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nnz-Betrachtung: Wen ich wähle!?

Freitag, 28. August 2009, 07:12 Uhr
Am letzten Sonntag dieses Sommermonats August – also in zwei Tagen - müssen Wahlberechtigten dieser Region wieder in die Wahllokale. Wir können wählen! Ist das nicht etwas Wunderbares? Wir können bestimmen, wer uns regiert.


Wenigstens für einen Tag haben wir einmal alle fünf Jahre nun dieses Gefühl der Macht, das die Gewählten danach fünf Jahre haben. Aber: Wenigstens kamen die, die (wieder) gewählt werden wollen, mal zu uns. Zum Volk. Das ist schön. Noch schöner jedoch wäre es, wenn die, die da gewählt werden wollen, vielleicht nicht nur ihre Programme abspulen, sondern einfach mal unsere Wünsche aufnehmen wollten.

Meine Wünsche, die ich all den Kandidaten mit auf den Weg geben will, die sind ganz einfach: Es soll mir und meiner Familie gut gehen in diesem Land. Natürlich, ich weiß, das ist zu platt. Aber ich will zum Beispiel, dass mein (hoffentlich bald mal) Enkel eines Tages nicht nach der vierten Klasse von seinen Mitschülern getrennt wird, weil er irgendwann Abitur machen will.

Ich will, dass er nach dem gleichen Lehrplan unterrichtet wird, wie seine (eventuell) künftige Freundin aus Bayern oder Brandenburg. Dass er aus den gleichen Lehrbüchern lernt. Dass nicht die Schulbuch-Industrie den Kultusministerien vorgibt, tausend verschiedene Schulbücher würden uns alle nach vorn bringen.

Ich will, dass ich vielleicht einmal zu einem Arzt gehen kann (wenn ich muß), der mich nicht als Kunden, sondern als Patienten behandelt. Der Zeit für mich hat, für den meine Krankheit nicht aus Abrechnungspunkten besteht.

Ich wünsche mir, dass die Gewählten und dann Regierenden sich nicht gebärden, als wären sie die Herrschenden und ich einer ihrer Untertanen. Ich will, dass sich Minister oder Staatssekretäre, Landtagsabgeordnete auch mal in die vierte, zehnte oder zwölfte Reihe bei einer Veranstaltung setzen, statt forschen Schrittes gleich in die erste zu gehen, weil dort ein Platz für sie reserviert ist.

Ich wünsche mir eine Regierung, die den Menschen zum Maß aller Dinge macht, nicht sich selbst oder irgendwelche Unternehmenszahlen.

Ich wünsche mir eine Regierung, die Suppenküchen verbietet, die Tafeln verbietet, die Stundenlöhne von drei Euro verbietet, die dafür sorgt, dass alle Menschen, die es wollen, auch Arbeit haben, von denen sie sich und ihre Familie ernähren können.

Ich wünsche mir Regierende, die als Minister oder Abgeordnete dorthin gehen, wo es stinkt, wo der Putz von Schulwänden blättert, wo Schlaglöcher die normale Fahrt jenseits der 30 kmh unmöglich machen.

Ich wünsche mir, dass die Regierenden auch mal den Mut haben zu sagen: „Ich/wir habe/n uns getäuscht. Wir haben Fehler gemacht!“

Ich wünsche mir nicht jenes Land, wo die gebratenen Tauben in den Mund der Menschen fliegen. Ich will diesem Land schon dienen. Und ich kenne viele Menschen, die mir gleichtun würden. Ich kenne aber auch immer mehr Menschen, die abschalten ob des Gefühls, dass diejenigen, die ihnen eigentlich dienen sollen, nur an sich selbst denken und dabei immer machtgeiler werden. Ich will und wünsche mir, dass nicht ich der Diener vor den Regierenden sein soll, sondern die Regierenden mir, dem Wähler, dem Volk, den Menschen dienen. Dass sie Ehrlichkeit, Wahrhaftigkeit und Moral für mich spürbar (vor)leben. Und das jeden Tag.

Wenn ich auch nur bei einer einzigen Partei ansatzweise das Gefühl hätte, die könnten, würden und wollten meine Wünsche erfüllen, dann würde ich die auch wählen. In diesem Sinne: Ich überlege noch.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

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