Briefe aus Bad Füssing (1)
Samstag, 31. August 2002, 13:22 Uhr
Nordhausen/Bad Füssing (nnz). Urlaub - endlich! Mit einiger Entfernung von Nordhausen sollen an dieser Stelle Entwicklungen oder Nachrichten der zurückliegenden Tage nachträglich betrachtet werden. Im ersten Füssing-Brief steht ein Polizist im Mittelpunkt.
Lange hatten Nordhäuser Politiker, vor allem aber die Mitarbeiter der Polizeidirektion Nordhausen auf den Nachfolger von Wolfgang Ruske gewartet. Dann war er endlich da - Günther Lierhammer. Statt einem Hessen, gab es nun einen Bayern. Wieder ein Wessi, das ist ja klar, so viele normale Menschen in diesem Landstrich. Günther Lierhammer musste die Lücke von Ruske füllen. Nicht die der über 100 Vereine, denen Wolfgang R. angehörte, sondern die in Nordhausen, in der Polizei. Ruske hatte einen entscheidenden Vorteil, er hatte seine Polizei in Nordhausen aufgebaut, hatte die Figuren in seinem personellen Schachspiel gesetzt und gezogen. Wie auch immer der verfrühte Abgang des Wolfgang R. zu bewerten sei, es war nicht mehr seine Polizei, die er Wochen später bei einem Tag der offenen Tür vorfand.
Nun hat ein Bayer die Fäden in der Hand. Lange Zeit agierte Lierhammer im Stillen. Dann wurde er agiler, hier eine Pressekonferenz, da ein Fototermin mit einer schmucken BMW. Lierhammer trat in den Vordergrund, brachte seine gesamte Erfahrung als PR-Profi ins Spiel. Zweifellos hat Günther Lierhammer viel in Nordhausen geleistet. Ob nun offiziell und halboffiziell: Er hat vor allem der Drogenszene den Kampf angesagt. Von verstärkten Kontrollen vor einer großen Diskothek in Nordhausen bis hin zu den Ergebnisse der SOKO Locke. Lierhammer ist in der Dealerszene verhasst. Und das ist gut so.
Günther Lierhammer war nicht immer Polizeidirektor. Er war auch Hubschrauberpilot. Seine Lizenz hat nun aber eine politische Dimension erhalten. Lierhammer fliegt immer noch. Ein Erlass des Innenministeriums in Erfurt macht es möglich. Da wittert die SPD Morgenluft und macht die Lierhammer-Flüge zum Gegenstand einer Sitzung des Innenausschusses im Landtag. Mag man nun die Oppositionsarbeit der Sozis beurteilen oder nicht. Die Frage nach den Einsätzen des Günther Lierhammer ist genau so wichtig, wie eine Meldung aus dem Nepal über einen neu angelegten Wanderweg. Lierhammer flog und fliegt wenn Not am Mann ist.
Der Bayer hat in den zurückliegenden Tagen jedoch den Bogen ein wenig überspannt. Er rief einen Menschen in Erfurt an. Der ist seines Zeichens Chef einer großen Thüringer Behörde und Vorgesetzter einer jungen Frau aus Nordhausen. Diese Frau schrieb zum tödlichen Schuß eines Polizisten in Nordhausen einen Leserbrief. Sie tat ihre persönliche Meinung kund. Sie schickte denn Brief von ihrer privaten Mail-Adresse ab. Einseitige Ermittlungen warf die Juristin der Polizei vor. Das alles passte dem Chef der Nordhäuser Polizei nicht. Er griff zum Telefonhörer und brachte seinen Unmut gegenüber dem Vorgesetzten der Juristin zum Ausdruck. So hat es jedenfalls die SPD-Landtagsfraktion recherchiert. Das ist nicht nur für die Sozialdemokraten nicht hinnehmbar. Hier wird der freien Meinungsäußerung ein Bärendienst erwiesen. Vor allem in einer Region, die vor 12 Jahren ein System abgelegt hat, in die gerade diese Haltung erwünscht war, werden die Antennen sofort ausgefahren. Hier ist man für eine derartige Haltung vermutlich noch zu sensibel. Aber vielleicht war und ist das in Bayern ja so üblich. Bemerkt habe ich das in Bad Füssing noch nicht.
Viele Grüße - Ihr Peter-Stefan Greiner
Autor: nnzLange hatten Nordhäuser Politiker, vor allem aber die Mitarbeiter der Polizeidirektion Nordhausen auf den Nachfolger von Wolfgang Ruske gewartet. Dann war er endlich da - Günther Lierhammer. Statt einem Hessen, gab es nun einen Bayern. Wieder ein Wessi, das ist ja klar, so viele normale Menschen in diesem Landstrich. Günther Lierhammer musste die Lücke von Ruske füllen. Nicht die der über 100 Vereine, denen Wolfgang R. angehörte, sondern die in Nordhausen, in der Polizei. Ruske hatte einen entscheidenden Vorteil, er hatte seine Polizei in Nordhausen aufgebaut, hatte die Figuren in seinem personellen Schachspiel gesetzt und gezogen. Wie auch immer der verfrühte Abgang des Wolfgang R. zu bewerten sei, es war nicht mehr seine Polizei, die er Wochen später bei einem Tag der offenen Tür vorfand.
Nun hat ein Bayer die Fäden in der Hand. Lange Zeit agierte Lierhammer im Stillen. Dann wurde er agiler, hier eine Pressekonferenz, da ein Fototermin mit einer schmucken BMW. Lierhammer trat in den Vordergrund, brachte seine gesamte Erfahrung als PR-Profi ins Spiel. Zweifellos hat Günther Lierhammer viel in Nordhausen geleistet. Ob nun offiziell und halboffiziell: Er hat vor allem der Drogenszene den Kampf angesagt. Von verstärkten Kontrollen vor einer großen Diskothek in Nordhausen bis hin zu den Ergebnisse der SOKO Locke. Lierhammer ist in der Dealerszene verhasst. Und das ist gut so.
Günther Lierhammer war nicht immer Polizeidirektor. Er war auch Hubschrauberpilot. Seine Lizenz hat nun aber eine politische Dimension erhalten. Lierhammer fliegt immer noch. Ein Erlass des Innenministeriums in Erfurt macht es möglich. Da wittert die SPD Morgenluft und macht die Lierhammer-Flüge zum Gegenstand einer Sitzung des Innenausschusses im Landtag. Mag man nun die Oppositionsarbeit der Sozis beurteilen oder nicht. Die Frage nach den Einsätzen des Günther Lierhammer ist genau so wichtig, wie eine Meldung aus dem Nepal über einen neu angelegten Wanderweg. Lierhammer flog und fliegt wenn Not am Mann ist.
Der Bayer hat in den zurückliegenden Tagen jedoch den Bogen ein wenig überspannt. Er rief einen Menschen in Erfurt an. Der ist seines Zeichens Chef einer großen Thüringer Behörde und Vorgesetzter einer jungen Frau aus Nordhausen. Diese Frau schrieb zum tödlichen Schuß eines Polizisten in Nordhausen einen Leserbrief. Sie tat ihre persönliche Meinung kund. Sie schickte denn Brief von ihrer privaten Mail-Adresse ab. Einseitige Ermittlungen warf die Juristin der Polizei vor. Das alles passte dem Chef der Nordhäuser Polizei nicht. Er griff zum Telefonhörer und brachte seinen Unmut gegenüber dem Vorgesetzten der Juristin zum Ausdruck. So hat es jedenfalls die SPD-Landtagsfraktion recherchiert. Das ist nicht nur für die Sozialdemokraten nicht hinnehmbar. Hier wird der freien Meinungsäußerung ein Bärendienst erwiesen. Vor allem in einer Region, die vor 12 Jahren ein System abgelegt hat, in die gerade diese Haltung erwünscht war, werden die Antennen sofort ausgefahren. Hier ist man für eine derartige Haltung vermutlich noch zu sensibel. Aber vielleicht war und ist das in Bayern ja so üblich. Bemerkt habe ich das in Bad Füssing noch nicht.
Viele Grüße - Ihr Peter-Stefan Greiner
