländern deutlich besser als im Westen ist. Am zufriedensten mit den Standortbedingungen zeigten sich allerdings die Mittelständler in Bayern. Vernichtend fiel dagegen das Urteil der Unternehmer in Sachsen-Anhalt aus: Kein einziger der dort befragten Betriebe habe den Standort als gut bewertet, 73 Prozent hätten die Note mangelhaft oder ungenügend vergeben.
Insgesamt wird die gegenwärtige Lage nur von knapp 21 Prozent der Mittelständler als gut oder sehr gut beurteilt, aber von 22 Prozent als mangelhaft oder ungenügend. Vor einem Jahr hatte es noch doppelt so viele zufriedene Mittelständler gegeben wie unzufriedene. Auch die Aussichten wurden düsterer, die Zahl der Optimisten schwand auf die Hälfte: Nur noch 18 Prozent rechnen mit steigenden Umsätzen, 16 Prozent mit steigenden Gewinnen, und nur noch 26 Prozent wollen investieren. Der größte Pessimismus herrscht im Einzelhandel.
Demgegenüber meint BDI-Hauptgeschäftsführer Ludolf von Wartenberg, dass sich der Eindruck verstärke, die Talsohle sei erreicht, von der aus es wieder aufwärts geht. Die Organisation rechnet für das nächste Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von ein bis anderthalb Prozent. Bisher hatte sie ein Plus von zwei Prozent erwartet. Allerdings sei die Stimmung in der Exportwirtschaft derzeit so schlecht wie selten. Das IW wiederum geht davon aus, dass die gesamtökonomische Leistung 2002 um 1,75 Prozent zunimmt.
Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) glaubt demgegenüber nach Auskunft ihres Chefvolkswirts Norbert Irsch ein zumindest schwaches Licht am Ende des Tunnels zu sehen, nachdem der von dem staatlichen Geldhaus ermittelte Indikator Mittelstandskonjunktur im dritten Quartal leicht gestiegen ist. Dies erlaubt - bei aller Vorsicht - zumindest den Schluss, dass die konjunkturelle Abkühlung im Mittelstand vorerst ein Ende gefunden hat, meint Irsch. Der niedrige Stand des Barometers deute aber auf eine immer noch insgesamt schwierige Lage hin.
