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Campusfest als Schlafräuber

Donnerstag, 18. Juni 2009, 07:12 Uhr
Unsanft reißt es mich aus dem Schlaf. Musik, so laut, dass ich die Texte glasklar verstehen kann, hallt durch das beschauliche Steigerthal. Wir haben Mittwoch, nein, Donnerstag, auch wenn der gerade mal 25 Minuten alt ist...


Unsanft reißt es mich aus dem Schlaf. Musik, so laut, dass ich die Texte glasklar verstehen kann, hallt durch das beschauliche Steigerthal. Wir haben Mittwoch, nein, Donnerstag, auch wenn der gerade mal 25 Minuten alt ist.

Ein Anruf bei der Polizeidirektion Nordhausen schafft schnell Klarheit: „Campusfest…, genehmigt…, da können wir auch nichts machen…“ Ich höre, will und kann aber nicht verstehen, denn das setzt Verständnis voraus. „Ich bin bereits Anrufer Nummer 49 und der am weitesten entfernte. Die meisten Beschwerden kommen aus dem Bereich Bergstraße“, vermeldet die freundliche Polizistenstimme. Obendrauf bekomme ich eine Handynummer des überwachenden Ordnungsamtsmitarbeiters vor Ort.

Der sagt mir, seine Messungen zeigen an, dass mit 70 Dezibel der zulässige Wert an Lärm im Limit liegt. Außerdem bin ich der erste Anrufer (auf seinem Handy, dessen Nummer die Polizei den Lärmbeschwerern mitteilen soll) und der Spuk dauert nur noch bis 1 Uhr. Zulässiger Wert, ich kann hier in mindestens 6 Kilometern Luftlinie die Texte mitsingen und die zulässigen Werte sind nicht überschritten – wer hat denn diese Werte mitten in der Woche kurz nach Mitternacht für zulässig erklärt? Und wie bitte kann für eine derartige Störung der Nachtruhe eine Genehmigung erteilt worden sein, die den Ordnungshütern glatt die Hände bindet?

Tja, so ist das, dem Bürger schreibt die Satzung der Stadt vor, bis wann er mit seinem Rasenmäher hantieren darf, damit die Ruhe nicht gestört wird (was ich generell in Ordnung finde), aber dann so etwas.

Auch ich war mal Student vor 23 Jahren. Und Studentenfeiern mit Musik gab es ebenfalls, auch Mittwochs im Studentenclub, laut genug zum Feiern und Tanzen. Doch vor dem Club herrschte Ruhe. Niemand hörte etwas, nur die, die sich drin befanden.

Ich nutze die „Schlafstörung“ für eine kreative Schreibeinlage mitten in der Nacht. Das schont die Nerven, baut Frust ab. Und jetzt wo ich fertig bin, kehrt anscheinend auf dem Campus ebenfalls Ruhe ein. Ist ja auch schon spät, äh früh, nämlich 1.21 Uhr. Zeit ins Bett zu gehen. Na dann gute Nacht. Meine Gedanken sind bei den Anwohnern in unmittelbarer Nähe zum Campus der Fachhochschule.

Die öffnen jetzt wieder die Fenster, schauen nach den lieben Kleinen, die in wenigen Stunden in die Schule müssen und wahrscheinlich ziemlich zerknittert am Frühstückstisch sitzen werden, neben ebenso zerknittert ausschauenden Eltern.
M. D.
Autor: nnz

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