Briefe aus Bad Füssing (5)
Mittwoch, 04. September 2002, 09:33 Uhr
Bad Füssing/Nordhausen (nnz). Die Region um Passau zeichnet sich nicht nur durch ihre Angebote für Touristen aus, sondern auch durch eine auf diesen Umstand hin entwickelte Infrastruktur. Wem aber soll die künftige Infrastruktur in Nordthüringen dienen?
An Passau führt die Autobahn A 3 vorbei. Drei Zufahrten erschließen die Drei-Flüsse-Stadt. Ähnlich ist es auch für Nordhausen vorgesehen, auch wenn die eine Abfahrt den Namen Werther trägt. Von Passau aus führen mehrere Bundesstraßen in den ländlichen Raum. Gut für die Gäste in den Kurorten. Sie können sich - sofern sie mit einem automobilen Untersatz zur Stätte der Erholung kommen - entscheiden: Entweder durch den Ort oder mittels Ortsumgehungsstraße zum weiter entfernten Ziel. Die Ortsumgehungsstraßen wurden hier in Bayern zum größten Teil mit geplant, sie sind nicht nachträglicher Natur.
In Nordthüringen muß das jetzt nachvollzogen werden. In machen Teilen ist das schon passiert. Fast 160 Millionen Euro soll der Freistaat Thüringen allein in den letzten drei Jahren in den Ausbau der Infrastruktur investiert haben, sagte gestern dessen Wirtschaftsminister Franz Schuster in Sondershausen. Den Landkreis Nordhausen kann er damit wohl kaum gemeint haben. Eher den Unstrut-Hainich-Kreis und den Landkreis Eichsfeld. Durch diese beiden Landkreise schlängeln sich die Bundesstraßen 247 und 249. Natürlich ist eine kleine Stadt wie Dingelstädt mehr als belastet, sie hat nun aber eine Umfahrung erhalten, Worbis und Heiligenstadt sollen folgen. Dingelstädt soll aber nicht mehr und auch nicht weniger durchfahren gewesen sein, wie es Greußen, Sondershausen oder Nordhausen immer noch sind. Was also habe die Planer dazu bewogen, eine Umfahrung für Dingelstädt dringender zu gestalten als für Nord- oder Sondershausen.
Hinter vorgehaltener Hand wird schon sein vielen Jahren kolportiert, dass der Weg für ministerielle und andere Beamte - wenn schon über eine Bundesstraße - in Richtung Westen nie und nimmer über die B 4 führen werde. Vielleicht auch lag es an dem Umstand, dass die beiden für die Nordthüringer Region einst verantwortlichen Straßenbauämter in Mühlhausen und Leinefelde stationiert waren, seit einem Jahr nur noch in Leinefelde. Offiziell wird beständig abgewunken. Dafür streiten sich die Politiker in Bund und Land über Prioritäten hinsichtlich der B 4 und der B243. Das kommt vor allem im Wahlkampf gut an - bei den Politikern, nicht beim Wahlvolk.
Vielleicht soll alles irgendwann mal die künftige Autobahn A 38 richten. Wen aber, so mache in mir hier auf der Hotelterrasse meine Gedanken, soll sie in die heimatliche Region bringen? Zuliefermaterial für eine noch nicht vorhandene Industrie? Investoren für den erhofften Aufschwung? Urlauber in eine nur zaghaft im Aufbau befindliche Tourismusbranche? Oder soll sie es den Menschen entlang der Trasse nur schneller ermöglichen, zu einem neuen Arbeitsplatz in einer entlegeneren Region zu kommen? Sicher wird die Autobahn die Orte vom Durchgangsverkehr entlasten, die momentan unter der B 80 zu leiden haben. Was passiert mit dem Schwerlastverkehr, wenn irgendwann einmal eine Maut für Lkw eingeführt wird?
Infrastruktur bedeutet aber nicht nur gewaltige Autobahnen, Bundesstraßen oder ausgebaute Kreisstraßen. Die Region um Bad Füssing ist auch in anderer Hinsicht gut erschlossen. Ein ausgebautes Radwegenetz lädt förmlich zum Strampeln ein. Verfahren ist kaum möglich, sofern man sich mit Tiersymbolen wie Eulen, Hasen oder Eichhörnchen auskennt.
Es gibt also in Nordhausen viel zu tun. Straßen ausbauen, Umgehungen einfordern, sich an die Autobahn gewöhnen, Radwege anlegen und vor allem zu einem Netz knüpfen, die Hotellerie und Gastronomie auf ein gemeinsames Vorgehen einschwören. Wohl erst mit einem Schnuppern in den Regionen, die das alles zu bieten haben, wird klar: Wir brauchen in Nordthüringen noch Jahrzehnte, um diesen Status zu erreichen. Vielleicht sollte man angesichts dieser Tatsache auch nicht so ungeduldig sein, vielleicht aber gerade doch? Ich schwinge mich auf den ausgeliehenen Drahtesel (1 Euro pro Tag) und nehme mir die Eulentour vor. 20 Kilometer, davon zehn am Inn entlang.
Viele Grüße, Ihr Peter-Stefan Greiner
Autor: nnzAn Passau führt die Autobahn A 3 vorbei. Drei Zufahrten erschließen die Drei-Flüsse-Stadt. Ähnlich ist es auch für Nordhausen vorgesehen, auch wenn die eine Abfahrt den Namen Werther trägt. Von Passau aus führen mehrere Bundesstraßen in den ländlichen Raum. Gut für die Gäste in den Kurorten. Sie können sich - sofern sie mit einem automobilen Untersatz zur Stätte der Erholung kommen - entscheiden: Entweder durch den Ort oder mittels Ortsumgehungsstraße zum weiter entfernten Ziel. Die Ortsumgehungsstraßen wurden hier in Bayern zum größten Teil mit geplant, sie sind nicht nachträglicher Natur.
In Nordthüringen muß das jetzt nachvollzogen werden. In machen Teilen ist das schon passiert. Fast 160 Millionen Euro soll der Freistaat Thüringen allein in den letzten drei Jahren in den Ausbau der Infrastruktur investiert haben, sagte gestern dessen Wirtschaftsminister Franz Schuster in Sondershausen. Den Landkreis Nordhausen kann er damit wohl kaum gemeint haben. Eher den Unstrut-Hainich-Kreis und den Landkreis Eichsfeld. Durch diese beiden Landkreise schlängeln sich die Bundesstraßen 247 und 249. Natürlich ist eine kleine Stadt wie Dingelstädt mehr als belastet, sie hat nun aber eine Umfahrung erhalten, Worbis und Heiligenstadt sollen folgen. Dingelstädt soll aber nicht mehr und auch nicht weniger durchfahren gewesen sein, wie es Greußen, Sondershausen oder Nordhausen immer noch sind. Was also habe die Planer dazu bewogen, eine Umfahrung für Dingelstädt dringender zu gestalten als für Nord- oder Sondershausen.
Hinter vorgehaltener Hand wird schon sein vielen Jahren kolportiert, dass der Weg für ministerielle und andere Beamte - wenn schon über eine Bundesstraße - in Richtung Westen nie und nimmer über die B 4 führen werde. Vielleicht auch lag es an dem Umstand, dass die beiden für die Nordthüringer Region einst verantwortlichen Straßenbauämter in Mühlhausen und Leinefelde stationiert waren, seit einem Jahr nur noch in Leinefelde. Offiziell wird beständig abgewunken. Dafür streiten sich die Politiker in Bund und Land über Prioritäten hinsichtlich der B 4 und der B243. Das kommt vor allem im Wahlkampf gut an - bei den Politikern, nicht beim Wahlvolk.
Vielleicht soll alles irgendwann mal die künftige Autobahn A 38 richten. Wen aber, so mache in mir hier auf der Hotelterrasse meine Gedanken, soll sie in die heimatliche Region bringen? Zuliefermaterial für eine noch nicht vorhandene Industrie? Investoren für den erhofften Aufschwung? Urlauber in eine nur zaghaft im Aufbau befindliche Tourismusbranche? Oder soll sie es den Menschen entlang der Trasse nur schneller ermöglichen, zu einem neuen Arbeitsplatz in einer entlegeneren Region zu kommen? Sicher wird die Autobahn die Orte vom Durchgangsverkehr entlasten, die momentan unter der B 80 zu leiden haben. Was passiert mit dem Schwerlastverkehr, wenn irgendwann einmal eine Maut für Lkw eingeführt wird?
Infrastruktur bedeutet aber nicht nur gewaltige Autobahnen, Bundesstraßen oder ausgebaute Kreisstraßen. Die Region um Bad Füssing ist auch in anderer Hinsicht gut erschlossen. Ein ausgebautes Radwegenetz lädt förmlich zum Strampeln ein. Verfahren ist kaum möglich, sofern man sich mit Tiersymbolen wie Eulen, Hasen oder Eichhörnchen auskennt.
Es gibt also in Nordhausen viel zu tun. Straßen ausbauen, Umgehungen einfordern, sich an die Autobahn gewöhnen, Radwege anlegen und vor allem zu einem Netz knüpfen, die Hotellerie und Gastronomie auf ein gemeinsames Vorgehen einschwören. Wohl erst mit einem Schnuppern in den Regionen, die das alles zu bieten haben, wird klar: Wir brauchen in Nordthüringen noch Jahrzehnte, um diesen Status zu erreichen. Vielleicht sollte man angesichts dieser Tatsache auch nicht so ungeduldig sein, vielleicht aber gerade doch? Ich schwinge mich auf den ausgeliehenen Drahtesel (1 Euro pro Tag) und nehme mir die Eulentour vor. 20 Kilometer, davon zehn am Inn entlang.
Viele Grüße, Ihr Peter-Stefan Greiner
