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Rückschläge möglich

Mittwoch, 26. August 2009, 14:18 Uhr
Zum fünften Mal in Folge hat sich der IFO-Geschäftsklimaindex verbessert. Dennoch warnt die Erfurter IHK vor Rückschlägen und zittert um Opel, GM und die Folgen....


„Wir sind am Beginn einer Trendwende – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Die Anzeichen für eine Konjunkturerholung werden deutlich stärker“, interpretiert Erfurts IHK-Hauptgeschäftsführer Gerald Grusser die aktuellen Zahlen. Weil sich das weltwirtschaftliche Umfeld spürbar verbessert habe, verabschiede sich auch die Thüringer Wirtschaft aus der Rezession.

„Die positiven Signale auf ein Comeback der Industrie mehren sich, die Verunsicherung in den Unternehmen wird weiter abklingen. Der konjunkturelle Wendepunkt dürfte endlich erreicht sein“, bilanziert Grusser vorsichtig optimistisch.

Auch im Freistaat stütze sich die Erholung zum größten Teil auf den Export. So seien die Industrieausfuhren im Juni gegenüber dem Mai um 13,4 Prozent gestiegen. Darüber hinaus würden im Straßenbau jetzt die Konjunkturprogramme greifen und zu einem hohen Anstieg der Auftragseingänge führen.

Trotz dieser Lichtblicke sieht Grusser aber auch Risiken: „Die konjunkturelle Wende ist noch nicht gemeistert, Rückschläge also durchaus möglich“, warnt der IHK-Chef. Insbesonders die Zitterpartie um die Zukunft von Opel lasse zahlreiche Firmenchefs und Beschäftigte momentan schlecht schlafen. Schließlich hänge in der Region das Schicksal einer ganzen Reihe von Zulieferbetrieben, Handwerkern und Dienstleistern von einem der größten ostdeutschen Autobauer ab.

Auch Liquiditätsengpässe und die allgemein schwierige Finanzierungssituation vieler Unternehmen könnten im Herbst einer nachhaltigen Erholung einen Strich durch die Rechnung machen. Neben drohenden Insolvenzen würden immer mehr Firmen Probleme bei der Vorfinanzierung neuer Aufträge befürchten.

„Umsatzeinbrüche schlagen sich erst zeitverzögert in den Bilanzen nieder und erschweren selbst bei verbesserter Auftragslage die Kreditkonditionen. Hier sind Banken und Sparkassen gefragt, auch die Perspektiven im Blick zu behalten. Die bisher gängigen Ratingmethoden ergeben momentan kein vollständiges Bild der Unternehmenssituation und beschreiben die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe nur ungenügend“, argumentiert Grusser.

Es müsse auch damit gerechnet werden, dass sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt im Herbst zuspitze und damit die Konsumfreude erheblich bremse. Dies hätte nicht zuletzt negative Auswirkungen auf den Handel, die Gastronomie und die Konsumgüterproduktion. Das Ende der Rezession bedeute also nicht, dass bereits ein neuer selbst tragender Aufschwung begonnen hat, warnt Grusser. Der Aufstieg zurück in die erste Liga werde langwierig und holprig, immerhin stimme aber die Richtung.
Autor: nnz

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