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Mehr als vorsichtig

Montag, 27. Juli 2009, 12:55 Uhr
Das Konjunkturpaket der Bundesregierung ist wie ein Pflaster für Kommunen im Landkreis Nordhausen. Es kann lindern, nicht heilen. Doch um zu lindern, muss das wichtigste erst einmal ankommen: Das Geld.

Bestehende Brücke (Foto: nnz) Bestehende Brücke (Foto: nnz)
Obwohl verboten, benutzen viele Bürger diese Einsenbahnbrücke als Abkürzung. Das soll dann nicht mehr nötig sein

Idee und Vorstellungen, was mit dem Geld, mit den Millionen Euro zu machen ist, haben alle Gemeinden und Städte des Landkreises Nordhausen. Und da macht Niedersachwerfen keine Ausnahme. Auch dort haben Gemeinderat und Bürgermeister nachgedacht, wohin die mehr als 100.000 Euro im Infrastrukturbereich „plätschern“ könnten? In eine Brücke über die Bere. Eine Fußgängerbrücke soll neben die Eisenbahnbrücke gebaut werden. So sparen sich die Bürger der Teichstraße, der Straße der Einheit und Am Ring, vor allem aber die Schulkinder, täglich bis zu 20 Minuten Gehzeit.

Jochen Napiralla, der Bürgermeister, hat sich natürlich schlau gemacht. Kann das Geld des „KP II“ denn auch wirklich dafür verwendet werden? Und wenn er einen Brief des Gemeinde- und Städtebundes genau studiert hat, dann ist eine Brücke, die Bestandteil eines Fußgängerweges ist, selbstverständlich eine Maßnahme zur „Verbesserung der ländlichen Infrastruktur“.

Vor der Umsetzung der Gedanken in die Tat hat der Gesetzgeber jedoch einige Hürden aufgebaut und Fallstricke gelegt. Eine der Hürden ist vermutlich die Kommunalaufsicht im Landratsamt in Nordhausen. Deren Mitarbeiter begutachten die Anträge der Kommunen, Und da schwant dem Bürgermeister nichts Gutes: „Die tun sich schwer in Nordhausen, sie müssen prüfen“, erzählt er heute der nnz. Diese Art von Widersprüchen machen dem Bürgermeister das Amtsleben schwer und sind dem Otto-Normal-Bürger nicht erklärbar. Wie so vieles andere auch nicht.

Doch Napiralla will nicht aufgeben. „Das ist unser Projekt und ich sehe nicht ein, dass Geld für Dinge ausgegeben werden muss, die nicht sinnvoll sind. Und wir vor Ort können durchaus einschätzen, was für die Menschen die größten Vorteile bringt“.

Rund 70.000 Euro soll der Fußweg mit „eingebauter“ Brücke kosten, mit den restlichen 30.000 Euro soll in Niedersachswerfen das Dorfgemeinschaftshaus energetisch fit gemacht werden.

Im Bereich der Bildung stehen indes die Signale durchweg auf Grün. Hier wird das Geld – ebenfalls rund 100.000 Euro – in die Kindertagesstätte investiert. So verspricht sich Jochen Napiralla eine deutliche Senkung der Betriebskosten. Das Eingesparte jedoch ist fast schon wieder weg. Denn selbst die längsten Tarifverhandlungen für die Mitarbeiter in Kindergärten gehen einmal zu Ende.
Autor: nnz

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