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nnz-Betrachtung: Kein Bit

Freitag, 31. Juli 2009, 08:27 Uhr
Es kam so, wie es kommen musste: Ein Unternehmen mit Tradition steht vor einem Scherbenhaufen. Es war ein Tod auf Raten, das Ende war abzusehen. Nur: Kaum einer wollte das zur Kenntnis nehmen...


Vor einem Jahr hatte die nnz über den Zustand des Unternehmens FMN communications GmbH (FMN) mehrfach, ausführlich und mit einer gewissen Voreingenommenheit berichtet. Dafür musste die Redaktion sehr viel Kritik einstecken. Von der Arbeitgeberseite, aber auch vom damaligen Betriebsrat. Nun kam es so, wie die nnz damals schon befürchtet hatte. Sicher, auch wir sind keine Hellseher, doch ein Quantum an Erfahrung kann man einem Journalisten schon zutrauen.

Zu windig, zu vordergründig war die Pressekonferenz damals, im Februar des vergangenen Jahres, inszeniert worden. „Alles super, nur kein Geld“. Die Großen des Marktes buhlen um FMN und deren Produkte: Cisco Systems, Telekom – gigantischer geht es wohl kaum. Nun stehen die Arbeitnehmer vor einem Scherbenhaufen. Gleiches gilt für die Stadt Nordhausen, nicht die Stadtverwaltung, die sich gerne so selbst bezeichnet. Die Stadt hat wieder einen traditionellen Industriezweig verloren, der nun lediglich den Historikern bleibt.

Damals schon kein Geld zu haben, war nicht schlimm. Schließlich ist da noch die Agentur für Arbeit, die drei Monate lang die Gehalts- und Lohnzahlungen übernahm. Dann gab es noch einige Verlautbarungen und Veröffentlichungen, die wohltuend klangen. Zum Beispiel vom April dieses Jahres: „FMN beliefert über entsprechende Systemhäuser nahezu alle Unternehmen, die im öffentlichen Personennahverkehr in größeren Städte und Ballungszentren Deutschlands unterwegs sind“, ist noch heute auf der Homepage zu lesen.

Nun aber, nun wird die allgemeine und furchtbare Krise an der finalen Entwicklung Schuld sein. Vielleicht bin ich es auch, weil ich kein Telefon gekauft habe. Wenn ich mal ganz ehrlich sein soll: Ich kenne kein Unternehmen und habe keinen Menschen in meinem Bekannten-Portfolio, der zum Beispiel ein Telefon der „alpha“-Serien auf seinem Schreibtisch stehen hatte.

Jetzt scheint es Aus zu sein. Aus für ein Unternehmen, dessen langsames aber sicheres Dahinsiechen fast nicht mehr mit anzusehen war. Dass die nnz einfach lang nicht darüber berichtete hatte einen Grund: Den Verantwortlichen in der Firmenleitung sollte auch nicht nur ein Bit des virtuellen Speicherplatzes gewidmet werden. Schlimm ist es nur für die rund 60 Mitarbeiter, die vielleicht bis zu Letzt den Versprechungen der Chefetage und damit an das Weiterschreiben der Kommunikationsgeschichte in Nordhausen glaubten.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

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