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Abgestimmt und wirklich fertig?

Mittwoch, 18. September 2002, 20:10 Uhr
Nordhausen (nnz). Der Stadtrat debattierte in seiner heutigen Sitzung wieder einmal über das Theater. Dessen Mitarbeiter waren mit Kind und Kegel erschienen, um das Ereignis mitzuerleben. Auch nnz war dabei...


„Zustimmung zum Vertrag zwischen dem Freistaat Thüringen und den Gesellschaftern zur Finanzierung der Theater Nordhausen/Loh-Orchester Sondershausen GmbH“, so stand es im Beschlusstext. Der Entwurf des Vertrages war eigentlich nur als Anhang zu betrachten. Doch genau dieser abzuschließende Vertrag, der den Theaterbetrieb in modifizierter Form bis zum Jahr 2008 bestehen lassen soll, war eigentlich der Grund dafür, dass der heutige Beschuß in dieser Art gefasst wurde. Fast nichts mehr war in dem „sich in Arbeit befindlichen Konzept“ zu finden, das einst genau in diesem Stadtrat im Sommer beschlossen wurde. „Das bisherige Drei-Spartenangebot soll weiterhin erhalten bleiben“ heißt es da. Das in Nordhausen produzierte Schauspiel verschwindet jedoch. Gerade das aber hatte sich der Stadtrat auf seine Fahnen geschrieben.

Resignation deshalb wohl auch in den CDU-Reihen, kein Diskussionsbedarf. Gerade deren Fraktionäre hatten sich damals für den Erhalt des Schauspiels stark gemacht. Vermutlich mussten auch sie einsehen, dass letztlich das Land Thüringen die Kooperationsvariante für die einzig machbare Überlebenslösung hält. Vielleicht ist sie ja auch die einfachste. Dem Druck aus Erfurt und der Allianz der anderen drei Gesellschafter beugte sich letztlich auch SPD-Fraktionschefin Sabine Meyer. Als Aufsichtsratsmitglied war die Frau sichtlich frustriert über die Informationsfluß aus Richtung Stadtverwaltung. Vermutlich wird sie aus dieser Erfahrung heraus demnächst auch das berühmte Handtuch werfen.

Noch einmal versuchte Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD) alle Möglichkeiten einer Diskussion auszuloten. Da wurde der Intendantin Dr. Pirklbauer Rederecht eingeräumt, um Fragen der Stadträte zu beantworten, die aber kamen spärlich. Matthias Mitteldorf (PDS) erinnerte noch einmal an die berühmten elf Punkte eines einstigen Stadtratsbeschlusses und selbst der Konzeptersteller Thomas Bayer wusste zu seiner Aufgabe lediglich zu sagen, dass er Konzepte erstellen soll, welche die Kooperation mit anderen Theater günstig gestalten.

Nach einer halbstündigen Auszeit wurde schließlich abgestimmt. Es gab acht Enthaltungen, ein paar Gegenstimmen. Der Beschluß ging durch. Verloren hatte letztlich der Stadtrat. Der war ja im Juni in eine regelrechte Aufbruchstimmung geraten, als er die CDU-Intentionen fast einstimmig beschloß. Ein Blick ins nnz-Archiv verrät da Genaues. Man wollte kämpfen, zum Beispiel für das Schauspiel. Jetzt werden sofort sieben Stellen gestrichen. Man musste sich dem Land beugen und den Gesellschaftern aus dem Kyffhäuserkreis. Die hatten es klug eingefädelt und retteten ihr Loh-Orchester.

Zufrieden waren denn auch die zahlreichen Mitarbeiter des Musentempels. Gelassen und erheitert verließen vielen von ihnen schon während der Auszeit das Auditorium. Zwischendurch versteinerten sich allerdings manche Minen. So zum Beispiel, das Barbara Rinke einige Punkte des Konzeptes vortrug: „Um Möglichkeiten des Kulturtourismus besser auszuschöpfen, müssen die starren Schließungszeiten, insbesondere während der Sommerzeit, flexibler gestaltet werden“ - ungläubiges Kopfschütteln. „Intensivierung der Gastspieltätigkeit“ - Stirnrunzeln. Das alles trug nicht unbedingt zur Erheiterung der Stadträte bei.

Als alles schon abgestimmt war, ging Tilly Pape noch mal an Mikrofon. Sie hob hervor, dass sich der Stadtrat diesen Beschluß nicht leicht gemacht habe. Sie versprach aber auch in ihrer Funktion als Chefin des Finanzausschusses darauf zu achten, dass die Zuschüsse der Stadt Nordhausen effektiv eingesetzt werden. Sie verlangte von der Theatermannschaft eine effizientere und effektivere Gestaltung der Arbeit, sie verlangte indirekt, noch mehr als bisher zu leisten. Von den Stadträten erhielt sie dafür fraktionsübergreifend Beifall, von den Künstlern ein süffisantes Lächeln. Es war darin fast Mitleid zu erkennen.
Autor: nnz

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