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Nach-Wahl-Betrachtung

Montag, 23. September 2002, 07:47 Uhr
Nordhausen (nnz). Die Bundestagswahl liegt hinter uns. Auf den Wahlpartys der Parteien in Nordhausen wurde gefeiert und „geweint“. Eine kleine Einschätzung.


Ein Wechselbad der Gefühle mussten die Sozialdemokraten im „Metropolitan“ durchstehen. Auf der Bundesebene zwischen Verlierer und Sieger. Auf Wahlkreisebene wurden vielleicht schon vorher Tränen vergossen. Den Genossen war bewusst, dass sie in Thüringen gut abschneiden, vielleicht sechs oder sieben Wahlkreise gewinnen werden. Das freut! Selbst bei dieser Konstellation erschien der Listenplatz 5 für Eckhard Ohl als nicht ausreichend, um einen Wiedereinzug in den Bundestag feiern zu können. Das schmerzt!

Nach den ersten Hochrechnungen aus dem Wahlkreis 190 zeigte sich Ohl enttäuscht, dennoch kann er mit seinem Abschneiden durchaus zufrieden sein. Noch nie hat ein SPD-Kandidat seinem christdemokratischen Konkurrenten das Wahlkampfleben so schwer gemacht: 41,3 Prozent für Grund und 34,6 Prozent für Ohl. Rechnet man allein die Tatsache hinzu, dass Ohl vor Monaten als „Fremder“ in den Wahlkreis kam, dann ist das Ergebnis durchaus passabel, wenn es den Kämpfer aus Schlotheim auch nicht befriedigen wird. Es waren aber auch noch andere Steine, die dem Sozi in den Weg gelegt wurden. Da waren die unsäglichen Ermittlungen der Mühlhäuser Staatsanwaltschaft, die dann ohne Ergebnis eingestellt wurden. Und da war letztlich die schwere Krankheit, die Ohl in der heißen Phase des Wahlkampfes ans heimische und ans Krankenhausbett fesselte.

Nun wird sich Ohl wieder dem Geschäft als ehrenamtlicher Bürgermeister in Schlotheim widmen. Die Schlotheimer wird es innerlich freuen, der Mann hat in den zurückliegenden Jahren viel für seine Stadt erreicht. Den Wahlkreis 190 wird er sicherlich in Erinnerung behalten. Er hat Menschen kennen gelernt, die ihn schätzen und die ihm vertraut haben.

Manfred Grund kann eigentlich zufrieden sein. Er ist wieder im Bundestag, vermutlich bei diesem Wahlkreiszuschnitt auf Lebenszeit oder bis ihn die politische Lust verlässt. Er hat nicht nur einen kleinen Zuwachs in seinem Wahlkreis zu verbuchen, er ist auch der einzige Thüringer Direktkandidat seiner Partei. Wieder! Das verschafft ihm in Erfurt und in Bonn in seiner Partei und Fraktion den nötigen Rückenhalt und vielleicht auch mehr Einfluß. Die ist aus Sicht des Landkreises dringend erforderlich. Obwohl die CDU/CSU-Fraktion wieder auf die Oppositionsbank rücken muß, ist Grund der einzige Bundestagsabgeordnete aus unserem Landkreis.

Den Dritten - Gerhard Jüttemann - hat es samt seiner Partei aus dem Bundestag gefegt. Die PDS hat sich damit wohl auf Bundesebene erledigt. Die Sozialisten wollten nicht hinnehmen, dass dieser Wahlkampf auf Personen ausgerichtet ist, statt auf Programme und Inhalte. Und die PDS-Person „richtete“ sich selbst und damit die Partei, die er einst 1990 aus dem Scherbenhaufen SED aufbaute: Gregor Gysi. Er hat der PDS einen Bärendienst erwiesen. Klar wurde aber auch während der zurückliegenden Legislaturperiode: Selbst sein Rückzug vom Fraktionsvorsitz im Bundestag hinterließ Schaden. Ein Roland Claus konnte seinen Charme als ehemaliger FDJ-Funktionär nie ablegen - weder im Bundestag, noch bei diversen Talkrunden. Und mal ehrlich, was ist eine Gabi Zimmer selbst gegen Lothar Bisky?

Die Wahl ist vorbei - die Kandidaten können sich, wenn auch mit unterschiedlichen Gefühlen - erst einmal ausruhen. der gewählte Grund hat wieder vier Jahre Zeit, um die Belange seiner Klientel nach Berlin zu transportieren. Mit Jüttemann und Ohl verliert die Region allerdings zwei Sympathen, die ihre Spuren hinterlassen haben. Mögen sie ihren Parteien wenigstens erhalten bleiben. Finanziell abgesichert sind beide.
Autor: nnz

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