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Müllverbrennung in der Goldenen Aue?

Dienstag, 24. September 2002, 11:38 Uhr
Nordhausen (nnz). Soll es in der Goldenen Aue eine Müllverbrennung geben? Dieser Frage ist jetzt die nnz nachgegangen. Mehr dazu in folgendem Interview mit Siegfrid Junker, Bürgermeister der Gemeinde Görsbach.


nnz: Herr Junker, Sie sind Mitglied des Strukturausschusses der Regionalen Planungsgemeinschaft Nordthüringen, die Ende vergangenen Jahres eine Untersuchung zu Industriegroßflächen in der Region erarbeitet und an den für Raumordnung zuständigen Minister Gnauck übergeben hat. Darin wird der Standort „Goldene Aue“ für die Ansiedlung einer Industriegroßfläche empfohlen. Wann erwarten Sie Ergebnisse von den zuständigen Stellen?

Junker: Eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Thüringer Staatskanzlei, dem Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Infrastruktur sowie der Landesentwicklungsgesellschaft prüft und bewertet die Vorschläge und wird die Ergebnisse voraussichtlich noch im 4. Quartal dieses Jahres mitteilen.

nnz: Wie schätzen Sie die Region Nordhausen für die Ansiedlung des geplanten Industrieparkes ein?

Junker: Als langjähriger Maschinenarbeiter und späterer ­Ingenieur weiß ich, dass insbesondere Nordhausen vor und nach dem Krieg immer ein industrieller Schwerpunkt war, der leider nach der Wende rapide abgesunken ist. Wir müssen nun unsere Chance nutzen, das neue Industriegebiet anzusiedeln, zumal wir unter Zeitdruck stehen, da es nur noch in sehr beschränkter Zeit von der Landesregierung erhöhte Fördermittel geben wird. Wenn wir diese Chance nicht ergreifen, sind wir für die Zukunft abgeschnitten.

nnz: Was versprechen Sie sich von der Ansiedlung des Industrieparks?

Junker: Ich gehe davon aus, dass sich neue Investoren ansiedeln. Das Beispiel Leipzig oder auch ganz konkret die Partnergemeinde von Görsbach in Kaisersesch/Rheinlandpfalz hat mit ihrer Ausweisung von mehreren 100 ha Industriefläche am Stadtrand bewiesen, dass diese nach kurzer Zeit mit umweltverträglichen Industrieansiedlungen (z.B. Holz- und Glasindustrie) belegt werden können.

nnz: Im Industriepark „Goldene Aue“ soll ja ebenfalls ausschließlich umweltverträgliche Industrie angesiedelt werden. Können Sie das bestätigen?

Junker: Als Mitglied des Kreistages bin ich im Umweltausschuss und gleichzeitig im Abfallzweckverband Nordthüringen, so dass ich z.B. den genauesten Überblick habe, was bezüglich Abfallentsorgung in der Zukunft geplant ist. Im neuen Industriegebiet ist weder eine Abfallentsorgungs- geschweige denn eine Müllverbrennungsanlage vorgesehen.

nnz: Welche Auswirkungen wird der Bau des Industrieparks für die umliegenden Gemeinden, wie z.B. die Gemeinde Görsbach, deren Bürgermeister Sie sind, haben?

Junker: Insbesondere viele junge Menschen brauchen dringend Arbeitsplätze, die wir uns vom Industriepark versprechen. Auch der Mittelstand bis hin zum Handwerker oder Bäcker wird positive Impulse erhalten, und wir versprechen uns eine positive Entwicklung der Infrastruktur. Sicher wird es auch ein paar Randerscheinungen geben, deshalb stehen wir dafür in der Verantwortung, dass notwendige Prüfungen, wie Verträglichkeitsstudien, sehr ernst genommen und Voraussetzungen und Kriterien für den Bau des Industriegebietes eingehalten werden. Das Einmischen vieler Bürger in die Planungen halte ich prinzipiell für begrüßenswert. Es kommt nur darauf an, wofür oder wogegen man ist. Ich denke an einen Kompromiss, der dem Gesamtziel der Planung zum Wohle unserer Bürger nicht abträglich ist.
Autor: nnz

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