nnz-online

Eisernes Jubiläum

Donnerstag, 30. Juli 2009, 09:24 Uhr
In diesem Jahr gibt es zwischen Northeim und Nordhausen entlang der „Südharzstrecke“ gleich zweimal einen Grund zum Feiern. Die Initiative „Höchste Eisenbahn für den Südharz“ erinnert an denkwürdige Momente deutscher Einsenbahngeschichte...


Am 1. August jährt sich der Tag der Inbetriebnahme der gesamten Strecke zum 140. Male, während am 12. November die Wiederaufnahme des Personenverkehrs zwischen Walkenried und Ellrich genau 20 Jahre zurück liegt.

Die Strecke Northeim – Nordhausen musste lange Jahre auf ihre Verwirklichung warten, denn schon in den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts gab es erste Bemühungen, den Südharzrand und insbesondere die Städte Nordhausen und Osterode an den Schienenverkehr anzubinden. Infolge der Zuständigkeit dreier Staaten – des Königreichs Preußen, des Königreichs Hannover (bis 1866) und des Herzogtums Braunschweig – zogen sich Linienfestlegung und Baubeginn bis 1867 in die Länge.

Erst mit dem „Ausscheiden“ Hannovers konnten sich Preußen und Braunschweig auf eine Linienführung über Walkenried und Ellrich verständigen. Osterode hatte das Nachsehen, wurde jedoch schon ein Jahr später mit der Strecke Herzberg – Seesen an den Schienenverkehr angeschlossen.

Der Bau der Strecke war weitgehend problemlos, jedoch stieß man beim Durchbruch des Walkenrieder Tunnels durch das „Himmelreich“ auf eine der heute noch größten Gipshöhlen Deutschlands und musste die Tunnelröhre praktisch durch einen anderen Hohlraum hindurchführen – ein Novum in der Bahngeschichte. Auch später machten zudringende Wässer dem Tunnel immer wieder Probleme.

Mit der Inbetriebnahme der Sollingbahn Northeim – Ottbergen im Jahre 1878 entwickelte sich unsere Strecke zu einer Schlagader des West-Ost-Güterverkehrs und wies in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts bis zu 100 tägliche Güterzüge auf, während der durchgehende Reiseverkehr sich stets in bescheidenen Grenzen hielt, da hier schon immer die Strecke über Kassel den Vorzug hatte. Die Vernachlässigung der Südharzstrecke nach der Wende zugunsten der Strecke Nordhausen – Kassel hat also eine gewisse Tradition… Immerhin gab es mehrere D-Züge und auch einige Eilzüge, darunter solche von Osnabrück nach Nordhausen oder von Erfurt nach Braunschweig.

Mit Eisernen Vorhang war wider Erwarten das Ende der Strecke noch nicht gekommen, denn ab 1949 bis zur Wende 1989 wurde wieder durchgehender Güterverkehr mit 3-5 Zügen pro Richtung durchgeführt. In dieser Zeit entwickelte sich Herzberg zu einem Rangier- und Zollabfertigungsbahnhof. Durchgehende Personenzüge gab es aber wohl nur einmal aus Anlass der Leipziger Messe 1950. Das Interesse am Personenverkehr war beiderseits auch nie sehr ausgeprägt. Noch im „Verkehrsvertrag“ zwischen der Bundesrepublik und der DDR zu Beginn der siebziger Jahre wurde einem Straßenübergang in Duderstadt der Vorrang eingeräumt – im Südharz blieb es allen Hoffnungen zum Trotz bei Güterzügen.

Das änderte sich erst am 12.11.1989, als auf Initiative örtlicher Eisenbahner der erste Triebwagen zwischen Walkenried und Ellrich hin- und herpendelte. Seither wird wieder durchgehend gefahren, auch wenn das Interesse der Deutschen Bahn an der Strecke auch weiterhin eher schwach ausgeprägt war. Man stürzte sich statt dessen mit Feuereifer auf den Ausbau der Strecke über Eichenberg.

Nicht zuletzt aufgrund lokalen Drucks entwickelte sich aber nach und nach ein verbesserter Fahrplan, der im heutigen Stundentakt Nordhausen – Göttingen seinen vorläufigen Höhepunkt gefunden hat (und, wie es scheint, wird es ab 2010 auch wieder weniger durchgehende Züge nach Göttingen geben…). Der Stundentakt wird durch den auf der Strecke Herzberg – Braunschweig ergänzt. In die Sanierung der Strecke wurde freilich nach einigem Hin und Her doch kräftig investiert, und im Jahre 2010 sollen weitere Arbeiten folgen. Danach steht der Anschluss an das elektronische Stellwerk in Göttingen auf dem Programm.

Ihre Rolle als wichtiger Arbeitgeber der Region spielt die Eisenbahn kaum noch, da der Betrieb schon heute mit deutlich weniger Personal abgewickelt wird. Dafür ist sie für die Mobilität der Südharzer ein nicht mehr wegzudenkender Faktor. Der Personenverkehr ist bis über das Jahr 2020 hinaus vertraglich gesichert. Wir Südharzer müssen freilich eines tun: Mitfahren!

Man darf gespannt sein, welchen Stellenwert das Jubiläum bei der Deutschen Bahn einnehmen wird. Zumindest ist eine weitere Zugtaufe eines Triebwagens auf den Namen „Northeim“ geplant. Im Harz-Weser-Netz gibt es bereits zwei getaufte, nämlich „Bad Harzburg“ und „Holzminden“. Und die Anlässe waren ähnlicher Natur. Ganz ohne weitere Aufmerksamkeit sollten weder Bahn noch regionale und lokale Politik dieses Ereignis verstreichen lassen.
Michael Reinboth
Autor: nnz

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de